freizeit
06/23/2014

Das Vagina-Museum

Mutig und gut. Die österreichische Künstlerin Kerstin Rajnar eröffnete das erste virtuelle Vagina-Museum – mit dem Ziel, das Thema zu enttabuisieren. Dabei geht es auch darum, Frauen zu ermutigen, sich mit ihrem „untendrum“ vermehrt und vor allem liebevoll auseinanderzusetzen. Denn jede Vagina ist ein Unikat.

von Gabriele Kuhn

Braucht die Welt – beziehungsweise: braucht Österreich – das? Diese Frage wurde mir mehrfach von Leserinnen und Lesern gestellt, als ich kürzlich auf Facebook über ein neues Museum schrieb. Nicht irgendein Museum, sondern das erste Vagina-Museum weltweit. Es handelt sich um keine real begehbare Örtlichkeit, sondern um ein virtuelles Projekt. Erfunden wurde es von der Künstlerin Kerstin Rajnar, die folgendes (richtig) vermerkte: 1.) Das Thema ist nach wie vor schambesetzt und tabuisiert. 2.) Mit der Vagina passiert nach wie vor nicht ausschließlich Schönes – Stichwort Genitalverstümmelung. Außerdem gäbe es – Punkt 3.) – zum Thema „Geschlechtsteil“ auf der ganzen Welt nur zwei andere Museen. Die stehen in Island und Deutschland und widmen sich exklusiv dem Penis. In Island können Interessierte seit 2011 ein männliches Prachtstück bestaunen – gespendet von einem Herrn, der sein gutes Stück dem Museum vermachte. Weitere fünf Männer, die sich auf diese Art verewigt wissen wollen, gaben bereits ihre Zusage. Sonst sind vor allem Genitalien aus der Tierwelt zu bewundern. Zurück zur Vagina-Exhibition. 94 Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ihre Interpretationen des weiblichen Genitals. Mit dem Ziel, die Vagina wertfrei darzustellen, aber auch, ihr zu huldigen. Der dringend notwendige Gegenentwurf zur breiten Instrumentalisierung von Vulva und Vagina als simplifiziertes und primitives Porno-Objekt, losgelöst von Gefühl und Mensch. So betrachtet: Ja, die Welt braucht ein Vagina-Museum und in all dem Kontext sogar dringend. Herrlich poetisch beschreibt Natalie Anger in ihrem Buch „Frau. Eine intime Geografie des Körpers“ das Wunder Vagina: „Aber die Scheide – also die ist ein veritabler Rohrschach-Klecks hoch drei. Auf den einfältigsten Nenner gebracht, ist eine Scheide ein Loch, eine Abwesenheit von Form, ein passiver Behälter. Sie ist ein zehn bis zwölf Zentimeter langer Tunnel, der mit einem Steigungswinkel von 45 Grad von den kleinen Schamlippen bis hinauf zum schmollenden Muttermund führt. Sie ist eine nachdenkliche Pause zwischen der apodiktischen Behauptung der Außenwelt und dem undeutlichen Murren der Eingeweide.“ Wow. Spannend ist allerdings, was passiert, wenn man Frauen nach ihrem Verhältnis zu ihrer „Mumu“ fragt. Meist erntet man fragende Blicke: Ähem, welches Verhältnis, wie meinen? Wir massieren Straffungsöle in die Brüste, wir kämmen unser Haar, wir zupfen Augenbrauen und enthaaren die Bikinizone. Wir schmeicheln der Haut mit Lotions und hingebungsvollen Fingerstrichen. Aber nur die wenigsten Frauen kommen auf die Idee, ähnliches mit ihrer Vagina zu tun – abgesehen von Selbstbefriedigung. Doch – losgelöst von Sexualität – existiert hier wenig Bezug, im Sinne eines integrierten Körperteils. Darum wünscht sich Rajnar einen anderen Umgang mit dem weiblichen Geschlechtsorgan, wie sie im Interview mit der „Süddeutschen“ betonte: „Sorgfalt. Die Vagina ist etwas Heiliges. Sie ist so stark mit uns verbunden... Lasst sie uns nicht kaputt machen, sondern so lieben und schätzen, wie sie ist.“ Was übrigens passiert, wenn Frauen das erste Mal ihre Vagina sehen, lesen Sie nächste Woche.

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