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Multimedia
04/09/2016

Star der Woche: JAHSON THE SCIENTIST

Der spannendste Hip-Hop der Stunde kommt aus Wien: Jahson The Scientist veröffentlicht seine erste österreichische CD "No Doubt". Außerdem: Neue Scheiben von Underworld, Yeasayer, Rokia Traore, Laura Gibson. Und eine Playlist als "gemischte Platte" mit frischen Früchten aus praktisch allen Genres. Von Iggy Azalea bis zu den Last Shadow Puppets und Thom Yorke.

von Andreas Bovelino

Spoken Word Poet Jahson The Scientist verbindet Dancehall-Elemente seiner karibischen Heimat mit aktueller Elektronik und richtig guten Texten. Die Single "Season" ist ein Vorbote auf eine der lässigsten CDs, auf die wir uns im Frühjahr freuen dürfen: „No Doubt“.

Und wer ihn letztens mit seinem "Nebenprojekt" Scattah Brain im Porgy gesehen hat weiß, dass er auch Vergleiche mit King Kendrick Lamar nicht zu scheuen braucht. Hip-Hop mit Live-Schlagzeug (Alex Deutsch) und Gitarre (Andi Tausch) - poetisch, tight, klug, dynamisch. Jazz, Pop, Funk, Rock - das sprengt einfach alles, was man als Gangster von nebenan so unter Rap versteht. Und ist saugut, excuse my French.

Geboren wurde Jahson auf Montserrat. Eine der kleineren Inseln der Kleinen Antillen. 5.000 Einwohner, Tendenz schwankend, das hängt immer von der Vulkanaktivität im Süden Montserrats ab. Klavierschule ab vier, MC und DJ ab 14, aufgeweachsen sowohl in den sonnigen Gefilden der Karibik als auch der eher grauen Realität Londons. Von dort gings mit eigenem Programm in die USA, wo Jahson unter anderem mit denThe Roots,Inner Circleund GZA(Wu Tang Clan) arbeitete. Weitere Kooperationen:Simon Katz(Gorillaz/Jamiroquai),Ty,Psychic Phenomena,Oroh Angiama(Corinne Bailey Rae), Daru Jones (Jack White).

In Wien ist er unter anderem an der Seite der fantastischen Yasmo aufgefallen ("Wer hat Angst vorm weißen Mann"). Seine aktuelle CD "No Doubt" hat Jahson mit Flip (Texta),Mez (Soia) und Drew (Ty, Big Dada) produziert. Und auch auf seine weitere Zusammenarbeit mit Alex Deutsch und Andi Tausch als Scattah Brain dürfen wir uns freuen.

Die CDs

ROCK
AMEN & GOODBYE
YEASAYER

Bei „Daughters of Caine“, mit dem das erst vierte Album der Experimentalrocker aus Brooklyn eröffnet wird, glaubt man es tatsächlich mit einem bisher verschollenen Track der Beatles zu tun zu haben. Es bleibt aber bei dieser einen Verbeugung vor den Altvorderen, schon "I Am Chemistry" überzeugt mit zeitgemäßem Groove (okay, die Chöre und die Sitar-Gitarre weisen nochmal in die Vergangenheit), und mit „Silly Me“ liefern sie einen unglaublich eingängigen Popsong ab, den sie mit Afrorhythmen unterlegen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Die weitere Reise führt durch Psychedelic-Rock-Gefilde, Synthie-Pop, Experimentalelektronik – spannend bleibt sie meistens. (Mute)

SONGWRITER
EMPIRE BUILDER
LAURA GIBSON

Mit dem „Empire Builder“, dem alten Zug aus der großen Zeit der amerikanischen Eisenbahngesellschaften, fuhr die Songwriterin aus ihrem vertrauten Oregon quer durch die USA nach New York. Ihr Freund blieb im Wilden Westen zurück. Ein Neuanfang, den sie im herzergreifend schönen Titeltrack verarbeitet. Ihr zarter Folk fährt in die große Stadt, trifft am Ende auf eine Noise-Gitarre, die dem Song aber nichts anhaben kann – er scheint nur noch klarer, reiner. Während „The Search for Dark Lake“ die ländliche Idylle noch deutlicher beschwert, lässt Gibson es in „Not Harmless“ und „The Cause“ doch ein wenig rumpeln. Sehr charmant. (City Slang)

WORLD
NE SO
ROKIA TRAORE

Ruhiger, nachdenklich, ein wenig traurig vielleicht – die Königin der westafrikanischen Gitarrenmusik macht nach ihrem rockorientierten Erfolgsalbum „Beautiful Africa“ einen deutlichen Richtungswechsel. Geblieben sind ihr Zorn und ihre Frustration über religiösen Fundamentalismus, die Machtlosigkeit ihrer Landsleute gegenüber der Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Und Produzent John Parish (PJ Harvey), der federleichte, schimmernde Arrangements für ihre Songs gebastelt hat. Die mit „Amour“, „Tu Voles“, dem bluesigen „Mayé“ und „Kolokani“, einer Ballade für ihre malische Heimatstadt, zu den schönsten zählen, die sie bisher geschrieben hat. (Nonesuch)

ELECTRONIC
BARBARA BARBARA, WE FACE A SHINING FUTURE
UNDERWORLD

Zwei Synthiebass-Töne, gestampft und nicht geschüttelt. Dazu eine scheinbar irrationale Litanei über das Leben, Berührungen, Jobs und Gefühlsebenen – und wir sind mitten drin, im Underworld-Universum. Das heute noch so faszinierend und zwingend groovig ist wie vor 20 Jahren. Der Opener „I Exhale“ passt so perfekt auf die Studentenparty wie ins große Stadion – genialer Titel. Mit „If Rah“ zeigen die „Trainspotting“ Helden, dass sie’s auch leichtfüßiger können, kitzeln mit ihren tiefen Frequenzen aber herrlich die Fußsohlen. Beim wunder- schönen „Santiago Cuatro“ werden zu einem schwebenden Bass melancholischorientalische Gefühle beschworen – die Briten sind wieder ganz groß da. (Caroline)

JAHSON THE SCIENTIST: Season – Der spannendste Hip-Hop der Stunde kommt aus Wien. Spoken Word Poet Jahson verbindet Dancehall-Elemente seiner karibischen Heimat mit aktueller Elektronik und richtig guten Texten.

IGGY AZALEA: Team – Endlich was Neues von dirty Iggy. Und das Teil hat richtig Wumms.

KAMAIYAH: Out The Bottle – Die junge Kalifornierin könnte sich zum neuen Shootingstar der Hip-Hop-Szene entwickeln.

BAT FOR LASHES: In Gods House – Mit zeitgemäßen Synthie-Grooves auf Kate Bushs Spuren. Bedrohlich. Und gut.

BIG THIEF: Real Love – Gitarrenquartett aus Brooklyn, mit einer Sängerin, wie es nicht viele gibt.

THE LAST SHADOW PUPPETS: Aviation – Arctic Monkeys-Frontman Alex Turner frönt seiner Leidenschaft für kinematografische Sounds und Dramatik.

MARK PRITCHARD & THOM YORKE: Beautiful People – Der Radiohead-Sänger mit Engelsstimme trifft auf Ambient-House-Ikone Mark Pritchard. Groß.

BEATY HEART: Flora – Spannend zerhäckselter Elektrosoul aus dem Süden Londons.

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