freizeit
07.04.2018

TV-Moderator Alexander Rüdiger: Es tun, das ist es!

Mehr als der „Money Maker“: Alexander Rüdiger läuft am Nordpol, trotz Kälte und Verletzung. Was den Extremsportler antreibt.

Herr Rüdiger, Kahlschlag im ORF. Peter Rapp und seine „Brieflos-Show“ weg, „Bingo“ samt Moderatoren abgesetzt – nun bleiben nur noch Sie als „Money Maker“. Wie geht es Ihnen  nach den jüngsten Veränderungen?

Eine Nachricht, die tief unter die Haut geht. Keiner hat die österreichische TV- und Medien-Szene wohl so geprägt wie unser aller Peter. Und doch bin ich sicher, Peters Showrad wird sich weiterhin drehen im TV –  und ganz sicher auf zahlreichen Bühnen.

Sie waren lange Peter Rapps Assistent. Hätte es Sie nie selbst gereizt, die erste Geige zu spielen?  

Als waschechter Wiener kann ich klar sagen: „Na no na net“. Peter Rapp hat damals eines zu mir gesagt:  „Weißt du Alexander, wir zwei haben etwas, was nur wenige Menschen haben.  Wir lieben das Publikum.  Aber der Unterschied zwischen dir und mir ist, dass ich eine Elefantenhaut habe. Wenn du dir das nicht aneignest, wirst du es in der Branche nicht bis ganz nach oben schaffen.“  Möglicherweise liegt ein Quäntchen Wahrheit darin.  

Immerhin moderieren Sie seit zwölf Jahren den Money Maker und sind zur Marke geworden. Hat es Sie nicht gestört, im grünen Anzug aufzutreten?  

Anfangs war ich sicher das personifizierte grüne Kostüm, aber das ist viele Jahre her. Das Outfit hat sich zum Glück auch verändert und ich habe fünf Jahre dafür gekämpft. Früher war die Weste viel knalliger, mittlerweile ist das Kostüm eine Mischung aus Grün und Schwarz.

Warum hat Ihr Vorgänger Alex Krause nach elf Jahren aufgehört?   

Ich behaupte mal, Alex war damals noch in einem Alter, wo beruflich  vieles möglich war.  Er wollte damals einfach mehr oder etwas anderes aus dem Job machen.

Er ist eigentlich auch „schuld“ daran, dass aus Ihnen ein Marathonläufer wurde.

Ich bin damals 30 geworden und mir haben massive Veränderungen im privaten Umfeld  sehr zu denken gegeben. Ich habe gespürt, dass ich darauf antworten muss und aus reiner Neugierde ein Laufseminar besucht. Seit jenem Tag bin ich Läufer. Alex hat mir zum Geburtstag ein Paket für den Grazer Stadtmarathon geschenkt. Zuerst habe ich mich sehr darüber gefreut, ohne zu bedenken, dass jemand, der 20 Minuten traben kann, nicht zwingend dafür vorgesehen ist, einen Marathon zu laufen. Nach 30 Minuten war der Ehrgeiz verblasst.   

Haben Sie es bis ins Ziel geschafft?

Es war ein langer und zäher Kampf. Aber ich habe mich nach vier Stunden und zwanzig Minuten endlich über die Ziellinie geschleppt. Mein erster Gedanke war, dass ich so etwas nie wieder erleben möchte. Die Stunden haben mich einfach zu viel Schmerz und Überwindung gekostet. Aber mit der Zeit habe ich erkannt, was den Langstreckenlauf so faszinierend macht. Es geht um Ausdauer, es geht darum, so lange durchzuhalten, bis man tatsächlich die Ziellinie  überquert hat. Von da an wollte ich immer mehr.

Haben Sie sich einen Trainer genommen oder es alleine versucht?

