Herausragend  ist der Turm des „Guitar Hotels“  – nicht nur, weil  die Umgebung in Floridas Hollywood flach ist, die Häuser meist einstöckig und die Wolkenkratzer von Downtown Miami fast 40 Kilometer entfernt sind.

© Seminole Hard Rock Hotel/Ralph Notaro

freizeit Reise
12/21/2019

Florida: Der unbesiegte "Hard Rock"-Stamm

In Florida eröffnete mit dem "Seminole Hard Rock Hotel & Casino" das erste in Form einer Gitarre erbaute Hotel. Es lässt in jedem Winkel diese Musik und ihre Stars hochleben, sogar im Spa.

von Brigitte Schokarth

Die Sonne Floridas erwärmt die Luft in der Poollandschaft auf wohlige 27 Grad. Die Wolken am babyblauen Himmel spiegeln sich wie glimmernde Watteflocken in der Glasfassade des 36-stöckigen Hotel-Wolkenkratzers vor der Poollagune und lassen seine Konturen noch ikonischer wirken: Das „Seminole Hard Rock Hotel & Casino“ in Hollywood/Florida, dreißig Kilometer nördlich von Miami, ist das erste und einzige Hotel in Form einer Gitarre. Mächtig und elegant steht es in der flachen Landschaft, weithin sichtbar, speziell in der Nacht, wenn Laser die sechs Saiten in die Luft zeichnen und die hundertvierzig Meter hohe Struktur doppelt so groß erscheint.

Zehn Jahre war diese spektakuläre, 1,5 Milliarden Dollar teure Erweiterung des alten Casino-Resorts in Planung, Ende Oktober wurde „The Guitar Hotel“ eröffnet. Und nicht nur in diesem dritten Hotelturm des Resorts dreht sich der Hard-Rock-Marke entsprechend alles um Musik: In den Gängen und dem 14.000-Quadratmeter-Casino sind die Wände voll mit Ausstellungsstücken, mit Gitarren von Lenny Kravitz und Jimmy Page, der schwarzen Lederjacke von Madonnas „Erotica“-Tour und dem roten Anzug, den David Bowie bei der „Glass Spider“-Show trug.

Im Spa gibt es die „Rhythm & Motion“-Anwendungen, bei denen während der Massage über das Massagebett die pulsierenden Schwingungen von Hits von Sigur Rós oder Pink Floyd auf den Körper übertragen werden und zusätzlich entspannen. Und mit dem „Sound Of Your Stay“-Programm kann man sich Vinyl-Alben samt Plattenspieler, E-Gitarren samt Kopfhörer oder DJ-Pulte in sein Zimmer stellen lassen.

Casino-Pioniere

Betrieben wird das Hotel vom Indianer-Stamm der Seminolen, der die Hard-Rock-Marke 2007 mit allen Cafés, Hotels, Casinos und der weltweit größten Memorabilia-Sammlung mit rund 83.000 Erinnerungsstücken an die Glanzzeit der Rockmusik gekauft hat. Die Seminolen waren der erste Stamm amerikanischer Ureinwohner, der das Potenzial im Glücksspiel erkannte. 1979 eröffneten sie in ihrem Reservat unweit der heutigen Hollywood-Location eine Bingo-Halle und wurden die Pioniere des „Indian Gaming“.

„Die Stämme können in ihren Reservaten weitgehend unabhängig von den Gesetzen des jeweiligen US-Bundesstaates agieren“, erzählt Gary Bitner, Pressesprecher der Seminolen. „Deshalb gelten für sie andere Rechte und Steuergesetze. Sie zahlen auf ihrem Gebiet zum Beispiel keine Steuern auf Energie oder Zigaretten. Als die Seminolen mit der Bingo-Halle begannen, offerierten sie Jackpots mit Tausenden Dollar und zogen damit die Massen an. Das ging dem örtlichen Sheriff so gegen den Strich, dass er den Stamm verklagte. Aber die Seminolen gewannen den Prozess, woraufhin Ronald Regan ein Gesetz verabschiedete, das das Recht der Ureinwohner regelt, Casinos zu betreiben.“

