© REUBEN KRABBE/Banff & Lake Louise Tourism

freizeit Reise
11/28/2020

Rocky Mountains: Skisafari auf Puderzucker

Beim Skifahren in den kanadischen Rocky Mountains entwickeln Wintersportler schon bald Suchtsymptome, der weiße Pulverschnee wirkt wie eine Droge. Im Banff Nationalpark können Skinthusiasten vom luftigen „Champagner-Powder“ nicht genug bekommen.

Mit einem Ruck stößt sich Sandra Baumgarner von der steilen Kante des „Men’s Downhill“ ab und stürzt sich Richtung Tal. Mit scharfkantigen Slalomschwüngen prescht die Salzburgerin den 45 Grad steilen Berg hinunter. Rechts und links der Abfahrt nur die schneebedeckte Weite des Banff Nationalparks. Irgendwo zwischen den gewaltigen Gipfeln liegt der zugefrorene Lake Louise. Einmal im Leben ganz allein durch perfekten Schnee zu gleiten, davon hat Sandra immer geträumt. Weich, glitzernd und luftig wie Puderzucker muss er sein, damit man ihn „Champagner-Powder“ nennen darf. In Europa hat man diese Art von trockenem und sehr kaltem Pulverschnee nur selten unter den Brettern. Umso mehr genießt Sandra die Weltcup-Abfahrt im Skigebiet von Lake Louise – dort, wo in Nichtcoronajahren Ende November der Ski-Weltcup in den Disziplinen Abfahrt und Super-G stattfindet.

Ein gekonnter Stopp hüllt die sportliche Skifahrerin in eine weiße Wolke. „Ein Traum, Rudi“, jauchzt sie. Skiguide Rudi kommt mit einem breiten Grinsen neben ihr zum Stehen: „Du bist mir ja eine ganz Wilde. Immer schön aufpassen, die Pisten haben es in sich.“ Der gebürtige Deutsche lebt seit vielen Jahren in Kanada und kennt die Skigebiete der Rocky Mountains wie seine Westentasche. Für Skisafari-Anfänger sei das Westernstädtchen Banff in der kanadischen Provinz Alberta der optimale Startpunkt, um die Skigebiete des „SkiBig3“-Verbunds zu erkunden: Lake Louise, Sunshine Village und Mount Norquay. Alle drei liegen im Banff Nationalpark, dem ältesten Nationalpark Kanadas, und bekommen jährlich bis zu zehn Meter Pulverschnee ab.

Der Grund dafür seien die idealen meteorologischen Bedingungen, sagt Rudi. Arktische Kaltluftfronten drücken Unmengen von Schnee gegen die Berge. Gleichzeitig verhindern die niedrigen Temperaturen das Verkleben und Schmelzen der Schneeflocken beim Absinken. Anstelle der normalen zehn Prozent besitze Champagner-Powder sechs bis acht Prozent Luftfeuchtigkeit. Diese vorteilhafte Wetterlage beschert der Region eine lange Skisaison, im Sunshine Village von Mitte November bis Ende Mai. Aber es sei nicht die Menge, sondern die Qualität des Schnees, die das Skifahren so besonders macht, sagt Rudi. Die unberührte Natur und die geheimnisvollen, tiefen Wälder der Rocky Mountains, in denen man mit Glück sogar Elche erblicken kann, tragen ihren Teil zum perfekten Pistenerlebnis bei.

Nach der Weltcupstrecke in Lake Louise geht das Abenteuer auf den Abfahrten von Sunshine Village weiter. Mit seinen 2.730 Metern ist es das höchstgelegene und sonnenreichste Skigebiet Westkanadas. Neben breiten Carvingabfahrten finden Könner auch zahlreiche „Double Black Diamond“-Pisten, die schwerste der fünf kanadischen Pistenkategorien. Der „Delirium Dive“ ist eine dieser Abfahrten und nur für hartgesottene Freerider. Mit einem Gefälle von 39 bis 50 Grad ist der Dive eine der steilsten Abfahrten der Rockies. Man darf sie nur mit Lawinenverschüttetensuchgerät, Lawinenschaufel, Sonde und einem Partner bestreiten. Für Sandra kein Hindernis, schnell jagt sie mit Rudi die Piste hinunter – ganz unbeschwert, als würden sie in ein weiches Daunenbett eintauchen und lediglich harmlosen Puderzuckerschnee aufwirbeln.

