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freizeit Reise
02/23/2020

Ein Wochenende in Zagreb: Eine Stadt bereit zum Aufbruch

DIE angesagte Wochenend-Destination nur 150 Kilometer südlich von Graz: Wie Zagreb von der ewigen Provinz- zur europäischen Hauptstadt wurde.

von Uwe Mauch

Spätestens beim Anblick des Kroatischen Nationaltheaters in der Unterstadt von Zagreb sind die Gäste aus Österreich sehr angetan. Hat sie zuvor schon die kurze Anreise positiv überrascht, fühlen sie sich jetzt fast  zu Hause. Die schönbrunnergelbe Fassade und das Gebäude mit seinen Türmchen und Schnörkeln im Stil der Neorenaissance wurde vom Wiener Architekturbüro Fellner und Helmer geplant. Die Zagreber Stadtführer erklären ihnen durchaus stolz, dass es anderen in der Monarchie gebauten Theaterhäusern sehr ähnelt.

Die Flanerie entlang eines U-förmigen Ensembles von Parkanlagen, das die Zagreber liebevoll ihr „Grünes Hufeisen“ nennen, eröffnet eine Vielzahl von Aha-Erlebnissen. Dieses grüne U wurde vom Otto-Wagner-Schüler Milan Lenuci entworfen. Er hat sich dabei an der Wiener Ringstraße orientiert. En passant ist auch zu beobachten, dass etliche in der Zagreber Gründerzeit  errichtete Gebäude  renoviert wurden beziehunsgweise werden.

Zagreb schminkt sich, erfindet sich gerade neu. Die ehemalige Provinzstadt in der Monarchie und ewige Nummer zwei im ehemaligen Jugoslawien hat bereits vom Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union am 1. Juli 2013 sichtlich profitiert. Und das Interesse an der bisher großen Unbekannten (mit dem Speckgürtel lebt hier eine Million Menschen) hält weiter an. Nicht zuletzt deshalb, weil Kroatien im ersten Halbjahr 2020 erstmals den Vorsitz des Europäischen Rats halten darf.

Unser Rundgang führt weiter zum Botanischen Garten. Hier wachsen gut 10.000 Baum- und Pflanzenarten. Zagreb liegt auf halbem Weg zwischen den Alpen und der Adria. Deshalb findet man hier auch mehr gute Skifahrer als Segelbootskipper. Die jungen Zagreber sind darüber hinaus gut vernetzt, wissen haargenau, was gerade in London oder Paris angesagt ist. Die meisten haben in der Schule sehr gut Englisch gelernt. In der Generation ihrer Eltern finden sich indes gar nicht wenige, die mit ihren Gästen Deutsch sprechen.

Eleganz heißt hier Esplanade

Auch die hiesige Küche verdankt ihre Vielfalt dem geografischen Schnittpunkt der Stadt: Das „Zagreber Schnitzel“ (mit Schinken und Käse gefüllt) und die „saherica“ erinnern uns sofort an die alt-österreichische Küche – der fangfrische Fisch auf den Märkten an den mediterranen Süden. Cevapcici kann man in Zagreb auch gut, aber oft mit dem spitzen Hinweis gewürzt, dass der Balkan ganz bestimmt erst südlich von Zagreb beginnt.

In einer Achse mit dem Botanischen Garten steht seit seiner Eröffnung im Jahr 1925 das „Esplanade“. Das Hotel im Art-Déco-Stil ist wohl die eleganteste Unterkunft in Zagreb. Mit erhobenem Haupt und Zylinder darauf erzählt der Concierge in der Lobby, dass auch Adolf Loos dieses Haus planen wollte (jedoch den Architekten-Wettbewerb gegen einen lokalen Mitbewerber verloren hat), und dass später immer wieder exklusive Gäste des „Orient-Express“ hier tafelten. Sie machten auch in Zagreb Station.

Der alte Luxus hat sowohl den Faschismus als auch das Tito-Jugoslawien überstanden, zum Geldadel hat sich nach dem jüngsten Krieg eine neue Gruppe gesellt. Man erkennt sie an ihren protzigen Autos. Und man fragt nicht, wie sie diese verdient haben.

Nur wenige Schritte sind es vom Hotel bis zum Kunstpavillon. Seine sezessionistische Bauweise und das Glasdach erinnern an jene Zeit, in der auch dieser Teil Europas von einem Kaiser aus Wien regiert wurde.

Heute sehen die Zagreber  ihre Stadt in der Mitte der Europäischen Union, auch wenn sie – anders als die benachbarten Slowenen – weiterhin nicht mit dem Euro bezahlen können und auch noch nicht im Schengenraum angekommen sind, was vor allem bei der Heimfahrt nach Österreich (Vorsicht!) zu längeren Wartezeiten führen kann. Ganz aus ihren Häusern sind die Zagreber, wenn ihre Fußballer wieder einmal ein Spiel oder wie zuletzt fast die Weltmeisterschaft gewinnen. Und man darf davon ausgehen, dass auch die im Juni startende EURO 2020 Anlass für ein buntes Volksfest bieten wird.