Ich würde sagen, es war „learning by doing“. Ich bin einfach jeden Tag ein bisschen weiter gelaufen. Für mich ist aber immer die Freude, in der Natur zu sein, im Vordergrund gestanden. Ich hatte früher eine sehr erfolgreiche Kreativ-Agentur und muss sagen: Die besten Brainstormings waren die in der Natur. Ich bin mit einer Aufgabenstellung losgelaufen und hatte am Ende die Antwort darauf. Was ich auch großartig finde, ist, dass ich neben dem Laufen lernen kann. Ich höre fast nie Musik, sondern nur Hörbücher.

Welche Art von Büchern sind das?

Meistens geht es um Leadership. Viel lieber als die Ergüsse selbst ernannter  Leadership-Trainer sind mir autobiografische Erfahrungen. Für mich ist es ein Unterschied, ob jemand zu mir aus eigener Erfahrung spricht, oder nur Wissen weitergibt, das er sich selbst irgendwo angeeignet hat. Beides hat seine Berechtigung, aber meiner Meinung nach geht vom eigenen Erleben die bessere Energie aus. Mein letztes Hörbuch war „Reden wir über Geld“ von Niki Lauda.

Reden wir über Extremsport: Sie belegen bei Bewerben zwischen Wüste und Nordpol  immer wieder Spitzenplätze. Das stellt sich natürlich die Frage: Was machen Sie besser als andere?

Einfach beantwortet ist es hart erarbeitet. Da ist nichts mehr leicht und es kommen Verletzungen dazu. Die Luft ganz oben ist, im wahrsten Sinne des Wortes, sehr dünn.  Bei meinem Vulkan-Marathon mussten wir relativ lange in einer konstanten Höhe von über 4.000 Metern laufen. Am Nordpol macht jedem Läufer die Kälte zu schaffen,  bei der Chinesischen Mauer waren es die Stufen mit 60 Zentimeter Höhenunterschied, in Ägypten die Hitze.  Wenn du im  ersten Drittel dabei sein willst, musst du was tun – genauso wie beim Wien-Marathon, wenn du ihn unter 3:30 oder gar unter drei  Stunden schaffen willst.  Da gibt es nix, außer: trainieren, trainieren und nochmals trainieren!

Verschont Sie der innere Schweinehund?

Ach, er quält mich jeden Tag. Wenn ich nicht gerade verletzt bin, wie jetzt, laufe ich jeden Tag zwischen zehn und 30 Kilometern. Ich weiß daher, dass ich ihn nach zehn bis 15 Minuten abgehängt habe. Manchmal trabt er bis zum Schluss neben mir her und ich denke mir: „Um Gottes Willen, warum tust du dir das an?“

Sie sind verletzt und laufen beim Nordpolmarathon mit bis zu minus 40 Grad?

Der Arzt hat festgestellt, dass meine Venenklappe im linken Unterschenkel defekt ist und  operiert werden muss. Ich kann derzeit kaum gehen, aber ich habe beinhart trainiert  und wenn es sein muss, mache ich eben einen Spaziergang auf dem  Nordpol. Das Naturerlebnis ist einfach unbezahlbar.  Wichtigste Eisbärenregel: Sei zumindest nicht der Letzte!

Warum quälen Sie sich so?

Ich glaube, der Ursprung liegt in meiner  Schulzeit. Ich war  kein guter Schüler im Sinne des Schulsystems  und auch im Sport nicht herausragend. Eigentlich konnte ich nur beim Reden,  bei den  Mädels, beim Laufen und Skifahren punkten. Ich glaube, dass damals etwas entstanden ist, das bis heute  Wirkung hat.  Aber dass mir die Natur so gefällt, war als Kind gar nicht so. Wenn mein Vater das lesen  könnte, würde er sich denken: „Das ist mein Kind? Der  wollte doch nie mit mir  in die Berge!“ Das ist erst organisch gewachsen.

Sie haben einmal die Frage, wo Sie sich in 20 Jahren sehen, so beantwortet: „Ich möchte dort sein, wo mein Vater nie war.“ Was wollen Sie damit sagen?

