Einfach mal wieder barfuß laufen. Im Kurpark von Bad Tatzmannsdorf lässt sich herrlich entspannen (re.)

© Ch.ippisch

freizeit Reise
02/15/2020

Völlig losgelöst: Der Gesundheit zuliebe im Burgenland

In den beiden burgenländischen Resorts Bad Tatzmannsdorf und Marienkron finden Gäste alles, was Körper und Seele guttut. Und das mit überraschend einfachen Mitteln.

Es hat an einem sonnigen Tag keinen Sinn, sich in den Regen von gestern zu stellen – ein Leitspruch von Tobias Conrad, dem stellvertretenden kurärztlichen Leiter des Resorts Bad Tatzmannsdorf. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner wöchentlichen Meditationsstunde wissen, dass Conrad keiner ist, der esoterische Weisheiten von sich gibt. Er spricht aus innerer Überzeugung – und persönlicher Erfahrung. Ein schwerer Bergunfall am Kitzsteinhorn brachte dem gebürtigen Tiroler jahrelange Schmerzen ein, es folgte eine Kur in Bad Tatzmannsdorf. Wenn Conrad heute den Gästen davon erzählt, so tut er das auch, um Vertrauen ins Leben, ins Gesund-werden-Können zu wecken. Das gelingt ihm perfekt. Die Meditationsstunde ist bestens besucht, kein Plätzchen im Raum ist frei.

„Augen schließen, tief atmen und durch den wunderbaren Körper reisen.“ So einfach ist das Rezept von Conrads Meditation. Aber dank des Vertrauens, das er mit den Gästen aufgebaut hat, gelingt den meisten eine tiefe Entspannung, die sie wie neu geboren den Meditationsraum verlassen lässt. Kein Wunder, dass Conrad, wie er später erzählt, auch Angsttherapien anbietet.

„Reduce“, Reduktion auf das Wesentliche. Der Name, unter dem sich das Resort Bad Tatzmannsdorf seit einigen Jahren vermarktet, passt tatsächlich perfekt zum Angebot: Keine computergesteuerten Gesundheitsprogramme, kein Hightech-Training. Was der Gast in Bad Tatzmannsdorf findet und genießen soll, ist pure Natur. „Und Lust an der Bewegung, auch das wollen wir den Gästen wieder näher bringen“, sagt Conrad. Etwa mit Nordic-Walking-Trainer Heimo Hochwarther. „Immer schön den Stock nach vorne schwingen, loslassen und wieder fangen“, ruft er der kleinen Wandergruppe zu, die sich mit ihm auf den Weg in die sanfte Hügellandschaft des Südburgenlandes macht. Diese Form der Bewegung stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Herz. „Mit jedem Schritt pumpt die Hand einmal“, erklärt er das Konzept.

Physiotherapeuten klären zuvor, was den Gästen wirklich guttut. „Die linke Schulter hängt nach vorne. Der Nacken ist verspannt“. In Sekundenschnelle erkennt Physiotherapeut Levente Lichtey Fehlstellungen und gibt Tipps für deren Behebung.

Das Glück Bad Tatzmannsdorfs liegt in der Erde. Und das gleich dreifach: Moor, kohlensäurehaltiges Wasser und die Heilquelle. 25 bis 30 Kilogramm warme Heilerde aus dem nahe gelegenen Moor werden pro Behandlung auf entzündete Gelenke, Wirbel oder Sehnen gelegt. Das lindert Schmerzen und hemmt die entzündlichen Prozesse.

Ein Bad im prickelnden Kohlsäurewasser verbessert die Durchblutung und stärkt die Venen. Schwimmen im Heilwasser, das sich durch besonders hohen Natriumgehalt auszeichnet und mit 35,4 Grad aus der Quelle fließt, wirkt wohltuend auf den gesamten Körper. Empfehlenswert ist das besonders bei chronischer Erschöpfung oder Ermüdungszuständen.

Die Kraft der Stille

Eine Waldohreule sitzt völlig bewegungslos ganz oben im Geäst des Baums unmittelbar vor dem Eingang zum Kurhaus Marienkron in Mönchhof nahe des Neusiedler Sees. Sie fliegt nur nachts aus, völlig geräuschlos trotz ihrer breiten Schwingen.

So eine Ruhe und Stille strahlt auch der erst im Mai vorigen Jahres völlig neu renovierte Eingangsbereich des Kurhauses aus. Die Stimmung des älteren Nonnenklosters im hinteren Teil des Gebäudes ist überall zu spüren. Die Nonnen waren es auch, die in den 1960er-Jahren begannen, Kurbehandlungen anzubieten. Pfarrer Kneipp war ihr Vorbild dafür. Seine berühmten Wadengüsse und Wechselbäder sind heute noch wesentlicher Bestandteil des Angebots.

Der Fokus liegt in Marienkron aber auf der Ernährung. „Die Gesundheit beginnt im Darm“, lautet denn auch der Leitsatz des Kurhauses. Dafür, dass die Kulinarik dabei nicht zu kurz kommt, sorgt Küchenchef Patrick Posch. Er ist nicht nur ausgebildeter Diätkoch, sondern bereitet auch mit seinem Spezialwissen über Kräuter und Knospen kleine Genüsse während der Reduktionskost.