In den Weg der Flaneure stellt sich dann das Hauptgebäude der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Das Palais wurde in den Jahren 1877 bis 1880 im Stil der italienischen Neorenaissance errichtet. Die Pläne dafür lieferte Friedrich von Schmidt, jener Herr Professor, dem  die Stadt Wien ihr Rathaus verdankt.

Ein Park für alle

Der schönste Teil des Hufeisens liegt gleich dahinter. Die Zagreber nennen ihren sehr geschätzten Park Zrinjevac (das Z sprechen sie übrigens wie ein S aus). Im Juni blühen hier die Hortensien, ganzjährig werden die symmetrisch angelegten Spazierwege von alten Platanen beschattet. Im Oktober dann bedecken ihre ahornähnlichen Blätter die Wege und Grünflächen. Die Bäume sind stumme Zeugen der Geschichte: Sie warfen auch einmal Schatten auf österreichische Kaiser- und serbische Königstreue.

Der Park zu Ehren eines alten kroatischen Grafen ist heute ein beliebter Treffpunkt für Menschen, die in der Stadt zu tun haben. Mittags ruhen sich hier Geschäftsleute neben Pensionisten aus, während in den Kinderwagen die Babys schlafen. Am Abend lässt sich der klassische Korso beobachten. Da wird auf den Parkbänken getuschelt und gekuschelt – wie schon zu Kaisers Zeiten.

An Samstagvormittagen erfreuen immer wieder Platzkonzerte die Stadtflaneure. Und wer ein bisschen Glück hat, kann  zauberhafte Brautpaare und ihre Fotografen beim Ablichten beobachten. Zagreb rühmt sich ja auch, eine Stadt der Liebe zu sein.

ZAGREB WEEKENDER-TIPPS
Vier Tage, vier Routen. Die "freizeit" führt stilvoll durch das lange Wochenende.

Donnerstag

Durchs grüne Hufeisen: Ein Spaziergang vom Nationaltheater  bis zum zauberhaften Zrinjevac-Park.
www.infozagreb.hr

Lunch beim „Stari Fijaker“: Original-Zagreber Speisekarte beim „alten Fiaker“ in der Mesnička ulica.
www.starifijaker.hr

Shopping in der Ilica: In der längsten Straße der Stadt. Tipp: Das historische Kaufhaus „NAMA“.
www.nama.hr

Abends in die Oper: Das Zagreber Nationaltheater bietet wahlweise Theater, Ballett und Oper.
www.hnk.hr

Freitag

Durch die Oberstadt: Ein Spaziergang vom Domplatz über den Dolac-Markt hinauf in die Altstadt.
www.infozagreb.hr

Lunch beim Dolac: Um den zentralen Markt gibt es viele Speiselokale – exklusiv: „Pod zidom“.
www.podzidom.hr

Zerbrochene Herzen: Berührend, witzig: „Museum of Broken Relationships in der Oberstadt (S.16).
www.brokenships.com

Frischer Fisch im „As“: Wo Kroatiens Fußball-Asse rund um Luka Modrić vor Spielen ruhen, wird teurer, aber guter Fisch serviert.
www.hotel-as.hr

Samstag

Hinauf auf den Bärenberg: Mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß rauf auf den 1.000 m hohen Ski-Weltcup-Berg.
www.sljeme.hr

Stärkung nach dem Anstieg: Eventuell auf der Sonnenterrasse des ehrwürdigen Hotels „Tomislavov dom“.
www.sljeme.hr

Abstecher auf den Friedhof: Auf der Heimfahrt noch zum Mirogoj, der auch an den Jugendstil erinnert.
www.gradskagroblja.hr

Tribute to „Johann Franck: Früher ein traditionsreiches Zagreber Kaffeehaus, heute ein Treffpunkt der jungen Schönen und Tanzwütigen.
https://johannfranck.hr

Sonntag

Hinaus in den Maksimir: Spaziergang durch den „Prater von Zagreb“ und seinen gepflegten Zoo.
www.park-maksimir.hr

Rast im „Schweizerhaus“: Bier, Kaffee, Kuchen: Die Zagreber Version erinnert an eine Berghütte.
www.park-maksimir.hr

Chillen in der „Tkaltscha“: Abhängen in der Tkaličićeva ulica, der hippen Bar- und Kaffeehausmeile.
www.infozagreb.hr

Ein Rundblick am Ende: Würdiger Abschluss: Ein Drink mit Ausblick in der „Zagreb 360°“-Bar im Hochhaus auf dem Hauptplatz.
www.zagreb360.hr

Hotels

Esplanade: Das repräsentativste Hotel der Stadt. Im Art-déco-Stil gebaut, im grünen Hufeisen, neben dem Bahnhof situiert.
www.esplanade.hr

President: Kleines, von außen unscheinbares, innen cosy Boutique-Hotel am Beginn des Diplomatenviertels am Pantovčak.
www.president-zagreb.com

Dubrovnik: Zentraler geht es nimmer: Dem alten Haus auf dem Hauptplatz von Zagreb wohnt auch viel Stadtgeschichte inne.
www.hotel-dubrovnik.hr