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freizeit Reise
06/21/2020

Fotogewinner: Das spektakuläre Schauspiel der Natur

Die besten Landschaftsfotos wurden ausgezeichnet – eine Reise zu den schönsten Kulissen, für Fotofreunde mit Fernweh.

von Bernhard Praschl

Ob auf der Vulkaninsel Hawaii oder in den Schweizer Alpen, ob in Alaska oder auf den Lofoten: Wer ihr nachspürt, findet sie überall, sogar im Hof eines Gemeindebaus – die Schönheit der Natur.

Glauben Sie nicht? Dann betrachten Sie die Fotografien auf diesen Seiten einmal genauer. Und länger. Unter all den Hunderten Aufnahmen, die bei einem internationalen Wettbewerb von Landschaftsfotografen eingereicht wurden, der „Landscape Photography Competition“, befindet sich auch ein Bild, das vom Innenhof eines riesigen Wohnblocks im Zentrum von Macau geschossen wurde. Ins Visier gerät weniger der Betondschungel als die Natur, der Himmel – aber wie!

Der  britischen Jury gefiel  auch der nebelige Grimselpass im Berner Oberland

Hallo Alaska! Fotografin Janessa Anderson musste sich warm anziehen, um diese Aufnahme aus der Vogelperspektive in den Kasten zu kriegen

Ganz schön urig: Peter Dyndiuk gelang dieses Foto im Regenwald des US-Bundesstaates Washington. Auf einem großen toten Baum schlagen neue ihre Wurzeln

Was für ein Panorama! „Ballons over  Bagan“ nennt Stefano Tommasetti sein Foto, das ihm in Myanmar gelang

Auf die richtige Perspektive kommt es an: John Kimwell Laluma machte dieses Foto im Innenhof eines Wohnblocks in Macau. Hier wird der Segen der Natur greifbar

Die Wucht des Wassers: Jay Kazen schaffte es mit diesem Foto des Yellowstone Nationalparks in Wyoming ins Finale

Winter im Frühling: das Siegerbild

Es kommt eben auf die Perspektive an. Gerade wenn man eine Aufnahme machen will, die sich von üblichen Schnappschüssen abheben soll.

„Density“ („Hohe Dichte“) nennt John Kimball Laluma sein Foto. Wie wahr, denn wie unschwer zu kennen ist, lebt man hier auf sehr engem Raum. Ein Blick auf den blauen, wolkenlosen Himmel kann echt befreiend wirken. So gesehen, drückt diese Aufnahme genau dieses Gefühl aus.

Jetzt könnte man meinen, Landschaftsfotografen seien eine besondere Spezies. Man denkt an Outdoor-Typen mit sonnengegerbtem Gesicht samt romantischem Blick auf unberührte Natur. Oder an Fanatiker, die meilenweit gehen, um auf genau das eine Motiv zu stoßen, von dem sie so lange fantasiert haben: die total perfekte Landschaftsaufnahme, die nur zeitig in der Früh gelingt. Und das auch nur, wenn man in einem Baumwipfel auf einem Ast hockt.

Na ja, so ganz falsch liegt man damit nicht. Wer dem Drang zum Abenteuer nachgibt, tut sich hier leichter. Auch Ansel Adams, Vorbild aller Landschaftsfotografen, tauschte eine Pianistenkarriere in der Großstadt gegen ein Dasein als Naturbursche im Yosemite-Park, um mittendrin zu sein.

Das Beste aus zwei Welten zu verbinden, versucht Stephen King, Fotograf auf Hongkong und Namensvetter des US-amerikanischen Horrorschriftstellers. Auch bei ihm steht im Vordergrund, dass eine Landschaft etwas zu erzählen vermag. Wenn möglich, etwas Dramatisches, so wie sein Siegerfoto bei diesem Wettbewerb: verwaiste Bäume nach einem Eissturm. Man hat direkt das Gefühl, sie wollen einem etwas mitteilen.

