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freizeit
10/19/2019

Shooting-Star Mathea: „Es ist das Wort One-Hit-Wonder gefallen“

Erster Song, erster Hit: Was hat es mit Mathea (21) gemacht, von 0 auf 100 durchzustarten? Ein Interview über ihre Blitz-Karriere.

von Barbara Reiter

Wenn eine Location zu einem Shooting-Star der heimischen Pop-Szene passt, dann ist es wohl das 25 hours Hotel im 7. Wiener Bezirk. Im „Dachboden“, einer Rooftopbar Marke Shabby Chic mit dem sensationellsten Ausblick über die Stadt, treffen wir Mathea. Die 21-Jährige will ebenfalls hoch hinaus und  ist auf dem besten Weg dorthin. Im März hat sie mit ihrer ersten Single „2X“ die  Nummer eins in Österreich geknackt und war 38 Wochen in der Hitparade. Auch die zweite Single „Chaos“ hat mit Platz 6 überzeugt.

Karriere von 0 auf 100

Mathea sitzt mit ihrem Manager an einem Tisch und trinkt Wasser. Die Nägel akkurat manikürt, als Gegenpol der sportlich-stylische Look und wiederum als Gegenpol: ein klassischer Bob, exakt geschnitten. Das Gegenteil von „Chaos“ am Kopf, aber wie schaut es in ihm aus? Eine Karriere von 0 auf 100 innerhalb kürzester Zeit: Kann das ein junger Mensch verkraften? Anfangs antwortet Mathea fast schüchtern, doch mit der Zeit öffnet sie sich. Ihr Pinzgauer Dialekt verdrängt am Ende das Hochdeutsche.         

Mathea, 2019 war dein Jahr, du hast gleich mit deinem ersten Song „2X“ die Charts gestürmt. In Ordnung, wenn ich dich Shooting-Star nenne? 

Das höre ich in letzter Zeit öfter. Das Wort ist immer noch ein bissel ungewohnt für mich, aber es wird.

Hast du dich auch schon daran gewöhnt, deine Lieder im Radio zu hören?

Gewohnheit ist es nicht. Als ich  letztens Taxi gefahren bin, wurde mein zweiter Song „Chaos“ im Radio gespielt. Da war ich echt geplättet. Ich muss aber zugeben, dass ich wenig Radio höre.

„2X“ wurde bisher 24 Millionen Mal gestreamt. Eine unglaubliche Zahl, aber so schwer greifbar.

Je mehr Mille man hat, desto besser.  Streamen ist für junge Leute ungefähr so, als würden sie in einen Shop gehen und physisch etwas kaufen, halt nur  online.

Trotzdem hast du vor Kurzem gesagt, du hättest gerne einen Pokal für deine Erfolge: also was zum Angreifen.  

Ja, das stimmt. In Deutschland kriegt man für Platz eins in den Single-Charts  Woche für Woche einen Pokal. Jeden Freitag gibt es eine neue Wertung. In Österreich habe ich die Eins schon geknackt, aber dafür gibt es halt keinen Pokal.

Gold- und Platin-Status ist ja auch nicht schlecht. Oder du wirst Skifahrerin und gewinnst den Pokal dort.

Genau. Oder ich werde Nummer eins in Deutschland. Das ist auf jeden Fall ein Ziel von mir. So einen Pokal möchte ich irgendwann einmal  haben.

Was macht das mit einer jungen Frau, wenn sie von 0 auf 100 ins Popgeschäft einsteigt und der erste Song ein Hit wird?

Das ist sehr aufregend. Man braucht einige Zeit, bis man das realisiert. Nach der Nummer eins hatte ich das Gefühl: „All eyes are on Mathea.“ Kann sie es wirklich? Oder war das alles nur Zufall? Das habe ich mich selbst auch gefragt. Manchmal ist das Wort „One-Hit-Wonder“ gefallen. Ich dachte nur: Oh Gott nein!  

Das hast du ja mit deinem zweiten Hit „Chaos“ jetzt widerlegt.  

Als wir im Februar im Studio waren, dachte ich, das muss der perfekte Song werden, der beschreibt,  wie es mir geht. (Anm.: „Chaos“ handelt von unklaren Gefühlen zwischen Freundschaft und Liebe). Das Ding war nämlich, dass ich daheim gesessen bin und einen Song gesucht habe, der mir aus dieser Situation hilft. Aber ich habe keinen gefunden. Dann hab ich mir gedacht: F***! Ich schreib ihn selber.  

Träumst du  öfter von deiner Karriere?

Ich träume generell sehr viel und verliere mich auch gerne in Tagträumen. Ich stelle mir gerne Sachen vor, visualisiere sie. Ich würde nicht sagen: das funktioniert. Aber hey, irgendwie glaube ich daran. Man sollte immer ein Ziel vor Augen haben oder zumindest ein Etappenziel.

Angeblich warst du dir auch sehr sicher, dass „2X“ ein Hit wird. Hat gestimmt.

