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freizeit
04/21/2019

David Garrett: "Rückschläge gibt es in jedem Leben"

Der Ausnahme-Musiker, 38, hat die Höhen und Tiefen von Popularität erlebt. Im Interview spricht er über sein turbulentes Leben.

von Barbara Reiter

 David Garrett ist der Mann, der wie kein anderer Pop und Klassik fusioniert und Crossover erfolgreich gemacht hat. Bei unserem Treffen trägt er Stirnband, die Haare hat er zusammengebunden. „Nicht zu bändigen heute“, sagt er. Ein „Bad-Hair-Day“ vielleicht. Er sieht trotzdem blendend aus, auch, wenn sein Leben zuletzt turbulent verlaufen ist. Was vor zwei Jahren im Leben des Star-Geigers passiert ist, dürfen wir laut Management nicht besprechen. Liebeskummer für Fortgeschrittene könnte man sagen. Aber über seine „Unlimited-Tour“, mit der er am 31. Mai in Wien aufgeigt, will David reden:  „Gerne und ausführlich!“ Dabei wird es nicht bleiben.

 

Herr Garrett, darf man Sie überhaupt noch was fragen?

Natürlich, Sie können mich gerne alles fragen. Ich weiß ja nicht, was Sie im Vorfeld gehört haben.

Erzählen Sie erst von Ihrer Stradivari. Ist das die wertvollste Geige der Welt?

Die Marke ist  auf jeden Fall die bekannteste. Von der Wertigkeit gibt es aber Instrumente von Guarneri del Gesù, die teilweise die Preise von Stradivari übertreffen.

Seit Jahrhunderten versucht die Wissenschaft zu klären, was eine Stradivari oder del Gesù so besonders macht. Haben Sie eine Antwort?

Naja, es ist wie mit einem schönen Gemälde. Bei einem da Vinci ist das Besondere ja auch, dass er sehr selten ist – und noch dazu fantastisch gemalt. Natürlich kann man das bis ins kleinste Detail kopieren, aber dann fehlt ihm die Persönlichkeit.

Stimmt es, dass sie Ihnen von einem privaten Besitzer zur Verfügung gestellt wurde und verraten Sie uns Ihren Wert?

Ich habe sie mir vor ein paar Jahren gekauft. Was so eine Stradivari kostet, kann jeder googeln. (Anm.: Preise im siebenstelligen Bereich). Für mich hat sie vor allem einen unschätzbaren emotionalen Wert. Ich kann mich mit dem Sound sehr identifizieren und habe die Möglichkeit, all die Nuancen herauszuholen, die ich mir in meiner Fantasie vorstelle.

Sie haben erst im Dezember eine Tour beendet und stehen kurz vor der nächsten. Vorfreude, Anspannung oder beides?

Vorfreude ja, aber mit einer gewissen Anspannung, weil man natürlich eine perfekte Show abliefern möchte. Die Effekte und Überraschungen sind sicher das Beste, was wir bisher gemacht haben. Nach ein, zwei Wochen kehrt bei mir erfahrungsgemäß auch  immer Lockerheit ein.    

Wie lange werden Sie unterwegs sein?

Eineinhalb Jahre. Zuerst in Deutschland, Österreich und der Schweiz und dann in der ganzen Welt.

Können Sie die Stücke, die Sie spielen, dann überhaupt noch hören?

Natürlich, ich habe das Programm bewusst mit Titeln bestückt, die ich immer wieder gerne spiele.

Michael Jackson haben Sie immer gespielt. Werden Sie das auch tun, nachdem die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn wieder hochgekocht sind?

Ich habe auch überlegt, ob wir Stücke von ihm rausnehmen sollen oder nicht. Aber in letzter Instanz haben wir beschlossen, wieder ein Arrangement von „Smooth Criminal“ zu machen. Der Song hat für mich einfach eine sehr große Bedeutung, weil er mir beim zweiten Album (Anm.: „Encore 2008“) die Tür zu einem breiteren Publikum geöffnet hat.  

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Sehen Sie sich eigentlich  noch als klassischen Musiker?

Die Frage stellt sich für mich nicht. Bei mir halten sich Crossover- und Klassik-Konzerte die Waage. Ich glaube nicht, dass große Künstler wie Claudio Abbado oder Zubin Mehta mit mir arbeiten würden, wenn sie nicht von mir als klassischem Musiker überzeugt wären. Ich habe dieses Fundament nie verlassen und  glaube, dass ich Crossover nicht auf dem Niveau machen könnte, wenn ich kein klassischer Musiker wäre.

Wie geht es Ihnen als klassischer Musiker mit Boulevard-Meldungen? Zum Beispiel: „Schock-Geständnis: David Garretts Haare büschelweise ausgefallen“

Das habe ich komischerweise bei einem Facebook-Alert auch gelesen und musste erst mal gucken, worum es überhaupt geht. Ich war sehr interessiert, wann das denn passiert sein soll. Aber es stimmt. Mir wurden für „Paganini“ (Anm.: 2013) die Haare schwarz gefärbt. Ich dachte, man könnte das schnell auf Blond zurückfärben, was mit ziemlich aggressiven Mitteln versucht wurde. Danach waren die Haare wie Stroh.  

Sind das Berichte, die Sie gerne über sich lesen?

Es ist schon witzig, was  man alles für nette Sachen in einem Interview nur so am Rande erwähnt, und was dann daraus gemacht wird. Aber ich habe großen Respekt vor dem Journalisten, der es mit dem Titel geschafft hat, auch meine Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

Sie hatten zuletzt mit anderen Sorgen zu kämpfen. Ein Bandscheibenvorfall hat Sie 2018 ein halbes Jahr lang niedergestreckt. Das muss schlimm sein für jemanden, der dauernd auf Achse ist.

Eines kann ich Ihnen sagen: Das Reisen von einem Ort zum nächsten mit Einpacken, Auspacken, Umpacken und so weiter ist mir wirklich nicht abgegangen.

Sie durften in dieser Zeit auch nicht Geige spielen. War Ihnen nicht fad?

Man kann sagen, dass ich zu der Zeit gut Bescheid gewusst habe, was auf Netflix so läuft. Aber es war auch eine Gelegenheit, einmal zur Ruhe zu kommen.

Sie hatten 2017 auch private Rückschläge. Wie gehen Sie damit um?

Rückschläge gibt es in jedem Leben und du kannst nicht immer selbst bestimmen, wie dein Leben verläuft. Das Wichtigste ist, das Beste daraus zu machen. Man lernt durch das Negative auch immer mehr als durch das Positive. Wenn wir uns zurückerinnern, sind oft die negativen Ereignisse die präsentesten – weil sie uns geprägt und im Optimalfall weitergebracht haben.

Bis man das erkennt, ist es meist ein schmerzhafter Weg.

Dazu sind Freunde und Familie da – dich zu unterstützen, in den Momenten nicht den Kopf hängen zu lassen. Man kennt sich ja selber, weiß, wo man sich vertan hat und zu gutgläubig war, aber auch, wo man sich Fehler eingestehen muss. Abgesehen davon, gibt es in meinem Leben mit der Musik eine wunderbare Konstante.

Sie haben sich in vergangenen Interviews immer gerne als einsamer Wolf dargestellt. Sind Sie das noch?

Als Musiker ist man das immer, weil man viel Zeit mit sich alleine verbringt. Das Üben passiert halt im Zimmer, da kann dir keiner helfen!

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