Mieminger Plateau, Tirol.

© Halbhuber Axel

freizeit Reise
07/24/2020

Tirol: Das familiärste Kinderhotel

Das Mieminger Plateau unterscheidet sich in vielem vom Rest Tirols. Auch, was die Idee von Familienurlaub betrifft.

von Axel Halbhuber

Nannerl ist neun Jahre alt, aber Sophie und Marie sind neunzehn und damit Ponyomas. Sophie plagt sich schon beim Aufstehen. Während einige Kinder an der Ponykoppel das mit verzerrten Gesichtern quittieren, blicken die fast unbesteigbaren Gipfel der Mieminger Kette vollkommen ungerührt auf diese Szene, die sich am gleichnamigen Plateau abspielt.

Die Hochebene zwischen den schroffen Bergen und dem eingefurchten Inntal passt nicht recht ins Land Tirol – obwohl hier die erste Staffel „Bergdoktor“ gedreht wurde. Auf dem Mieminger Plateau scheint die Sonne länger am Tag, es ist fast schon zu grün, in verschiedenen Tönen: vom dunkelgrünen Wald, der wie ein Lawinenkegel einen Teil der Ebene überzieht, über hellgrüne Lärchenbäume bis zu noch helleren Larchwiesen darunter. Die werden für den Lärchenwuchs ständig von Fremdbäumen und abgefallenem Holz befreit, was der Gegend das „Landschaftsschutzgebiet Larchwiesen“ und den Wiesen etwas Märchenhaftes einbrachte. Man versteht rasch, warum das Mieminger Plateau bis in die 1990er-Jahre ein Ort der Sommerfrische für bessere Wiener war. Dann hat man den Anschluss an die Tourismusanforderungen verpasst und geriet in Vergessenheit.

Als Sophie endlich steht, freuen sich die Kinder. Sie alle sind auf Urlaub im Familien-Landhotel Stern, kurz: „im Stern“, nur das alte Pony wohnt immer hier. Das Stern passt nicht zum übermächtigen Industrietourismus in Tirol und damit passt es wiederum gut auf das Mieminger Plateau. Man könnte sogar sagen, das Stern gibt mit einigen anderen Betrieben dem Plateau eine neue Bedeutung. Denn auch wenn man hier natürlich immer das andere Tirolgefühl haben konnte – spazieren und radeln im Flachen, dabei aber auch nach vier Uhr noch Licht im Gesicht –, haben das viele Urlauber vergessen, besonders ostösterreichische. In diesen Abwärtsjahren hat sich das Stern aber zur Familienhotel-Alternative gemausert: ohne quietschgelbes Maskottchen und Klubtanz, dafür mit Ponyomas.

Die werden von den Urlaubskindern allerdings gerade zugunsten der Fußballtore verlassen, die natürlich auf einer saftiggrünen Wiese stehen. Aber auch der Fußball ist nur Lückenbüßer, bis der Traktor ums Eck knattert und ein Stadtkind nach dem anderen zur Feldrunde aufsitzen lässt. Dann Spielgerüstburg, dann Wassergatschspielplatz. Und vielleicht sogar einmal im Heustadl übernachten.

Nachweislich nachhaltig

Auch wenn solche Programmkaskaden kaum einen Ortswechsel nötig machen, sollte man das Stern zwischendurch verlassen. Einerseits gibt es auf dem Plateau lohnende Wanderungen durch Klammen und Steige, andererseits sind Innsbruck, das Ötztal, die Zugspitze oder Seefeld so nahe, dass sie unter „Ausflug“ firmieren. Dank Lage an der Fernpassstraße ist vieles auch öffentlich gut erreichbar.

Und das ist dem Stern-Chef wichtig. Als René Föger den Betrieb, der seit über 500 Jahren von der Familie geführt wird, im Jahr 2004 in der Krise übernahm, beschloss er, ein nachhaltiges Familienhotel aufzubauen. Damals war das noch kein Trend, sondern eine teure Leidenschaft. Föger entwickelte Pläne, wie man die -Belastung pro Gast senken kann, wie man den Lebensmittelbedarf nachhaltiger decken kann, wie man Gäste dazu bringen kann, dass sie mit dem Zug anreisen. Und wie man die trotzdem anfallenden Emissionen kompensieren kann, 2011 wurde das Stern als erstes klimaneutrales Hotel des Landes ausgezeichnet. Alle Maßnahmen, Erfolge und weitere Ziele sind so ausführlich auf der Stern-Website dokumentiert, dass man sie glaubt – aber Föger erzählt einem auch gerne davon.

Wenn Vierjährige eine Runde Ponyreiten dürfen, sind sie glücklich. Wenn  sie auf einem Pony einen langen Ausritt entlang der Larchwiesen machen, hört das nicht mehr auf. Damit den Eltern während der Absenz ihres Nachwuchses nicht womöglich langweilig wird, können sie auch durch die Larchwiesen streifen, oder durch den Wald. Dort sammeln sie mit „der Elfie“ Verkochbares, das sie dann unter Anleitung der Kräuterauskennerin in der urigen Gartenhausküche des Stern  zu Wildkräutersuppe oder Kräuterbutterbroten verarbeiten.

Elfie ist mehr als bloß Kräuterfee, sie ist Sinnbild. Die Freundin der Hoteliersfamilie wurde von Föger, als sie Arbeit suchte, mit dem Kräutergarten beauftragt, der jetzt Teil des Nachhaltigkeitskonzeptes ist. So wie die coole Bergführerin Petra mit den Gästen Sonnenaufgangswanderungen und E-Bike-Touren macht. Oder der „Opa Toni“, auch nur adoptierter Nachbar, in dessen Revier die Ziegen, Hasen und eben die Ponys sind. Und wer sieht, wie eine Horde Stadtkinder täglich um 17 Uhr parat steht, um mit diesem unverwandten Opa Tierbemmerln wegzuschaufeln, versteht das Wort Nachhaltigkeit besser. Und das Mieminger Plateau auch.

Info

Klimafreundliche Anreise Mit dem Zug bis Innsbruck, Telfs oder Ötztal Bahnhof. Ab  dort regelmäßig Busverbindungen auf das Plateau – einige Hotels bieten gratis Abholung

Mieminger Plateau Die Hochebene (850 bis 1.000 Meter Seehöhe) zwischen Mieminger Kette und Oberinntal ist etwa 15 Kilometer lang und vier Kilometer breit, sie wurde seit den Römern als Transitpassstrecke genutzt. Die vielen Wiesen und Äcker werden durch ein dichtes Wegenetz geteilt, die Radfahrer, Spaziergänger und im Winter Langläufer nutzen

Familien-Landhotel Stern Das Dreistern-S-Haus existierte seit 1509 auf dem Fernpass als Gasthaus, seit gut 100 Jahren ist es in Obsteig. Während einer Krise entschied die Familie 2004 den Neustart als nachhaltiges Familien- hotel, was Kindern spielerisch vermittelt wird. 2011 war das Stern Österreichs erstes klimaneutrales Hotel, bis 2019 wurden die -Emissionen/Gast auf den Rekordwert von 7,5 kg gesenkt.
Der Aufenthalt kostet ab 75 € p.P im DZ,  inkl. F/Jause/Kindermittag-/Abendessen. Kinder im Zimmer der Eltern: bis 2 J. gratis, bis 11 J. 23 €, bis 18 J. 40 €. Viel Programm (z.B. das Heuschnarchn) ist inkludiert. Rabatte gibt es für längere oder oftmalige Aufenthalte sowie die Anreise per Zug (5%)

Auskunft hotelstern.at, innsbruck.info

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