Das Wunder Natur

Um so ein Foto zu schießen, benötigt es natürlich eine Portion Glück. „An diesem Tag schneite es“, erinnert sich Stephen King. „Und dazu war es trotz eines leichten Windes auch eher ein wenig warm.“ Sein „Winter Wonderland“ erntete auf Facebook schon lobende Kommentare wie „so schön wie ein asiatische Zeichnung“.

Sein Gefühl für Komposition kommt dabei nicht von ungefähr. Stephen King: „Meine Mutter war Kunsthändlerin, die Ästhetik der Malerei prägte meine Sinne von klein auf.“

Der nun bei der „Landscape Photography Competition“ als Bester ausgezeichnete Bildkünstler war bereits „National Geographic“-Fotograf des Jahres. Er verfügt also über genügend Erfahrung in diesem Metier, das immer mehr Menschen fasziniert, die mehr wollen, als nur Selfies oder Wischwegware für Instagram zu produzieren.

„Es ist noch nicht zu spät dafür“, meint der österreichische Landschaftsfotograf Lois Lammerhuber. Seiner Ansicht nach gibt man uns von klein auf „schon einiges mit auf den Weg ins Leben. Mathematik, Alphabet, Geografie. Aber SEHEN?“

Dank Smartphone sei es in der Geschichte der Menschheit erstmals wirklich einfach, sich visuell kreativ auszudrücken.

Aber: „Wir nähern uns noch immer recht tollpatschig der Wirklichkeit, und beginnen das zu tun, was der Fotokünstler Laszlo Moholy-Nagy in den Satz gegossen hat: ,Die Fotografie ist dazu da, das Sichtbare sichtbar zu machen’“, so Lammerhuber. Also, geben Sie sich einen Ruck, überlegen Sie, welche Landschaft Sie wirklich seit Langem gerne fotografieren wollen – um das Ergebnis demnächst vielleicht als persönliche Postkarte zu verschicken. Aber lesen Sie bitte zuvor noch ein paar Tipps des versierten Landschaftsfotografen.

„Die Natur zu fotografieren“, sagt der mehrfach preisgekrönte Fotograf Lois Lammerhuber aus Baden bei Wien, sei eine Einladung an alle Sinne „und zwar eine Einladung sich Zeit zu nehmen, einen bestimmten Ort ganz lange zu betrachten, bis – ja, bis er seine Magie offenbart.“ Das kann zu jeder Tageszeit sein, präzisiert er. „Aber Sie müssen vor Ort. Sonst geht alles verloren.“ Denn: „Die Natur hat keinen Schalter zum Zurückspielen.“

Ja, man muss das Menschen gegenüber, die vorwiegend ein Auge für Monitore haben, offenbar extra betonen. Für fotointeressierte Leser hat Lammerhuber exklusiv auch ein paar Tipps und Tricks, wie man mehr aus gewünschten Motiven macht. 

1 Probieren Sie, antizyklisch zu reisen.

Fahren Sie etwa nicht um 9 Uhr früh mit der ersten Gondel zum Gipfel, sondern mit der letzten, dann wenn um 17 Uhr wieder alle talwärts fahren, wenn es allmählich später Nachmittag wird, die Blaue Stunde kommt, und schließlich Nacht. Die Unendlichkeit der Milchstraße, wie sie allmählich um drei Uhr morgens am Pico del Teide in Teneriffa über den Horizont herausdreht und es kalt wird. Auch das  ist sinnlich.  

2 Viele Fotografen, die lange Mode oder Krieg fotografiert haben, wenden sich später der Natur zu.

Dafür müssen sie  wieder sehen lernen. So wenden sie sich einer ,überschaubaren’ Natur zu, den Blumen. Das ist ein guter Beginn, um sich mit Größeren vertraut zu machen. Wenn etwas wie Blumen ,unten’ ist, muss der Fotograf auch dorthin. Sie werden staunen, was dieser Perspektivenwechsel bewirkt.“

Lois Lammerhuber  veranstaltet mit dem „Festival La Gacilly-Baden Photo“  die größte Open-Air-Fotoschau Europas. Heuer steht unter dem Motto „Im Osten VIEL Neues“ (14. Juli bis 26. Oktober).

 

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