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freizeit
04/09/2019

Schon 20 Minuten reichen: Wie die Natur den Menschen heilt

Die Wissenschaft belegt das einst intuitive Gefühl erneut: Der Wald tut uns verdammt gut!

von Barbara Reiter

Als Matthias Strolz, 46, vor einigen Jahren in der Ö3-Sendung „Frühstück bei mir“ erzählte, er würde Bäume umarmen, hat das den Vorurteilen Tür und Tor geöffnet. "Spinner“ war von da an sein zweiter Vorname, und „Bäume-Umarmer“ ein beliebter Zwischenruf bei seinen Reden als Neos-Chef im Parlament. Heute kann Strolz über diese Kritiker lachen. Um die heilende Kraft der Natur entwickelt sich längst eine ganze Industrie. Regionen wie der Bayrische Wald werben mit dem „Lebensglück Wald“ und Bücher wie „Das geheime Leben der Bäume“ und „Der Biophilia-Effekt“ sind seit Jahren ein Renner. Doch Schadenfreude kennt er nicht und meint: „Der gesunde Hausverstand hat es immer schon gewusst, der gut geerdete Mensch hat es immer schon gespürt und jetzt wird es auch von der Wissenschaft belegt: Der Wald tut uns einfach gut.“ (siehe auch Strolz-Interview unten)

Der Trend kommt aus Japan, wo die staatliche Waldbehörde Anfang der 1980er-Jahre ein Konzept entwickelt hat, um der stark urbanisierten Gesellschaft eine Alternative zu bieten: „Shinrin Yoku“ – Waldbaden. Wissenschaftliche Belege über die gesundheitlichen Auswirkungen fehlten damals noch. Heute weiß man Bescheid. Die neueste Studie der Universität Michigan besagt, dass schon 20  bis 30 Minuten in einer Umgebung, die Natur vermittelt ausreichen, um den Cortisol-, sprich den Stress-Spiegel im Körper, zu senken. Auch Professor Christian Schubert von der Klinik für Medizinische Psychologie in Innsbruck untersuchte die Materie. Sein Ergebnis: „Das ist absolut handfest und keine Esoterik. Meta-Analysen können das betätigen.“ Waldbader steigern auch den Immunschutz und verlangsamen die Zellalterung. Schubert fand heraus: "Wenn man sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für ein, zwei Stunden im Wald aufhält, steigt die Anzahl der natürlichen Killerzellen um 50 Prozent.“ Sie haben die Aufgabe, Krankheitserreger wie Viren und Bakterien aus dem Körper zu entfernen.

Ebenfalls ein Trend: Bewegung in der Natur mit allem, was diese zu bieten hat. Darauf hat sich Fitness-Expertin Kathrin Lutteri mit "Frischluft"-Fitness spezialisiert. Mit ihren Kunden trainiert sie ausschließlich im Freien, egal, welches Wetter draußen ist. "Der Körper lernt, mit Bedingungen wie Kälte, Hitze, Regen und Wind umzugehen. Dadurch erweitert man seine Grenzen, weil man sich überwinden muss.“ Außerdem funktioniert Stressabbau im Freien besser. Wer's nicht glaubt, sollte es unbedingt ausprobieren.  

Wald-Fitness:

Kathrin Lutteri: www.frischluft-fitness.com 

Wald-Lektüre:

Dr. Melanie H. Adamek: "Im Wald sein" Die natürliche Antwort auf Psychostress und Zivilisationskrankheiten, Optimum, 34, 90 €.

Annette Lavrijsen: „Shinrin Yoku  – Waldbaden“, Lübbe, 16,50 €.

Clemens Avay: „Der Biophilia-Effekt“, Edition a, 12€.

Peter Wohlleben: „Des geheime Leben der Bäume“,  Ludwig, 20 €. 

Das sagt Ex-Politiker Matthias Strolz: "Ich umarme Bäume nicht"

KURIER: Herr Strolz, gehen Sie noch manchmal in den Wald und umarmen Bäume?

Matthias Strolz: Ich umarme Bäume nicht, aber ich trage diese Zuschreibung mit leichtem Augenzwinkern und gewissem Stolz.

Mittlerweile bestätigt die Wissenschaft immer öfter, dass Natur heilt.

Es freut mich, dass hier jetzt eine Versachlichung stattfindet. Ich bekomme auch Zuschriften von Menschen, die mich auf wissenschaftliche Ergebnisse hinweisen.   

Hat es Sie damals gekränkt, dass Sie als „Bäume-Umarmer“ belächelt wurden?

Ich habe damit ja auch kokettiert und gespielt, aber es war keine Zuschreibung, die ich mir gewünscht habe. Ich bin aber als Bergbauernbub naturverbunden und damit nicht alleine. Viele Menschen suchen in der Natur diese wohltuenden Effekte.

Welcher Wald ist „Ihr Wald“?

Wir wohnen in der Nähe des Maurer Waldes und das war auch ein Grund, uns hier niederzulassen. Aber der Wienerwald ist insgesamt ein großes Glück für eine Millionenstadt. Die Luft wird nochmals geklärt, bevor sie in die Stadt kommt. Dazu kommt die Weitläufigkeit. Man erreicht in einer Viertelstunde Gebiete, in denen man halbe Tage keinen Menschen trifft.

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