freizeit
02/28/2015

Schwindel Erregend

Wo Sex, da Lügen – man kann eigentlich sagen: Die zwei sind ein unzertrennliches Paar. Von der Orgasmuslüge bis zum Schwindel rund um Körpermaße oder Begehrens-Werte – irgendwas ist immer ein bisserl falsch. Außerdem: Männer lügen, Frauen aber auch – hoch lebe allerdings der feine Unterschied.

von Gabriele Kuhn

Sex und Lügen – die sind wie das Duo Dick und Doof, die gehören zusammen, und aus. Egal, wie man es dreht und wendet: Wo Sex draufsteht, sind viele, viele Lügen drin. Nicht nur, aber oft. Fangen wir bei einer der häufigsten Lügen überhaupt an: der Orgasmuslüge. Gäbe es ein Sex-Flunker-Ranking, dann stünde der Schwindel rund ums Kommen bzw. Nicht-Kommen ganz oben. Zu sagen, da war was und es war total fein, ist eben geschmeidiger, als den Partner mit der Wahrheit zu konfrontieren. Die hat Konsequenzen – man kommt also (bzw. tut so als ob), um zu bleiben. Außerdem ist ein Höhepunkt – am besten natürlich in Form exzessiv-multipler Zuckungen – in einer Leistungsgesellschaft etwas, das Bonuspunkte bringt. Wer kann, der kommt. Wer nicht kann, hat müde Lenden oder ein Missverständnis mit Lust, Liebe und Körper. Das ist extrem uncool. Cool ist situationselastische Non-Stop-Geilheit – und: Perfektion. Ein Riesenthema, vor allem für Frauen, die – das publizierte der US-amerikanische Psychologe Robert Feldman – bevorzugt lügen, wenn’s ums Image geht. Da flunkert sie weitaus heftiger als er – beim Sex, und auch während des Sex. Denn auch abseits des vorgetäuschten Orgasmus wird geheuchelt, bis sich der Lattenrost biegt. Etwa dass der Lover – und mit ihm sein bestes Stück – wirklich ganz, ganz großartig sei. Ultimativ, ein Wahnsinn, umwerfend, in Wirklichkeit: gähn. Das alles, um zu gefallen – und, sekundär – nicht zu verletzen. Womit wir auch schon beim nächsten Lügenkonstrukt sind: dem „So tun als ob“. Auch wieder so ein Leistungsding, wo doch nach wie vor das „Survival-of-the-Fittest“-Prinzip regiert. Also ziehen wir die „Hot or not“-Nummer durch, obwohl uns eigentlich mehr nach Hauspatschen und Guglhupfbacken wäre. Doch sich in den „So fad“-Status fallen zu lassen, passt halt nicht zum „Geile Alte“-Image, das der Welt vorgaukelt, wie begehrenswert und Hammer wir sind. Daher: Rein in die Heels, rauf mit den Wimpern, ran an die Männer. (Hoffentlich ist einer mit einer netten Villa im Grünen dabei.) Apropos Männer. Die sind ein Paradiesgärtlein, was das Schwindeln betrifft. Bei denen gilt die Devise: Ab ins Raritätenkammerl mit der Wahrheit, wo sie dann direkt neben den Kondomen, Eheringen und dem Satz „Ich schlafe mit meiner Frau schon lange nicht mehr“ zu liegen kommt. Was mir in dem Kontext besonders gefällt: Die Sache mit den Sex-Umfragen, da wird gelogen ohne Ende. Demnach müsste die Mehrheit der Menschen fünf Mal pro Woche von einer Orgie zur anderen jagen, gigantische Geräte in der Hose haben oder dauererregt sein. Andererseits ergeben andere Umfragen dann wieder so was in der Art: „Treue ist wichtiger als Sex“. Oder aber: „Frauen wollen in Beziehungen vor allem intellektuellen Austausch.“ Ja, eh – aber wenn einer nicht gekonnt auf ihrer Klitoris klimpern kann, hat sich’s mit Kant & Co dann auch eher erledigt. Also: Lüge! Was mir sonst einfällt: Oft einmal beruht das gesamte Sexualleben auf einer gigantischen Lüge – indem etwa jemand in einem Paralleluniversum heimlich das tut, was seiner inneren, versauten Wahrheit entspricht. Aber, frei nach Edgar Allan Poe, gibt’s eben Menschen, die nur hinter einer Maske ganz sie selbst sein können.

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