Im Endeffekt geht es darum, das Beste zu geben und danach zu trachten, nie stehen zu bleiben. Mir rennt die Ganslhaut, wenn ich daran denke, was ich dem Heiligen Jakobus vor vielen Jahren  auf dem Jakobsweg versprochen habe. Ich habe meine Reise damals nicht wie die meisten Pilger in der Kathedrale von  Santiago di Compostela beendet, sondern in Finistère. Beim Aufbruch habe ich Jakobus in der Kathedrale  angesehen und gesagt: „Ich werde nie aufhören, an mir zu arbeiten und möchte jeden Tag ein klein wenig besser werden als am Tag zuvor.

Ihr Vater ist verstorben, als Sie zwölf Jahre alt waren. Es gibt zwei Versionen von seinem Tod: Ein Autounfall und Selbstmord. Was ist passiert?

Mein Vater ist bei einem  tragischen Autounfall verstorben, als ich zwölf Jahre alt war. Das hat mich damals aus der Bahn geworfen. Die Jahre danach waren sehr turbulent, trotzdem habe ich niemals aufgegeben. Auch wenn ich keine leichte Kindheit hatte, war es für mich kein Freibrief für ein durchschnittliches Leben. Ich habe damals gespürt, dass ich mich nicht völlig  gehen lassen darf und schaffen kann, was ich erreichen will.   

Warum sind Sie damals auf den Jakobsweg gegangen?  

2005 war bei mir eine verfahrene Situation mit meinem Sohn evident (Anm.: er ist 14)  und ich hatte eine Parkinson-kranke Mutter. Ich habe das Buch „Der Jakobsweg“ von Paulo Coelho gelesen, habe meine Agentur im schönsten Haus von Hietzing über dem Plachutta zugesperrt und bin losmarschiert.  Die Wahrheit ist: Google Maps kann dir in solchen Situationen nicht den richtigen Weg zeigen.    

Mittlerweile gilt der Jakobsweg als überlaufen. Glauben Sie, man kann da noch Antworten auf Lebensfragen finden?

Definitiv. Es kommt auch stark darauf an, wann und welchen Weg man geht. Der  bekannteste ist der „Camino Francés“, der im Sommer wahrlich eine Party ist. Aber die Leute, die nur im Sommer Zeit haben, werden auch da etwas erfahren. Trotzdem ist es meinem Gefühl nach besser, sich eine Jahreszeit auszusuchen, in der der Weg nicht so überlaufen ist.

Herr Rüdiger, Sie haben die mögliche  Moderations-Karriere wegen der nicht vorhandenen dicken Haut ausgelassen. Dabei wären Ihnen viele Türen offen gestanden.1992 haben Sie beim RTL-Talente-Casting „Showmaster“ den 3. Platz belegt.  Warum haben Sie es in Deutschland nicht zumindest versucht?  

Ich war damals schon verheiratet und hatte meine Agentur. Ich hatte Kunden und Aufträge. Es wäre möglich, aber unverantwortlich gewesen.  Dabei hatte ich nach der Sendung wirklich lukrative Angebote. Eines der besten war, Clubchef der „Aida 2“ zu werden, mit einer Wahnsinnsgage, die auch heute noch sehr anständig  wäre. Ich hätte aber neun Monate am Schiff verbracht. Dazu wären diverse Produktionen und Werbung gekommen.

Sie waren bei Ihrer Hochzeit erst 18. Ihr Glaube an die Liebe war offenbar groß.

Ich kann schon sagen, dass Brigitte damals mein Lebensmensch war. Die Familie hat uns damals nicht mehr als ein paar Wochen gegeben. Es hat dann doch 13 Jahre gehalten. Wir sind auch heute noch befreundet und meine Freundin Romana und Brigitte haben ein gutes, freundschaftliches Verhältnis.

Sie werden im Oktober 49 Jahre alt. Wie soll die zweite Lebenshälfte aussehen?

