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freizeit
05/28/2019

Teppichguru Ali Rahimi zieht seine Fäden

Wollen Sie einen von Vivienne Westwood oder Diane von Fürstenberg designten Teppich? Ali Rahimis neuer Coup macht's möglich.

Gern hätte er Karl Lagerfeld um einen Teppichentwurf gebeten, der stand ganz oben auf seiner Wunschliste. Zu spät, bedauert Ali Rahimi jetzt. Die Liste der Designer, mit denen ihm Kooperationen gelungen sind, liest sich indes lang und tröstlich.

Damit kurbelt er sein Business an, macht Teppiche zum lustvollen Produkt, greifbar, fühlbar und erlebbar. Er zeigt seine Ware nicht nur, er inszeniert sie. Das funktioniert mit klingenden Namen und einer gediegenen Geschäftsadresse. Seit 40 Jahren residiert die Firma Rahimi & Rahimi im Palais Szechenyi in der Wiener Spiegelgasse.

Seit Neuestem hat Rahimi eine Kooperation mit der RUG Company in London. Der  weltweit größte Anbieter moderner Designteppiche engagierte Künstler wie Alexander McQueen, Vivienne Westwood und Paul Smith exklusiv.

 Westwood, Clinton und der Papst

Im Palais Szechenyi versammelt der umtriebige Geschäftsmann Politiker, Wirtschaftsleute und Künstler von höchstem Rang.

 

„Beim Teppich- und Verbindungenknüpfen muss der Knoten immer fest sitzen“, erklärt Rahimi und erzählt der , wie er das genau meint.

Rahimis 50. Geburtstag stand bevor. Längst war bekannt, dass er sich sozial sehr engagiert, und so kam die Anfrage der UNO, ob er zur Geburtstagsfeier  eine Charity gegen Menschenhandel organisieren könne, nicht von ungefähr. Er dachte kurz nach und klopfte dann bei Vivienne Westwood an, die damals noch ihren Shop auf der Tuchlauben unterhielt. Sie solle doch bitte einen Teppich für den guten Zweck gestalten und anwesend sein, was sie beides tat. Zur handverlesenen Gästeschar gesellte sich auch Ban Ki-moon, der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen. Die Benefizveranstaltung wurde ein voller Erfolg und Rahimi im Gegenzug Sonderbeauftragter der UNO.

Auch das Teppichmeisterstück von Hermann Nitsch kam für die Katastrophenrettung „Hilfe im eigenen Land“ unter den Hammer. Einer der Abnehmer hieß Kurt Mann. Vor vier Jahren machte sich Rahimi stark für die Bill Clinton-Foundation, die sich unter anderem um die Bekämpfung von Aids kümmert. Die Connection entstand über den Life Ball und Gery Keszler. „Liebe und Frieden“ hieß die Botschaft, in 30 Sprachen eingewebt. Das Statement „Barmherzigkeit“ fand sich in gleicher Weise auf einem Teppich für den Papst. Rahimi erhielt eine Audienz  und überreichte das Prunkstück medienwirksam Franziskus in Rom. Der bedankte sich mit der Überreichung des päpstlichen Ordens. „Damit käme ich theoretisch ohne Sicherheitskontrollen mitten  in den Vatikan“, erklärt Rahimi lachend. Beide Schriftteppiche gestaltete Jan Kath. Wer ist Jan Kath? Der momentan angesagteste Teppichdesigner der Welt. Er interpretiert das Produkt Teppich neu, verwandelt klassische Motive aus dem Orient in moderne Vintagemuster und lässt dabei Fairtrade ebenso wenig außer Acht wie hochwertige Materialien aus Wolle und Seide. Damit experimentiert Kath; mittels einer speziellen Flammtechnik entstehen auf der Teppichoberfläche 3D-Effekte, weil Wolle schneller verbrennt als Seide. Rahimi lernte Kath vor 15 Jahren kennen und hat ihn exklusiv für Österreich unter Vertrag.
 

Expansion Design

Mit Jan Kath geht das Teppichhaus Rahimi & Rahimi neue Wege in Richtung Design. Modernes grafisches Design für die junge Klientel, den Kunden von morgen. Und da diese noch nicht das nötige Kleingeld für teure Teppiche besitzen, lässt Rahimi in der Zweitschiene junge leistbare Designer aus Indien, Pakistan, dem Iran, der Türkei aber auch aus Österreich gestalten.
 

Großes Herz

Schon sein Vater studierte in Österreich und ist für immer hier geblieben. Rahimi kommt aus einem bildungsorientierten Elternhaus, lernte Sparsamkeit und Empathie. Alis Wurzeln sind in Teheran, wo er auch zur Welt kam. Den Großteil seines Lebens hat er jedoch in Wien verbracht. Da schlagen gleich zwei Herzen in einer Brust:  Orient und Okzident. „Dieser Mix aus iranischer Gastfreundschaft und der Wiener Melange ist einfach genial“, lacht Rahimi. Heute vor einem Jahr verlieh ihm der damalige Bürgermeister Häupl das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Für sein großes Herz und für seine große Gabe, Menschen zu verbinden.