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freizeit Reise
09/20/2020

Schöne Auszeit: Wandern in Auszeitdörfern der Lechtaler Alpen

Fernab von Massentourismus entführt die freizeit auf stille Wanderrouten und geheime Kraftplätze.

von Florentina Welley

Schon der Name „Auszeitdorf“ klingt wie ein Versprechen. Und dieses wird hier tatsächlich erfüllt: Bei jedem Schritt knirschen die Steine  unter den Bergschuhen, sonst ist es so still, dass man sogar das Gras wachsen hören könnte. Weit und breit ist auf den Wanderwegen keine Menschenseele zu sehen, in der Ferne erhebt sich ein Vogelschwarm und das leise Flügelflattern in der Ferne untermalt den Wanderrhythmus. Die Almen leuchten Grün und am Horizont strahlen die bleichen Bergspitzen in den herbstlichen Himmel. Klingt gut? Ja, so geht wandern, so geht Natur erleben.

Grüne Almen, schneebedeckte Gipfel. Hinterhornbach ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen auf die Petersbergalm. Geübte lieben Klettertouren zur Bretterspitze (im Hintergrund zu sehen)

Auszeit unterm Sternenhimmel

Ein wenig abseits der Weitwanderroute Lechweg gibt es weder Hotels  noch Lifte oder Pisten. Der Lech, ein Nebenfluss der Donau,  und seine angrenzenden Dörfer liegen abgeschirmt im Zentrum der Lechtaler und Allgäuer Alpen. Und hier, an ihren Hängen, liegen die  „Lechtaler Auszeitdörfer“ Kaisers, Gramais, Pfafflar und Hinterhornbach – echte Geheimtipps für erholungsuchende Auszeitler. Einheimische und Besucher geben sich mit dem Nötigsten zufrieden: klares Wasser, das sich herrlich zum Kneippen eignet, Wanderwege in allen Schwierigkeitsstufen, Almhütten und ein paar versprengte Gasthäuser. Trotzdem ist es kein vergessenes Tal am Ende der Welt. Das beweisen immer mehr „Zuagroaste“, die sich hier niedergelassen haben, um in den naturbelassenen Seitentälern der Lech ihre Träume fernab von Stress und Stadtlärm zu verwirklichen. Sie kommen etwa aus England, Frankreich, Deutschland und  aus  vielen Regionen Österreichs, um hier zu leben und zu arbeiten, zum Beispiel als Wirtin oder Bergführer. Etwa Kathrin Friedle-Meneder aus dem Waldviertel, die davon schwärmt, dass man hier noch die Sterne am Himmel sieht. Oder Eric Cattoen aus Frankreich. Er verrät der auch gleich seinen persönlichen Kraftplatz: „Absolute Stille  spüren in einer Schlucht. Von der Kirche Maria Schnee führt ein halbstündiger Weg direkt an den Ort der Stille, der mich sehr beeindruckt hat.“

Bei den herbstlichen Wanderungen rund um Hinterhornbach kommt man an romantischen Bauernhäusern vorbei

Wer gerne über herbstliche Wiesen wandert und lilafarbene Herbstzeitlose bewundern will, wird die einsamen Pfade zu umliegenden Almen und Hütten schätzen. Wenn dann noch  Gustostückerln der regionalen Küche, wie frischer Almkäse, verkostet werden können, ist das Glück perfekt.  Urlauber erleben hier die Natur so, wie sie einst auf Postkarten zu sehen war: Wälder, Wiesen, Berge ohne störende Lifte und Neubauten. Die vier Auszeitdörfer liegen inmitten der unberührten Natur des Außerferns,  jeweils auf über 1.000 Metern Höhe und sind ideale Ausgangspunkte für Wanderungen in die umliegenden nördlichen Kalkalpen. Sie führen hinauf auf Almen, rund um Seen oder über kleine Hängebrücken. Wem das nicht genug ist, der lässt sich von Ex-Olympiasiegerin Sigrid Wolf bei Pilates- und Qigong-Übungen auf einer speziellen Wanderung in die Kräuterheilkunde einweihen.