Wie klug die Seminolen mit der Hard-Rock-Kette wirtschaften, zeigt ein Vergleich: Gekauft hat der Stamm die Marke 2007 um 965 Millionen Dollar. Heute ist sie das Fünffache wert. „Sie haben erkannt, dass Hard Rock eine magische Anziehungskraft hat und sich entschieden, daran nicht zu rütteln, indem sie etwas von ihrer eigenen Kultur einbringen“, sagt Bitner. „Deshalb sieht man in den Hard-Rock-Hotels nichts von ihnen. Das zeigen sie in anderen Einrichtungen.“ Zum Beispiel im „Big Cypress“-Reservat im Zentrum Floridas. Dort kann man bei der „Billy Swamp Safari“ mit dem Propeller-Boot durch die Sümpfe brausen und die Landschaft mit ihren exotischen Vogelarten, Seerosen, Mangroven und fast schwarzen Alligatoren erkunden. Im angeschlossenen Restaurant werden traditionelle Speisen offeriert, darunter Froschschenkel und Alligator-Schwanz.

Im nahen Ah-Tha-Ti-Ki-Museum wird die leidvolle Geschichte der Seminolen dargestellt, die heute noch stolz darauf sind, „der einzige Stamm, der niemals besiegt wurde“ zu sein. Wer dort rauskommt, kann sich einem Gefühl der Genugtuung nicht entziehen – darüber, dass diese Ureinwohner aus der Besiedelung Floridas, für die sie einst vertrieben wurden, und aus der Glücksspiel-Vorliebe der Euro-Amerikaner, von denen sie einst vertrieben wurden, jetzt erfolgreich Kapital schlagen.

Zwei Tipps in Miami

Wynwood

Ein Fuchs nur mit Spraydosen gemalt: Wynwood nördlich von Downtown Miami bietet eine der größten Sammlungen von  Street Art. Über dutzende Häuserblocks   hinweg sind die Wände des  Lagerhaus-Viertels mit expressiven, knallbunten Graffiti verziert. Es gibt Galerien wie die „Wynwood Walls“ und – seitdem die „Hop On, Hop Off“-Stadtrundfahrt die Touristen hinbringt  – kultige Künstler-Cafés.

Miami Beach

Der berühmte „Ocean Drive“ im Süden der vorgelagerten Insel ist ein Freiluftmuseum mit der weltweit höchsten Dichte an Art déco-Gebäuden. Hier kommen Hippies und Yuppies, am Strand, davor Surfer und Sonnenanbeter zusammen. Abends, wenn die Hotels in Pastellfarben beleuchtet sind, wird jedes der unzähligen Restaurants und Cafés voll und in der Luft schwingt der Dunst  von Marihuana.

Anreise
Der Flughafen Fort Lauderdale ist am nächsten, jener von Miami ist 45 Autominuten entfernt. Kompensation via climateaustria.at: 54,88 Euro

Beste Reisezeit
November bis April: milde Temperaturen, wenig Regen, moderate Luftfeuchtigkeit und geringste Wirbelsturmgefahr

Das Resort
Neben Hotel und Casino gibt es in dem Gebäude-Komplex 19 Restaurants und 20 Bars. Das „Kuro“ serviert sonntags einen luxuriösen Brunch  (u.a. mit Champagner-Bar, Hummer, Kobe-Rind, Waffel und Mini- Torten). Konzerte von Billy Joel und The Who bis Rod Stewart. Die LED-Anlage an der Fassade des Gitarrenturms spielt im Winter täglich um 18.30 und um 20.30 Uhr eine Lichtshow. ÜN  je nach Zimmer und Saison 180 bis 1780 €/DZ seminolehardrockhollywood.com

Die Seminolen
Die zirka 4.200 Stammesmitglieder sind Nachfahren von 200 Seminolen, die sich in den Everglades versteckten, als die US-Regierung ab 1832 die Ureinwohner Floridas nach Oklahoma umsiedelte, um das Sumpfland zu entwässern, zu bebauen und zu besiedeln. Die Einnahmen aus den Casinos stecken die Seminolen in ihre Gemeinschaft, betreiben damit unabhängig von den USA eigene Schulen, Spitäler und Polizeieinheiten

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