Willkommen sind alle, die kein Brett vor dem Kopf haben.

© Greater Fort Lauderdale CVB/DOUG CASTANEDO

freizeit Reise
10/24/2021

Fort Lauderdale: Heimathafen der Good Vibrations

Viele nennen Fort Lauderdale das „Venedig Amerikas“. Doch die Stadt im US-Bundesstaat Florida steht neben Wasserstraßen, Sun und Fun auch für Vielfalt und Toleranz – demnächst zu erleben beim ausgelassenen Pride-Festival.

Ein filmreifer, fast surreal anmutender orangefarbener Himmel leuchtet meinen Abendspaziergang durch die gediegenen Villenviertel von Fort Lauderdale aus. Die Freude über den doppelten Augenschmaus kann mir auch nicht die hochgeklappte Zugbrücke nehmen, die sich für drei größere Boote geöffnet hat und mich genauso wie die Autolenker, Skater und Radfahrer für ein paar Minuten zum Stillstand zwingt. Dass die Wasserfahrzeuge Vorrang haben, ist nur konsequent: Schließlich vermarktet sich die tropische Destination an Floridas Südostküste nicht grundlos als „Welthauptstadt der Jachten“ und als „Venedig Amerikas“ – zwischen den kilometerlangen Sandstränden und den Hochhaustürmen Downtowns schlängelt sich ein sehenswertes Labyrinth aus fünfhundert Kanälen.

Musik als Treiber

Dafür läuft es ab der Kreuzung Las Olas/Beach Boulevard wie geschmiert: Laute, hämmernde Livemusik aus dem immer knallvollen „Elbo Room“ peitscht mich förmlich zurück ins Hotel. Die legendäre Kneipe mit dem unvergleichlichen Mix aus Gitarren-Sound, Gäste-Gegröle und Bierdunst wird auch am 20. und 21. November wieder Good-Vibrations-Tankstelle Nummer eins sein, wenn das „Pride“-Festival die Massen anlockt. Erneut verspricht es ein LGBTQ+-Ereignis der Extraklasse zu werden, mit 125.000 Teilnehmern, drei Bühnen und einer zweistündigen Parade entlang der traumhaften Strände.

Das weltoffene Fort Lauderdale ist der ideale Ort für das Spektakel: Nirgendwo sonst in den USA soll es mehr gleichgeschlechtliche Paarhaushalte geben, nicht zufällig befindet sich hier eines der größten Pride-Center des Landes, das weltweit erste AIDS-Museum, das Headquarter der International Gay & Lesbian Travel Association und das Stonewall National Museum & Archives, das sich der Geschichte und Kultur von LGBTQ+ widmet. „Vielfalt liegt in unserer DNA, das macht uns aus“, unterstreicht Richard Gray, Senior Vice President Diversity & Inclusion des Greater Fort Lauderdale Convention & Visitors Bureau, in einem Werbevideo.

Die City, vierzig Kilometer nördlich von Miami, und die Regenbogenfahne gehören untrennbar zusammen. Und auch anderweitig war der Großraum Fort Lauderdale schon vor Jahrzehnten als Hort der Toleranz voranmarschiert: Beim berühmten „Spring Break“ hatten jedes Frühjahr Zehntausende urlaubende College-Kids die Sau rausgelassen, enthemmt durch Gallonen von Billigfusel. Den Studentinnen bei den Wet-T-Shirt-Contests in schäbigen Motel-Pools zuzujohlen, zählte da noch zu den jugendfreien Vergnügungen.

Das für seine leicht geschürzten Kellnerinnen berühmte „Hooters“ im „Beach Place“ ist eines der Lokale, das schon vieles gesehen hat. Auch heute noch ist schon am frühen Nachmittag mächtig Betrieb, während sich die nahe Konkurrenz von „Lulu’s Bait Shack“ auch nicht lumpen lässt: Die Liveband im Schuppen über einer 24-Stunden-Pharmacy lässt ihr „Roll over Beethoven“ abends so leidenschaftlich krachen, dass es die Kokosnüsse beinahe von den Palmen schüttelt.

