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freizeit
03/24/2020

Diesen Grund kennen Sie nicht: Warum hamstern wir in Krisenzeiten Klopapier?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden

von Barbara Reiter

In einer Zeit, in der Banalität im Grunde keine Existenzberechtigung hat, ist das Alltagsbanale mehr denn je ins Zentrum gerückt. Klopapier – davon erzählen leere Supermarktregale und in den Medien beschriebene Schlägereien – ist in Krisenzeiten so begehrt, dass der Mensch von der Rolle ist. Bei Nudeln kann man die Nachfrage ja noch verstehen. Sie  schmecken, sind günstig und machen satt. Aber bei Klopapier? Das lädt Nichtexperten („Wenn die Lage besch ... ist, braucht man eben mehr Papier“) und Experten zur Ursachenforschung ein.    

Die Allzweckwaffe

Klopapier hat kein Ablaufdatum, ist im Mengen-Angebot günstiger und vielseitig einsetzbar. Neben seiner Primärverwendung eignet es sich als Verband-, Isolier- und Informationsmaterial sowie als Wasserfilter. Soweit die praktischen Gründe. Psychologen orten zudem einen unsichtbaren Feind, der beim Menschen Handlungsunfähigkeit auslöst. Dem muss man mit Hamstern etwas entgegensetzen, um wieder Frau und Herr der Lage zu sein.

Die Gene sind schuld

Angstforscher wie der deutsche Borwin Bandelow, schieben die Panikkäufe außerdem auf unsere Vorfahren, was dann zum Tragen kommt, wenn uns nichts mehr einfallen will. Vor Hunderttausenden Jahren, so Bandelow, war Vorratshaltung ein Muss, da im Winter wachstumstechnisch tote Hose war. Wer nicht bunkerte, starb. „Das steckt bis heute in unseren primitiven Genen.“ Dazu kommt: Kauft einer, kauft jeder, was plausibel, wenn auch nicht befriedigend klingt.

Handke hat die Lösung

Die Suche nach Gründen für das Klopapier-Hamstern muss also weitergehen. Und siehe da: Ausgerechnet ein Österreicher scheint das Phänomen entschlüsselt zu haben. Literaturnobelpreisträger Peter Handke offenbarte 2012 in seinem „Versuch über den Stillen Ort“, dass ihm jener weltweit „Zuflucht, Asyl, Versteck, Rückzugsgebiet, Abschirmung, Einsiedelei“ gewesen sei. „Ein Ort, wo der Geist im wahrsten Sinne Ruhe findet.“ Inmitten des Weltgeräusches einsilbig geworden, kehrte er ‚danach‘ „vielsilbig, voll von Redelust“ zurück.

Was diese These unterstützt: Abort heißt im Lateinischen entschwinden. Eine Sehnsucht, die an Tagen wie diesen nur allzu nachvollziehbar ist.  

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.