Wandern, Radeln, Kraft tanken

Aber wo soll man seine „Auszeit“ in den Dörfern beginnen? Am besten dort, wo es einen hinzieht. Alle vier Mini-Gemeinden sind per Bus miteinander verbunden und auch mit dem E-Bike gut erreichbar. Immer mehr Mountainbiker schätzen auch die Naturparkregion Lechtal. Neben dem Lechradweg locken weitere 20 Radrouten mit herrlichem Panorama. Einen schönen Ausblick hat man etwa von den neu gestalteten Kraftplätzen in jedem Dorf. Dort trifft man meist alteingesessene Einheimische, aber eben auch die „neuen  „Auszeitler“. Die Britin Hannah Brown ist weit herumgekommen: „Ich habe  in London gelebt, komme aus  Windsor Castle, war in Südamerika und jahrelang in Vorarlberg tätig, aber hier finde ich es am schönsten“, sagt die Sprachpädagogin und Yoga-Lehrerin – und verrät sogleich einen Geheimtipp: auf der Gramaiser Runde zum Brandweinboden im Otterbach kneippen.

Wandern in herbstlicher Stimmung: Gedenkkreuz in Hinterhornbach

Kneippen und klares Wasser

„Weit wandern und wild kneippen“ ist für viele Urlauber das Motto, das sie auf der Weitwanderroute Lechweg „Lebensspur Lech“ passend nach der Kneipp’schen Gesundheitslehre mit ihren fünf Säulen, Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter und Innere Ordnung, ausleben können. Auf dem grenzüberschreitenden Weg könnte man sogar kneippend bis ins bayerische Allgäu wandern. Zum Glück hat man die Wahl, denn auch rund um die vier Auszeitdörfer fließt genug klares Wasser: der Otterbach in Gramais, der Hornbach in Hinterhornbach, der Streimbach in Pfafflar sowie der Kaiserbach in Kaisers sind herrliche Wasserplätze. Ebenso lockt der dreieinhalb Kilometer lange Erlebnisrundweg der nahen Gemeinde Holzgau, der „Perle des Lechtals“, mit einer Kneippanlage im Bach.

Bitte herschauen! Schafe auf der Weide in Hinterhornbach

Neues Leben als Auszeitler

Wenn eine Gemeinde nur 48 Seelen zählt, wie Gramais, dann sind junge Menschen, die zuziehen sehr willkommen. „Für mich war es anfangs als Singlefrau eine große Herausforderung,  mich hier alleine niederzulassen. Aber meine Berufswahl passte einfach perfekt zum Tal“, sagt Claudia Lindner, studierte Grafik- und Mediendesignerin. Sie suchte nach einem Ort, an dem Ego, Geld und beruflicher Erfolg zweitrangig sind. Mittlerweile hat die gebürtige Dresdnerin geheiratet und managt gemeinsam mit ihrem Mann Hubertus, einem Niederösterreicher, das „Basecamp Hinterstein“, eine Bergschule sowie die Bergagentur Lechtal. Bevor auch Hubertus sein Leben ins Auszeitdorf Gramais verlegte, Bergführer wurde und jetzt  Urlauber durch die Lechtaler Bergwelt begleitet, studierte er an der WU Wien. Claudia Lindner über ihre neue Heimat: „Das Schönste von Gramais sind für mich die Menschen hier.“ Ihr Herz schlägt für das ganze Lechtal, Bergsteigern empfiehlt sie die Hermann von Barth-Hütte. 

Wer die Seenrunde in Gramais geht, wird mit grün schimmernden Bergseen belohnt

Etwas mehr Einwohner als Gramais, nämlich 100, zählte bis vor Kurzem die Gemeinde Pfafflar. Jetzt sind es vier mehr. Eric Cattoen war Manager einer österreichischen Firma in Frankreich, ehe er seine Frau während eines Geschäftstermins in Innsbruck kennenlernte. Auch Eva-Maria Cattoen arbeitete zuvor in Frankreich an einem Forschungsinstitut. „Wir haben beschlossen, an den traumhaften Ort zurückzukehren, an dem mein Schwiegervater geboren wurde. Er ist ideal für unsere Kinder, die in freier Natur ihre Fantasie besser entfalten können“, sagt Eric. Eva-Maria gründete in Pfafflar ein Büro für Mediation rund um Umweltthemen, während Eric das Ferienhaus führt und alte Berghäuser renoviert.