Wir haben uns damals ein wirklich unrealistisches Ziel gesetzt und gesagt: Wenn der Song auf Gold geht, lassen wir uns alle tätowieren. Jetzt haben wir alle ein Tattoo. Man darf nicht sagen: Wir machen einen guten Song.  Egal, wenn es kein Hit wird. Das ist die falsche Herangehensweise. Ich habe mittlerweile mehr als 40 Lieder in der Lade. Wir sondieren gerade, was im Frühjahr aufs Album kommt.

Das klingt alles sehr vernünftig. Bleibt da überhaupt Zeit für „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ als Synonym für Unvernünftiges? Das hat früher zu einer Rock- und Popkarriere dazugehört.

Also, meine Antwort wird jetzt ernüchternd. Bei mir daheim im Pinzgau glauben einige ja, dass ich in einem fetten Loft wohne, mit ’nem Benz herumfahre und kokse. Die Wahrheit ist: Ich wohne nach wie vor mit meiner besten Freundin zusammen in einer WG, lebe sehr gesund und nehme keine Drogen. So ist das.

Dann darfst du nicht oft mit Raf Camora abhängen. Du bezeichnest ihn als dein Vorbild, obwohl er über alle Dinge singt, die nicht erlaubt und verboten sind.

Jeder sieht in ihm immer nur den Gangster-Rapper und das ist er auf jeden Fall auch. Ich mag einfach seine Musik extrem gerne und finde es toll, was er als Person auf die Beine gestellt hat. Er hat ein eigenes Label gegründet und ist einer der größten Stars in Österreich und Deutschland. Das beweist, dass man kein Major-Label braucht, um ganz nach oben zu kommen.

Würdest du dir selbst erlauben, auch solche Song-Texte zu schreiben wie Raf Camora, bei dem nicht nur das F-Wort häufig vorkommt?

Es kommt drauf an, was für Wörter das sind. So was wie Sch**** oder F*** kann schon mal vorkommen, aber ich schätze mal, dass ich nie darüber singen werde, wie ich mir eine Line ziehe, weil ich das im echten Leben auch nicht mache.

Interessierst du dich auch für eine andere Musiker-Generation- Phil Collins zum Beispiel? 

Ich interessiere mich für Musikerinnen wie Alicia Keys, die ich sehr verehre und die, sagen wir, mittelalt ist. Wenn ich im Leben nur noch einen Song hören dürfte, wäre es „No One“ von ihr.  Mit Phil Collins kann ich nicht viel anfangen. Letztens habe ich bei „Best of Austria“ gespielt, wo viele österreichische Legenden aufgetreten sind. Es ist bewundernswert, was die alles gemacht haben. Aber ich weiß nicht alles über sie. In meiner Generation macht man eben was anderes.

Mathea, was braucht man eigentlich, um heute Popstar zu sein?

 Auf jeden Fall eigene Songs. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Dann muss man sich auch überlegen, was man als Sänger oder Band eigentlich aussagen will. Dann braucht man natürlich noch ein gutes Team, das einen unterstützt und einen Fahrplan hat.

Mathea ist dein richtiger Name. Wie sehr darfst du Mathea, die junge Frau aus dem Pinzgau bleiben?

Mathea ist auch ein Image und wir sind gerade dabei, eine Marke aufzubauen. Aber Mathea bin auch viel ich. Alleine, weil meine Texte sehr persönlich sind. Ich habe aber auf Social Media gesehen, dass man sich von negativen Kommentaren abgrenzen muss.Dann sehe ich das, was ich wirklich von Herzen gerne mache, als einen Job, mache abends die Türe zu und gehe nach Hause. Dort kann ich ich selbst sein. Anfangs dachte ich, dass ich jedem genügen muss, aber das funktioniert einfach nicht.

Im Pop-Geschäft muss man offenbar tough sein. Welches Sternzeichen bist du?

Ich bin Krebs wie meine Mama. Wir sind beide im Juli geboren, ich am 13. sie am  21.

Krebse gelten als sensibel Wie würde dich deine beste Freundin beschreiben?

Das ist eine schwierige Frage. Sina würde auf jeden Fall von unserer ganz großen Gemeinsamkeit erzählen: Dass wir beide gerne und gut essen.

Angenommen du startest in den nächsten Jahren voll durch: Was wird dann aus Freunden wie Sina?

Ich habe wenige Freunde, aber für die, die ich habe, würde ich mir die Hand abschneiden lassen.

Bitte nicht. Dann kannst du das Mikro nicht mehr halten.

Nein, echt! Wenn es so weit „kemmat“, „tat i des toan“ (Mathea fällt in den Dialekt). Ich bin eine sehr treue Seele.

Und deine Familie? Wie oft siehst du sie?

Im Moment nicht so oft. Aber ich habe schon sehr gute Wurzeln, zu denen ich zurückkehren kann, wenn mir die stressige Stadtwelt oder das Popstar-Leben zu viel werden.

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