Gesund essen - drei Tipps

Das Gemüsefasten

Rote Rüben, gekocht, mit Tofu. Beim Gemüsefasten in Marienkron nimmt der Gast nicht mehr als 650 Kalorien pro Tag zu sich. Studien zeigen, dass sich der Stoffwechsel auch bei kleiner Kalorienmenge umstellt und schadhafte Zellen abbaut.

Die heilende Wirkung

Kleine Portionen Gemüse zu Mittag. Das reicht, heißt es in Marienkron. Pausen bei der Nahrungsaufnahme gelten als Gesundheitsvorsorge und dienen zur Stressreduktion. Eine Gemüsekost wirkt zudem entzündungshemmend.

Die Gemüsebrühe

Sie ist zentraler Bestandteil der Fastenkur in Marienkron. Stundenlang wird Wurzelgemüse auf kleiner Flamme gekocht. Dann entfaltet sich der Geschmack des Gemüses, Würze ist kaum noch nötig.

Die Fasten- oder die Essensreduktionskur richtet sich nicht nur an Übergewichtige. Ulrike Göschl, kurärztliche Leiterin von Marienkron, ist überzeugt, dass schon eine einwöchige Ernährungsreduktion wichtige Impulse für die Gesundheitsvorsorge gibt. Beginnende Stoffwechselerkrankungen, Gelenksbeschwerden oder auch chronischer Stress lassen sich abfangen oder lindern.

Von Diäten hält Göschl nichts. Ihr Schlüssel liegt in der Achtsamkeit (Was und wie viel esse ich?) sowie in der Bewegung und in der Regelmäßigkeit, wobei kleine Appetithappen zwischendurch verpönt sind. 500 bis 700 Kalorien pro Tag sind daher auch bei der Fastenkur in Marienkron ein Muss. Gemüsesuppen, Getreideschleimsuppen oder Erdäpfelsuppen sind zentrale Elemente des Mittags- und Abendbuffets des Kurhauses. Und sich beim Essen Zeit lassen. „Wir essen alle zu schnell“, sagt Göschl.

Das Sättigungsgefühl entstehe erst eine halbe Stunde nach dem Essen. Mit der Fastenkur entwickle man wieder Gespür dafür. Und der Geschmack verfeinere sich. Die Kurärztin stützt sich auf viele große Ernährungsstudien. Alle sagen, Null-Fasten oder einseitige Diäten helfen der Gesundheit nicht. Sie setzt auf Reduktion und Regelmäßigkeit. Zumindest für 5, besser 10 und am besten 21 Tage empfiehlt sie Gästen einen Fastenaufenthalt im Kurhaus. „Der Stoffwechsel braucht Zeit, bis er sich umstellt“, erklärt Göschl. Aber man wird dafür belohnt. „Man riecht besser, sieht besser und strotzt nur so vor Energie.“

Wichtig ist Göschl, dass die Gäste nach der Kur nicht sofort in einen stressigen Alltag zurückkehren. Ein paar Tage für den Übergang wären gut. Spaziergänge und das Beobachten der Waldohreule könnten dabei helfen.

Anreise
– Bad Tatzmannsdorf:
Von Wien Matzleinsdorferplatz mit der Buslinie G1 Dr. Richard täglich ab 8.10 Uhr (erste Fahrt) bis 16.55 Uhr (letzte Fahrt). Dauer: zwischen 1,5 bis zwei Stunden je nach Abfahrtszeit. Kosten: etwa 25 Euro
– Marienkron: Mit der ÖBB von Wien Hauptbahnhof bis Mönchhof-Halbturn; von dort Abholung mit Hotel-Shuttle. erste Fahrt: 5:39; letzte Fahrt: 21:15. Dauer: ca. eine Stunde. Kosten: 15 Euro

Angebote
– Bad Tatzmannsdorf: Ein Einzelzimmer kostet je nach Aufenthaltsdauer von 124 bis 148 Euro pro Nacht inklusive Halbpension. Dazu sind unterschiedliche Module buchbar: small  mit einer Massage, einem Kohlensäurebad und ein Mal Moorpackung zu 106 Euro bis zu XL mit 15 Anwendungen und neun Massagen zu 751 Euro. reduce.at
– Marienkron: Das Kurhaus bietet  acht Pakete mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Basis  als Start zum Beispiel ist eine Zehn-Tage-Kur für Darm und Stoffwechsel, die inklusive Nächtigung und Verpflegung 1.850 Euro kostet. Den kleinen Start (sieben Tage) gibt es für 1.290 Euro. marienkron.at

Kultur
Das Resort Bad Tatzmannsdorf, das heuer 400-jähriges Jubiläum feiert, bietet im Juli Kur-und- Kultur-Pakete an. Besucht werden die Festspiele Mörbisch, die Schlossspiele Kobersdorf oder das Felsentheater Fertörákos 

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