Über den Almen im Bschlabertal, Gemeinde Pfafflar, werden die Schatten schon länger

Hier geht alles langsamer

Wer gerne gut speist, ist in Hinterhornbach gut aufgehoben. Hier hat sich Familie Meneder niedergelassen. Die gebürtige Waldviertlerin Kathrin Friedle-Meneder und ihr Mann Jürgen sammelten erst Erfahrung in aller Welt, bevor sie ihren Gasthof Hochvogel eröffneten. „Wir haben alles Gelernte auf hohem Niveau in unser Auszeitdorf übertragen. Das Besondere hier ist, dass alles langsamer geht“, sagt Friedle-Meneder. Ihr Tipp: Eine Wanderung über den Rundweg ins ursprüngliche Jochbachhüttental, am Wasserfall vorbei zur Petersbergalm, wo es köstlichen, selbst gemachten Almkäse gibt.

Hubertus und Claudia Lindner gründeten eine Bergschule in Gramais, https://www.hinterstein.at

Wenn eine Gemeinde nur 48 Seelen zählt, wie Gramais, dann sind junge Menschen die zuziehen sehr willkommen. „Für mich war es anfangs als Singlefrau eine große Herausforderung,  mich hier alleine niederzulassen. Aber meine Berufswahl passte einfach perfekt zum Tal“, sagt Claudia Lindner, studierte Grafik- und Mediendesignerin. Sie suchte nach einem Ort, an dem Ego, Geld und beruflicher Erfolg zweitrangig sind. Mittlerweile hat die gebürtige Dresdnerin geheiratet und managt gemeinsam mit ihrem Mann Hubertus, einem Niederösterreicher, das „Basecamp Hinterstein“, eine Bergschule sowie  die Bergagentur Lechtal. Bevor auch Hubertus seine Karriereleiter ins Auszeitdorf Gramais verlegte, Bergführer wurde und jetzt  Urlauber durch die Lechtaler Bergwelt begleitet, studierte er an der WU Wien. Claudia Lindners Highlight? „Das schönste von Gramais sind für mich die Menschen hier, sie sind mein ganz persönliches Highlight. Mein Herz schlägt für das ganze Lechtal. Bergsteigern kann ich aber die Hermann von Barth-Hütte empfehlen, in der ich selbst vor Jahren gearbeitet habe.“

Familie Cattoen vermietet Ferienhäuser, https://so-naturlech.com

Bis vor Kurzem zählte die Gemeinde Pfafflar nur 100 Einwohner. Jetzt sind es vier mehr. Eric Cattoen war Manager einer österreichischen Firma in Frankreich, ehe er seine Frau  während eines Geschäftstermins in Innsbruck kennenlernte. Auch Eva-Maria Cattoen arbeitete zuvor in Frankreich an einem Forschungsinstitut. „Wir haben beschlossen an den traumhaften Ort zurückzukehren, an dem mein Schwiegervater geboren wurde. Er ist ideal für unsere Kinder, die in freier Natur ihre Fantasie besser entfalten können“, sagt Eric. Eva-Maria gründete in Pfafflar ein Büro für Mediation rund um Umweltthemen, während Eric  das Ferienhaus führt und alte Berghäuser renoviert.
Wer gerne gut speist ist in Hinterhornbach gut aufgehoben.  Hier hat sich Familie Meneder niedergelassen. Kathrin Friedle-Meneder, gebürtige Waldviertlerin, und ihr Mann Jürgen sammelten erst Erfahrung in aller Welt, bevor sie ihren Gasthof Hochvogel eröffneten. „Wir haben alles Gelernte auf hohem Niveau in unser Auszeitdorf übertragen. Das Besondere ist hier, dass alles langsamer geht als anderswo und man bei uns am Himmel die Sterne noch sieht“, sagt Friedle-Meneder. Ihr Tipp: Eine Wanderung  über den Rundweg ins ursprüngliche Jochbachhüttental, am Wasserfall vorbei zur Petersbergalm, wo es köstlichen, selbst gemachten Almkäse gibt.