Das Pride-Spektakel am  20./21. November steht unter dem Motto „Glitter and Gratitude“ – Glanz und Dankbarkeit. Die 2020 geplant gewesene (aber coronabedingt abgesagte) kontinent- umfassende 1. „Pride of the Americas“ hätte 350.000 Teilnehmer von Alaska bis Argentinien mobilisieren sollen. pridefortlauderdale.org

Hochgenuss für Gourmets

Mittlerweile hat sich Fort Lauderdale den pubertären Spring-Break-Stempel abgewaschen, ist erwachsener geworden. Nicht, dass das Feiern verlernt worden wäre, aber es läuft 2021 insgesamt einfach gepflegter, stilvoller ab. Ein gutes Beispiel dafür ist das „Shooters Waterfront“, in den 1980ern eine berüchtigte Party-Location. Heute glänzt es als coole urbane Intracoastal-Oase mit Gratis-Yoga, Livemusik („Rock the dock“) und Brunch am Wochenende.

Überhaupt das Essen: In Fort Lauderdale kann es großartig, sogar denkwürdig sein. Als besten Konter auf die öden und permanent wiedergekäuten Burger/Pizza/Hotdog-Klischees pflanzt die Küchenbrigade im legeren „3030 Ocean“ im Strandhotel Marriott Harbor Beach Köstlichkeiten aus dem Meer und feinste Farm-to-table-Bioprodukte auf die Teller. Heißer Tipp des Autors: ein Dreigänge-Degustationsmenü um wohlfeile 55 Dollar – es wird Ihre Meinung zur Ami-Cuisine nachhaltig verändern.

Auch die Top-Herbergen am palmengesäumten Beach Boulevard offerieren das Gegenteil von kulinarischer Wüste. Im „Burlock Coast“-Restaurant des „Ritz Carlton“ sollte man die Lobster-Pasta nicht von der Tischkante stoßen, im „S3-Sun Surf Sand“ des Hilton versammelt sich eine gut aufgelegte Crowd zur Happy Hour besonders gerne um die Feuerstelle im Freien. Und das „El Vez“ im „W“ ist alles, nur kein Durchschnittsmexikaner. Populär ist auch das „Dock & Dine“: Zuerst mit dem Wassertaxi in den Kanälen an den schlossartigen Anwesen der Promis vorbeischippern, dann vom „Hop-on, Hop-off“-System profitieren und Downtown beim Las Olas Boulevard mit seinen Galerien, Boutiquen, Straßencafés, Asiaten und Italienern raushüpfen.

Wer herausragendes Eis schlecken will, muss zu Kilwins, einer in unseren Breiten unbekannten US-Kette. Entweder gleich in die Filiale am Las Olas Boulevard, oder im Zuge eines Nostalgie-Trips in die Diele im charmanten Sommerfrische-Ort Lauderdale-by-the-Sea. Der Vorteil, wenn man mit dem Fahrrad im Old-Florida-Dorf eingeritten ist: Man kann sich den durch Sorten wie „Mint Chocolate Chip“ oder „Toasted Coconut“ angehäuften Kalorienberg bei der Heimfahrt sofort wieder abstrampeln.

Klimafreundliche Anreise
Die beste Option  ist Miami als Zielflughafen, nonstop zu erreichen über Zürich (Swiss) oder München/Frankfurt (Lufthansa). CO2-Kompensation via climateaustria.at: 63 €. Weiter mit Mietauto wie Uber oder Lyft

Einreise  in die USA
Ab 8. 11. für Geimpfte wieder möglich. Vorab-Registrierung: esta.cbp.dhs.gov

Schlafen
– Marriott Harbor Beach in Fort Lauderdale: renovierter 1980er-Bau in  Strandlage mit  Loungebereich, Spitzen- Restaurant (3030 Ocean) und Smoothie-Bar marriottharborbeach.com
– Westin Beach Resort: Wer ein „Intracoastal“- Zimmer bucht, hat es ruhiger und versteht den Ruf von Fort Lauderdale als „Venedig Amerikas“ besser. westin.com

Ausflüge
Mit dem nostalgischen Riverboat Jungle Queen, dem Water Taxi oder der kostenlosen Riverwalk Water Trolley (acht Stopps) über die Wasserstraßen der Stadt cruisen. Nahe: die Everglades. evergladesholidaypark.com

Shopping
Die Sawgrass Mills ist eine großartige Outlet-Mall in Sunrise in direkter Nähe des BB&T-Center, Heimstätte des Hockeyteams Florida Panthers

Auskunft
Infos über alle Aktivitäten in der Gegend: sunny.org

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