Ich  werde meine Erlebnisse in bunten MUTmachenden Impulsvorträgen weitergeben. Und ich habe noch viele Abenteuer in Sachen Weitwandern, Extrem-Marathon und Berge geplant. Außerdem arbeite ich an zwei Büchern. Ich bin der Meinung, dass Bücher einfach Stellen erreichen, wo der Fernseher nicht hinkommt.  

Wo wird man Sie sehen können?

Auf dem Weg von Sevilla nach Santiago habe ich ein Ehepaar kennengelernt, das im Stift Melk einen Vortrag über seine Wanderung gehalten hat. Es hat mich sozusagen als prominenten Wegbegleiter dazu eingeladen.  So bin ich ins Gespräch mit Pater Martin gekommen, der mich nun  selbst zu einem Vortrag animiert hat. Premiere ist an meinem Geburtstag am 17. Oktober im Stift Melk.

Was wird die Kernaussage Ihres Vortrages sein?

Es  soll eine Anleitung im Sinne von „So gewinnst du immer“ sein. Darüber hinaus möchte ich weiterhin sportlich zeigen, dass man auch als fast 50-Jähriger viel bewegen kann.  Denn was ich mache, sind vielleicht Dinge, die extrem klingen, aber die jeder halbwegs fitte durchaus bewältigen kann.

Bei minus 50 Grad am Nordpol laufen? Meinen Sie wirklich?

Es tun: Das ist es! Im Grunde sind es nur außergewöhnliche Destinationen. Sie könnten schon nächste Woche mit mir auf den Nordpol. Wenn man nicht läuft, geht man eben.  Natürlich gibt es wie bei jedem Lauf die Elite, aber es gibt auch genügend Teilnehmer, die sich mit Gleichgesinnten in einer außergewöhnlichen Umgebung bewegen wollen. Diese Eindrücke sind unbezahlbar.   Was ich hier erlebt habe, ist, dass es möglich ist,  Menschen aus der ganzen Welt im friedlichen, sportlichen Wettstreit freundschaftlich zu begegnen.  

Sollte ich jemals das Glück haben, es in die Money-Maker-Show zu schaffen: Wie verhalte ich mich im Windkanal?  

Im Endeffekt ist es so: Du musst schnell sein und du musst eine Super-Schlussposition machen. Das ist alles.  Es gibt sogar einige Kandidaten, die sich zuhause eine Gelddusche gebaut haben, um zu üben. Ein Burgenländer zum Beispiel, hat sich auf  ein Boot, das in seinem Garten gestanden ist, ein Fahrrad gebaut. Seine Frau hat durch das Treten eine Zirkulation in einem Kobel erzeugt, in dem kopierte Geldscheine herumgeflogen sind. Der Punkt ist, dass die Kandidaten, die sich  geistig auf die Sendung vorbereiten, in der Regel auch mehr gewinnen.  

Ihr Glücksmotto?

Los: Lauf! Los: Liebe!  Los: Lebe!

MANN MIT SHOWTALENT

Alexander Rüdiger, 48, wurde 1969 in Wien geboren. Das Einzelkind war nach eigenen Angaben ein schlechter Schüler. Nach abgebrochener Ausbildung versuchte sich Rüdiger unter anderem als Kochlehrling,  Friseur und Skilehrer. Seine wahre Passion fand er aber in der Moderation. In der deutschen RTL-Sendung „Showmaster“ in der junge Talente gesucht wurden, erreichte er 1992 den dritten Platz, blieb aber in Österreich, weil er bereits seit seinem 18. Lebensjahr verheiratet war und eine Kreativ-Agentur besaß. Ab 1994 moderierte er auf Radio Niederösterreich, wurde ab 1996 TV-Warm-Upper großer ORF-Shows und Assistent von Peter Rapp. Seit 2006 moderiert Rüdiger die Lotterie-Sendung „Money Maker“. Rüdiger lebt in einer Beziehung und hat einen 14-jährigen Sohn.