Yoga mit Britin Hannah Brown, https://de.secretgardenyoga.com

Yoga-Junkies werden wohl in Gramais urlauben. Denn die Engländerin Hannah Brown hat sich mit ihrem „Secret Garden Yoga“ hier niedergelassen. „Hier fühle ich mich zu Hause, es ist alles einfach und ich kann in reiner Natur meditieren.“ Einen besonderen Ort kann sie uns noch ans Herz legen: „Der von heimischen Bildhauern gestaltete Kraftplatz in Gramais, gleich  hinter dem Dorf.“ Dann verabschiedet sie sich mit einem fröhlichen „Pfiat-di“ im charmanten britischen Akzent. Denn in Tirol sind sowieso alle per Du und die Bewohner der Auszeitdörfer kennen einander so wie es in einer Großfamilie üblich ist. Wahrscheinlich ist das der Reiz, der Urlauber genauso wie Zuwanderer anzieht.

Wander-Tipps: Vier Routen durch das Lechtal. Die freizeit führt zu „Insider“-Tipps

Kaisers Route: leicht / Hängebrückenweg

Start ist beim Alpengasthof Kienberg. Im Kaisertal geht es über Hängebrücken hinab nach Steeg. Wer will, wandert weiter auf dem Höhenweg Hager nach Holzgau. Gehzeit: 1 Std., https://www.lebensspur-lech.com

Route & Highlight Blick von der 76 Meter langen Hängebrücke, die über den Kaiserbach auf die andere Talseite führt. Ähnlich der Hängebrücken in Holzgau und Reutte, https://www.lechtal.at

Kulinarik Die Kaiseralm erreicht man von Steeg aus zu Fuß nach einer leichten Wanderung.  Frische Almkost, https://www.lechtal-info.com

Unterkunft Das Bergchalet Kaisers hat Platz für bis zu 8 Personen, https://www.lechtal.at

Hinterhornbach Route: leicht / Drähüttenrunde

Start ist der Petersbergparkplatz. Von hier wandert man entlang des romantischen Hornbachs über Drähütten zur Petersbergalm. Gehzeit: ca 1,50 Std., https://www.lechtal-info.com

Route & Highlight Drähütten war die Sommersiedlung der Bauern. Eine Rast mit Wetterhahn und geschnitzten Wurzelgeistern.

Kulinarik Auf der Petersbergalm gibt es den besten selbst gemachten Almkäse und Milchprodukte, die auch Insiderin Kathrin Meneder in ihrem Gasthof anbietet, https://www.petersbergalm.at

Unterkunft Gasthof Hochvogel mit Sterne-Menü und einladenden Zirbelholz-Zimmern, https://www.gasthof-hochvogel.com

Pfafflar Route:  leicht – mittel / Weg der Sinne

Start in Bschlabs unterhalb der Wallfahrtskirche Maria Schnee, dem Schild Weg der Sinne zum Streinbach folgen. Retour geht´s über den Bschlabser Höhenweg. Gehzeit: 2,45 Std., https://www.lechtal-info.com

Route & Highlight Stille lauschen in der Schlucht. Ort der Stille, Tipp von Insider Eric Cattoen, 10 Minuten von Maria Schnee entfernt, https://www.pfafflar.eu

Kulinarik Gasthof zur Gemütlichkeit, erreichbar über die Hahntennjochstraße. Traditionelle Küche, https://www.gemuetlichkeit.at

Unterkunft Stefans Mountainhome, Selbstversorger bis zu 16 Personen, https://www.lechtal.at

Gramais Route: schwierig / Gramaiser Seenrunde

Nach dem Start vom Gemeindehaus auf 1.328 m Höhe geht es den Roßkarbach entlang, über Geröllfelder zum Roßkarsee. Gehzeit: 7,5 Std., https://www.gramais.com

Route & Highlight  Der grün schimmernde Roßkarsee und zahlreiche Wasserfälle am Weg. Wer will wandert weiter zum Schafkarsee. Rund um Gramais gibt es 5 Bergseen

Kulinarik Hausmannskost & Tiroler Jause, Gasthof Alpenrose, https://www.familienhuette.com/gasthof-alpenrose

Unterkunft Idyllisch am Bach mit Platz, bis zu 20 Personen, Roli‘s Berghütte, https://www.lechtal.at

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