freizeit
03.10.2018

Star-Autoren: Wo Bestseller entstehen

Wie schreibt man einen guten Roman? Jeder Autor hat seinen eigenen Weg, der meist in den eigenen vier Wänden beginnt.

Viele Menschen haben irgendwann einmal im Leben den Traum, ein eigenes Buch zu schreiben. „Kauf dir ein schönes Notebook“, rät die Freundin. „Dann schreibt sich so ein Buch doch von selbst.“ Das Notebook ist mittlerweile zwölf Jahre alt (funktioniert noch immer), hat aber keinen Roman hervorgebracht.
Was es wirklich braucht, um erfolgreich zu schreiben, bringt Bestseller-Autorin Margaret Atwood auf den Punkt: „Nicht planen, ins kalte Wasser springen.“ Will heißen: Hinsetzen und einfach machen. Womit man das tut und in welcher Umgebung, ist nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Trotzdem möchte man wissen: Wo hat Sebastian Fitzek seine spannenden Krimis geschrieben? Die Bayerin Rita Falk den sympathischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer erfunden? Und Murakami seine schrägen Romane erdacht? Ein Hausbesuch bei den Star-Autoren.

Sebastian Fitzek schreibt auf Schwedisch

18 Bücher hat Deutschlands Thriller-König bisher verfasst. Auf Fitzeks weißem Ikea-Schreibtisch um 289 Euro herrscht geordnetes Chaos: Laptop, Notizbuch, Edel-Kuli, Kaffee und Cola. „Nach jedem Satz gibt es einen Schluck, einmal  heiß, einmal kalt.“ Ganz wie in seinen Romanen.

Stefan Slupetzky wechselt zwischen Rauch- und Schriftzeichen

Im Wiener Servitenviertel, wo Stefan Slupetzky lebt, arbeitet der Schriftsteller gerade an einem Stück für die Festspiele Reichenau 2019. „Mein Arbeitszimmer ist 20 m² groß. Es steht ein Pianino drin, auch andere Instrumente und es ist voller Bücher. Ich würde gerne wieder einmal ausmustern.“ Denn sein drei Meter großer Schreibtisch braucht Platz. Der Lemming-Autor behält gerne den Überblick. Zigaretten raucht er beim Schreiben nur noch selten und setzt inzwischen  auf ein Hybridprodukt zwischen Zigarette und E-Zigarette: „Das ist gesünder und stinkt nicht so.“

Rita Falk mag’s bei der Arbeit leger

„Winterkartoffelknödel“ war das erste Buch von Rita Falk, das  2010 zum Bestseller wurde. Die Krimis rund um Dorfpolizist Franz Eberhofer schreibt sie  im Herzen  von Oberbayern, wo sie oft schon morgens im Pyjama  vor dem Computer sitzt. Hinter ihr ein Papp-Aufsteller ihres Stars, dessen Abenteuer auch verfilmt werden.  Nach 6-8 Monaten  ist ein Eberhofer-Krimi dann fertig.

Margaret Atwood schreibt zuerst per Hand

Der Arbeitsplatz von Bestseller-Autorin Margaret Atwood, 78, hat zwei Tische. Dort, wo sie schreibt, hat der Computer keinen Internet-Anschluss, am anderen Tisch schon. Erste Aufzeichnungen, die einen Tag später in den Computer getippt werden, macht die Autorin aber per Hand. Ihr Schreib-Tipp: „Nicht planen, einfach ins kalte Wasser springen – als ob man schwimmen gehen würde.“

Wolfgang Hohlbein will am liebsten am SchreibTisch sterben

Er schreibt nur nachts und will mit 128  tot am Schreibtisch gefunden werden: Wolfgang Hohlbein, 65, Autor von mehr als 200 Büchern mit einer Auflage von  44 Millionen. Seit einer Sehnervenentzündung schreibt er  in ein Notizheft, statt in den Computer. „Es gefällt mir, wenn man in einem Buch blättern, etwas durchstreichen oder rausreißen kann.“

Isabel Allende hat ihre eigenen Bücher um sich

Isabel Allende nennt ihren Schreibortcasita“, Häuschen, und verfasst ihre Romane auf einem Computer. Die Schreibmaschine, mit der sie ihren Welterfolg „Das Geisterhaus“ schrieb, steht aber immer noch in einem Regal.  Dort bewahrt Allende auch jedes ihrer Bücher gleich mehrfach auf – in allen Sprachen, in die sie übersetzt wurden.  Das härteste am Schreibprozess für die Chilenin: „Mich hinzusetzen und anzufangen. Der Rest ist leicht.“

Haruki Murakami mag’s aufgeräumt

Fünf bis sechs Stunden verbringt Haruki Murakami täglich ab vier Uhr morgens an seinem Schreibtisch. Die Kaffeetasse hat der Autor von einem Schweiz-Trip mitgebracht. „Ich mag das simple Design.“ Und er  mag Bleistifte, die „immer gut gespitzt sein müssen“. Die Objekte unter seiner Schreibtischlampe, darunter ein Holzfuß aus Laos, „sind Reisemitbringsel und meine Talismänner“.

Paula Hawkins vermeidet Ablenkung

Der Thriller „Girl  on The Train“ beförderte Paula Hawkins auf die Liste der reichsten AutorInnen. Geschrieben hat sie den Krimi in ihrem Londoner Haus, das in einer  ruhigen Seitenstraße liegt. Dort sitzt Hawkins in ihrem Schreibstudio mit dem Rücken zum Fenster, „damit ich nicht zu viel träume“. Die Post-its an der Wand skizzieren ihren neuen Roman. „Dann weiß ich immer, wo ich bin.“