Gran Canarias Unterwasserwelt lässt sich auch bei einem Tauchgang mit der Delphinus Diving School erkunden.

© GC Blue

freizeit Reise
10/21/2020

Gran Canaria: Zwischen, über und unter den Wellen

Es gilt derzeit, Partyhochburgen zu meiden. Gut, dass die spanische Kanareninsel Gran Canariamehr zu bieten hat. Wassersportfans werden von den Surfspots, den Segelgebieten und einer faszinierenden Unterwasserwelt überrascht sein.

Surfer zieht es auf die windige Insel Fuerteventura. El Hierro lockt mit spannenden Tauchspots. La Palma gilt als Wanderparadies für Outdoorfreunde. Und Gran Canaria? Da denken viele an Pauschaltourismus, funktionale Hotelbausünden aus Beton und die Partymeile an der Playa del Inglés. Einigen kommen eventuell noch die Sanddünen von Maspalomas in den Sinn. Doch für Aktivurlaub ist die Kanareninsel kaum bekannt.

In der Tat wollen die meisten Urlauber die Sonne genießen und abends in das Nachtleben der belebten Strandpromenaden an der Südküste eintauchen. Doch das heißt noch lange nicht, dass man auf Gran Canaria nichts anderes erleben kann. Mit ihrem ganzjährig milden und sehr konstanten Klima ermöglicht die drittgrößte der sieben Kanareninseln zahlreiche Aktivitäten auf und im Meer.

Obwohl das sonnige Fuerteventura als „Surfers Paradise“ weitaus bekannter ist, gehört Gran Canaria zu den besten Surfrevieren Europas. Nicht umsonst unterhält der ehemalige Windsurfprofi und 42-fache Weltmeister Bjørn Dunkerbeck eine eigene Surf- und Windsurfschule auf der Insel. Der Sohn dänisch-niederländischer Eltern dominierte dreißig Jahre lang das Windsurfen. Auch nach seinem Rücktritt von der World Tour im Jahr 2014 spielt Windsurfen eine große Rolle in seinem Leben. „Ich bin eigentlich jeden Tag im Wasser – entweder zum Windsurfen oder zum Stand-up-Paddling“, erklärt der vierfache Familienvater. „Hier an der Playa de Águila können Anfänger und Fortgeschrittene 220 Tage im Jahr surfen. Wir haben immer gute Wellen – nicht zu groß und nicht zu klein – und eine durchschnittliche Jahrestemperatur von 22 Grad Celsius“, schildert Dunkerbeck.

Echte Könner verschlägt es zum Teil auch an die Nordküste zwischen Las Palmas und Gáldar. Fortgeschrittene Windsurfer sind an der böigen Ostküste in Vargas, Arinaga oder Pozo Izquierdo gut aufgehoben. Letzterer sei ein Paradies für Windsurf-Fans, so Dunkerbeck. Dank Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometer und drei Meter hohen Wellen finde dort jedes Jahr sogar eine Etappe der professionellen Windsurf-Weltmeisterschaften (PWA Windsurf Worldcup) statt. „Gran Canaria und Fuerteventura werden gerne als europäisches Hawaii bezeichnet“, verrät der Profi.

Da er die idealen Bedingungen quasi vor der Haustür hat, nimmt Dunkerbeck regelmäßig selbst an Wettbewerben teil. „Zum Windsurfen ist man nie zu alt – im Gegenteil, es hält jung“, findet er. Bestes Beispiel sei sein Vater Eugen, der mit 76 immer noch auf dem Brett steht.

Delfine gesucht, Wale gefunden

Die Windbedingungen machen Gran Canaria nicht nur zu einem beliebten Surfspot, sondern auch zu einem erstklassigen Segelrevier – insbesondere die Südwestküste zwischen Arguineguín und Puerto de Mogán. Die Häfen der idyllischen Küstenstädtchen sind Anlaufpunkt für Segler aus aller Welt, die während ihrer Segeltörns nicht selten von Delfinen und sogar Walen begleitet werden.

