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FREIZEIT
04/07/2019

Austro-Jaguar im Test: "Sie werden Ihr Ziel nicht erreichen!"

Jetzt hat Jaguar ein Elektroauto. Hergestellt in Graz, verspricht der I-PACE eine sensationelle Reichweite. Löst er sie auch ein?

von Bernhard Praschl

Verrückte Idee? Wir wollen dem ersten elektrischen Jaguar, dem I-PACE, ein gutes Stück seiner Heimat zeigen – die Obersteiermark. Diese Spezies der automobilen Großkatze wird nämlich in Graz gebaut, bei Magna.

Ein Austro-Jaguar für die ganze Welt. Bruno Kreisky hätte das gefallen. Der Bundeskanzler träumte einst vom Austro-Porsche, fuhr selber aber jahrelang Rover –  immerhin britisch. Seit zehn Jahren ist Jaguar indisch – Tata Motors hatte die Traditionsmarke Ford abgekauft – und wir werden jetzt kurz hysterisch: Na, hoffentlich geht sich die Heimfahrt aus.

Experiment in E

Das Navi hat uns nämlich schon bei der Hinfahrt weg von der A2 zu einer E-Tankstelle in einer kleinen Ortschaft  gelotst. Wohl in (Internet-) weiser  Voraussicht. Aber Pech, diese Säule wollte keinen Strom herausrücken. Egal, der Gedanke an das noch  gut 60 km entfernte Ziel machte jeden Frust vergessen – der Pogusch.

Nach eineinhalbstündiger Fahrt – bei moderaten Tempo 110 km/h im Schnitt – angekommen, fanden die beiden Wohlfühloasen sofort aneinander Gefallen. Hier die Pogusch-Alm mit ihren Wiesen. Dort der wuchtige Wagen mit den SUV-Maßen – bei 4,7 m Länge ist er knapp 2 Meter breit sowie  1,57 m hoch –, und dem grünen Herz. Der I-PACE stößt keine Schadstoffe aus – null  g CO2. Mehr Bio geht für einen Boliden in Photon Red nicht.


Griaß di: Wir machen einen Abstecher ins Wirtshaus Steirereck, das Auto darf ausruhen. Abend wird’s, die Sonne taucht ab und wir müssen uns langsam verabschieden. Wir? Der I-PACE offenbar nicht. Bei Antritt der Heimfahrt meldet das inmitten von reichlich Bling Bling – Einstiegsleisten aus Alu, Leder, 4-Zonen-Klima, Head-up-Display, Touchscreen – platzierte Navi nüchtern: „Sie werden Ihr Ziel nicht erreichen.“

Na, bumm, jetzt wird's ernst. Denn eine zweite Message macht uns noch stutziger: „Auf Ihrer Strecke liegt keine Lademöglichkeit.“

Da hat das Navi die Rechnung ohne unsere Smartness gemacht. Wir hatten nämlich zuvor unsere Hausaufgaben gemacht und uns auf den Fall der Fälle vorbereitet – den Ausfall.

Das erste Schnellimbiss-Restaurant war noch nicht der Jackpot, aber das zweite hatte eine Ladestelle am Parkplatz. Bruck an der Mur mutiert kurzerhand zu unserem Sehnsuchtsort. App runterladen, Kabel anschließen, geht schon. Den I-PACE füttern, äh, laden dauert trotzdem lange, sehr lange.

Eine halbe Stunde müssen wir warten, bis er Stoff für gut 100 Kilometer Fahrt intus hat. Dass der dann 15,82 € kostet, überrascht. Sooo teuer?

Wolfgang Ziebart, technischer Direktor bei Jaguar Land Rover und Vater des I-PACE, erwartet, dass schon kommendes Jahr 24,3 Millionen Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen fahren.

 
Wir sind da noch nicht ganz so sicher.

Steckbrief:

Jaguar I-PACE
E 400 AWD First Edition

2 Elektromotoren,
294 kW/400 PS,
696 Nm Drehmoment,
Allrad Leergewicht: 2,2 t

4,8 s auf 100 km/h,
200 km/h Spitze
Reichweite: 365 km (nach ADAC)

(102.570 €, Grundpreis: 78.380 €)

 

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