Kein Après-Ski

„Heute ist hier etwas mehr los als sonst“, stellt Rudi fest und kassiert ungläubige Blicke. Weit und breit gähnende Leere. Erst nach ein paar Minuten taucht ein Skifahrer auf. „Stimmt, ihr kennt das nicht. In Kitzbühel und Sölden ist man nie alleine – weder auf noch neben der Piste.“ Bilder von überfüllten Pisten und Warteschlangen am Lift gibt es in den kanadischen Rocky Mountains tatsächlich nicht. Von redundanter DJ-Ötzi-Musik und nonstop Après-Ski keine Spur. Stattdessen bieten die Skigebiete in Alberta und British Columbia leere Pisten, feinsten Pulverschnee und ein grandioses Bergpanorama. Genauso menschenleer ist das kleine, feine Skigebiet von Mount Norquay. Sandra muss beim Tree-Skiing immer wieder anhalten, um den Blick ins Bow Valley auf sich wirken lassen: unendliche Weite und keine Menschenseele.

Im Süden Albertas sind die Lifte von Castle Mountain zwar secondhand, das Skifahren aber first class. Das Skigebiet ist nicht viel mehr als ein mächtiger Berg mit Riesenparkplatz, weit abseits anderer Dörfer. Die einzige Straße ist eine Sackgasse und wird auf den letzten Kilometern zur Schotterpiste. Après-Ski-Fans sind fehl am Platz, nach Castle Mountain verirren sich am Tag oft nur ein paar Hundert Wintersportler. Umso jungfräulicher sind die Tiefschneehänge und Waldabfahrten.

Im Minenstädtchen Fernie am Fuße der Lizard-Felswand, hinter der Provinzgrenze in British Columbia, steppt schon eher der (Grizzly-)Bär. Heiße Quellen, 2.500 Hektar freies Skigelände und trotzdem ist das Skigebiet mit fünf Talschüsseln – den sogenannten Bowls – in Europa nicht so bekannt wie die SkiBig3. „Dem Ruf des Berges folgen aber immer mehr Skifans aus der ganzen Welt“, berichtet Rudi. Auch weil Fernie der ideale Ausgangspunkt für einen Roadtrip auf dem „Powder Highway“ ist, der in British Columbia einige der besten Skigebiete, Cat- und Heliskiing-Orte verbindet. Von Heliskiing will Rudis Truppe nichts wissen. Für sie gibt es in diesem Moment nur den Ausblick vom Polar Peak, mit 2.134 Metern der höchste Punkt des Fernie-Skigebiets. Um sie herum nur Wildnis, Pulverschnee und Freiheit.

Klimafreundliche Anreise
Mit Air Canada, Austrian Airlines und Lufthansa  via Frankfurt oder Toronto nach Calgary. CO2-Kompensation ab Wien via climateaustria.at: 61,39 €. Für die Einreise nach Kanada benötigt man ein elektronisches Visum. canada.ca/eta (aktuell faktisch nicht möglich)

Skisafari-Anbieter
Stumböck Club organisiert Ski- und Snowboardreisen, drei Beispiele:
–  Banff Klassik: Diese Reise führt durch die Skigebiete von Lake Louise, Banff Sunshine und Mount Norquay. Drei Tage mit Pistenguide, danach drei Tage auf eigene Faust. Tour inkl. Flüge ab Frankfurt, 7 ÜN, Skipässe, Guide und Shuttle ab 2.178 €/P.
– Easy Rider „Freeride light“: Hier stehen  Off-Pisten  auf dem Programm. Tour inkl. Flüge ab Frankfurt, 7 ÜN, Skipässe, Guide, Shuttle ab 2.748 €/P.
– Trans the Rockies: Tour inkl. Flüge ab Frankfurt, 9 ÜN, Skipässe, Guide und Shuttle ab 3.188 €/P.
Infos: stumboeck.com

Allgemeine Auskünfte
travelalberta.com, hellobc.de.

Zu den Skigebieten: skibig3.com, skicastle.ca und skifernie.com

Eisklettern gehört zu den besten Winteraktivitäten im Banff-Nationalpark, der sowohl lange, anspruchsvolle Touren als auch Kletterplätze für Anfänger zu bieten hat. Die Eisklettersaison in Banff und Lake Louise dauert je nach Temperaturen und Höhenlage von etwa November bis Ende April. Info und Details:  banfflakelouise.com/climbing

Hundeschlitten. Ursprünglich ein Transportmittel der Inuit und der frühen Siedler von Banff, sind Hundeschlitten- fahrten inzwischen ein aufregendes Freizeiterlebnis.  Bei einer Fahrt entdeckt man Geschichte und Techniken des Hundeschlittenfahrens und genießt  die verschneite Landschaft der „Rockies“. banfflakelouise.com/ dog-sledding

Eislaufen. Im Banff- Nationalpark gibt es mehrere kostenlose Eislaufplätze im Freien. Besonders spektakulär ist der Lake Louise, der laut CNN Travel zu den „10 schönsten Eislaufbahnen der Welt“ gehört. Eislaufen ist von Mitte Dezember bis März je nach Wetterlage möglich. banfflakelouise.com/ ice-skating 

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