Wer nicht selbst am Steuerrad steht, kann die Tiere auf einem Bootsausflug in Augenschein nehmen. „Kaum irgendwo auf der Welt kann man so gut Wale beobachten wie vor den Kanarischen Inseln“, beteuert Javier Zaera, Inhaber des Beobachtungsbootes Spirit of the Sea. Große Tümmler, Streifendelfine, Brydewale seien sehr häufig zu sehen. „Von weltweit rund achtzig bekannten Walarten sind vor den Kanaren bisher knapp dreißig gesichtet worden – Biologen nennen das rekordverdächtig.“ Einige der Meeressäuger halten sich das ganze Jahr über im windgeschützten Südwesten der Inseln auf. Die Passatwinde sorgen für günstige Strömungen und dadurch für reichlich Nahrung. Zudem fallen die Küsten steil ab, wodurch zum Beispiel Pottwale einen Vorteil haben, da sie ihr Futter – unter anderem Riesenkalmare – in den Tiefen des Ozeans suchen.

„Die kanarischen Gewässer sind zwar nicht so bunt wie in der Karibik oder dem Roten Meer, aber sehr fischreich, was sie bei Hochseeanglern und Tauchern gleichermaßen beliebt macht“, erzählt Michal Piskorski von der Tauchschule Delphinus. Vor der Küste Puerto Ricos im Südwesten der Insel wurden bereits mehrere Weltrekorde im Hochseefischen aufgestellt.

„Anstatt Fische zu angeln, sollte man jedoch lieber in Taucherbrille und Flossen schlüpfen und die einzigartige Unterwasserwelt aus der Nähe betrachten – ohne sie dabei zu zerstören“, empfiehlt Piskorski. Zahlreiche Tauchspots befinden sich direkt vor Puerto de Mogán, nur selten dauert die Fahrt dorthin länger als fünfzehn Minuten. „Dank der geschützten Lage und der guten Wetterverhältnisse ist Tauchen hier das ganze Jahr über möglich“, erklärt der Tauchlehrer. „Viele Urlauber sind positiv überrascht, wenn sie sehen, wie fischreich unsere Gewässer sind.“ Und diese können sich durchaus sehen lassen: von silbrig glänzenden Barrakuda-Schwärmen über jagende Makrelen, Schmetterlingsrochen bis hin zu zigtausend gelbschwanzigen Bastard-Grunzern, die sich um die zahlreichen Schiffswracks tummeln. Mit etwas Glück erblickt man sogar einen seltenen Engelhai, der sich gut getarnt auf dem Sandgrund versteckt.

Schiffswracks

Neben dem Fischreichtum befinden sich vor Puerto de Mogán auch zwei Schiffswracks in nur zwanzig Metern Tiefe auf dem sandigen Meeresgrund: die Cermonia II und die Allegranza. Unter ihren Stahlstrukturen erspäht man oft große Rochen, jede Menge Muränen und anderes Getier, das sich tagsüber lieber in der Dunkelheit versteckt. „Womit allerdings kein Taucher rechnet: Wenn sich plötzlich mit leichtem Surren ein quietschgelbes U-Boot nähert, aus deren Bullaugen neugierige Touristen die Unterwasserwelt bestaunen“, schildert Piskorski lachend.

Das U-Boot-Unternehmen Submarine Adventure hat gleich mehrere alte Schiffe versenkt, um seine Unterwassertouren für Urlauber noch abenteuerlicher zu gestalten. Einige der Schiffswracks sind sehr gut erhalten und haben sich zu intakten künstlichen Riffen entwickelt. Bei anderen wurde die Sprengladung falsch berechnet, sodass ihre Überreste verstreut in Trümmern liegen.

Von der Küste hoch hinaus in die Berge

Puerto de Mogán ist nicht nur ein guter Ausgangspunkt für Tauchausflüge, sondern mit seinen schmucken Gässchen, Wasserkanälen, dem idyllischen Hafen und den renovierten Fischerhäusern auch eines der schöneren Küstendörfer Gran Canarias. Nicht umsonst nennen die Einheimischen den mittlerweile touristischen Ort liebevoll „Venedig der Kanaren“.

Will man die touristischen Hotspots lieber hinter sich lassen, ist das ursprüngliche Gran Canaria nur wenige Autominuten entfernt. Mit einem Mietwagen erreicht man in kurzer Zeit eine andere Welt: Ursprüngliche kanarische Dörfer bilden weiße Tupfen zwischen Obstanbau und Gemüsefeldern. Neben Avocado-, Mango- und Orangenbäumen gedeihen Dattelpalmen, die in höheren Lagen Kiefernwäldern in wilder Berglandschaft weichen. Die abenteuerliche Fahrt über enge Serpentinen lohnt sich allein schon wegen der Aussicht – bei gutem Wetter sogar bis nach Teneriffa. Von Partyhochburg oder Rentnerparadies ist hier wahrlich nichts mehr zu spüren.

3 Ausflugstipps

Flair wie an der Côte d’Azur: Einige Küstenorte haben  idyllische  Häfen, in denen Jachten und Fischerboote ankern.  Stimmungsvoll ist das Städtchen Puerto de Mogán, ebenfalls im Süden der Insel. An der Promenade lässt es sich gut flanieren und Boote für Inselrundfahrten oder Badeausflüge chartern. An einer der Molen legen oft Fischer an,  denen man beim Sortieren ihres Fangs zuschauen kann.

Die Dünen von Maspalomas: Wie eine kleine Wüste am Meer ziehen sich sechs Kilometer feinster Sandstrand am südlichsten Zipfel der Insel entlang. Dahinter liegt eine Dünenlandschaft, die auch als „Mini-Sahara“ bezeichnet wird. Sie besteht aus zerriebenen Muscheln und Korallen. Den Sonnenuntergang kann man wunderbar von einem Sandhügel aus genießen.

Hübsche Bergdörfer: Die abenteuerliche Fahrt über enge Bergstraßen lohnt sich, da es neben einer spektakulären Aussicht auch malerische Bergdörfer zu entdecken gibt. Tejeda zum Beispiel gilt als eines der schönsten Spaniens. Seine weißen Häuser sind umgeben von Obst- und Mandel- bäumen, darüber hinaus gibt es gleich vier Museen zu besichtigen.

Klimafreundliche Anreise
Nonstop-Flüge ab Wien mit Austrian Airlines und Ryanair. CO2-Kompensation via climateaustria.at: 18,14 €

Reisebestimmungen
Die Kanarischen Inseln sind derzeit  (als einzige  spanische Region) ohne Rückkehrmaßnahmen zu bereisen

Unterkunft
Hotel Cordial Mogán Playa****, im Stil eines kanarischen Dorfes  in einem Garten mit 450  Pflanzenarten, inklusive Tauchschule. DZ/HP ab 149 €/ Nacht. becordial.com
– Seaside Grand Hotel Residencia*****GL, Maspalomas. Im Palmenhain mit Blick auf die Berge. DZ inkl. Frühstück ab 388 €/N. grand-hotel-residencia.com

Essen & Trinken
– Bar La Cuevita: Hier isst man in der Höhle. Kaninchen und Ziegenfleisch, aber auch Schnecken mit Fenchel sind zu empfehlen – wer sich traut.
– Tagoror:  Höhlenrestaurant auf dem Montaña Las Tierras  restaurantetagoror.com/en/

Wassersport
 Unter der Marke Gran Canaria Blue wird das  Angebot mit einer  Auswahl an Unterkünften direkt am Meer vereint. grancanariablue.com/de/
– BD Surf & Bodyboard School an der Playa del Águila. surfbd.com, dunkerbeck.com
– Jetski fahren, beim Parasailing das Meer von oben sehen oder ein Flyboard testen. canarywatersports.com

Delfin- und Walbeobachtung
Die Spirit of the Sea legt in Puerto Rico ab.  Tickets um 35 €,  dolphinwhale.de

Auskunft
grancanaria.com/turismo/de/

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.