© Andreas Puschautz

freizeit Reise
07/12/2021

Bilder statt Schnappschüsse: Mit dem Foto-Profi in der Ramsau

Fotoreisen sind eine tolle Möglichkeit, seine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern und gleichzeitig die heimische Natur zu entdecken – etwa in der Region Ramsau-Schladming-Dachstein.

von Andreas Puschautz

Ganz ehrlich: Fotografieren kann doch jeder. Zumindest vermitteln einem die unzähligen Bilder, die täglich auf Instagram landen, diesen Eindruck. Doch scrollt man nicht nur flott durch die Timeline, sondern spendiert den Motiven einen zweiten oder gar dritten Blick, sieht die Sache oft schon ganz anders aus – und das Gefühl steigt in einem hoch, dass hinter so manchem, besonders eindrucksvollem Bild doch mehr stecken könnte als nur gekonnter Filter-Einsatz und teure Technik. Führt dieses Gefühl irgendwann zum Wunsch, an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, lohnt der Blick auf Angebote wie jene der Wiener Fotoschule. Mehr als hundert Seminare für Einsteiger und Fortgeschrittene bieten Karl Füsselberger und sein Team jährlich an. Teils als Eintagesworkshops in Wien, teils als mehrtägige Fotoreisen.

Jeden Frühling und Herbst geht es etwa in die Region Ramsau-Schladming-Dachstein. Gerade einmal vier Zugstunden von Wien entfernt, bietet die spektakuläre Naturvielfalt des oberen Ennstals vielfältige Möglichkeiten, sich unter fachkundiger Anleitung den unterschiedlichsten Motiven anzunähern. Ob wilde Wolkenszenarien über dem Dachstein-Massiv, rauschende Wasserfälle oder süße Murmeltiere auf der Bachlalm hinter der Landesgrenze in Salzburg, für ein abwechslungsreiches Programm ist gesorgt.

Gemeinsame Bildbesprechungen runden das Programm ab. Das alles sorgt dafür, dass die Lernkurve beim interessierten Anfänger in etwa so steil ansteigt wie die imposante Dachstein-Südwand.

Klar, eines merkt man hier schnell: Wer nicht zumindest grundlegend weiß, wie Blende, Verschlusszeit und ISO-Einstellung zusammenspielen, ist vorerst bei einem Einsteigerworkshop besser aufgehoben. „Die meisten Teilnehmer sind ambitionierte Hobbyfotografen“, bestätigt auch Organisator Füsselberger. Profi muss hier aber niemand sein und dumme Fragen gibt es nicht – oder zumindest werden auch diese geduldig beantwortet.

Doch es geht bei Weitem nicht nur um die Technik. Vor allem geht es auf einer solchen Fotoreise darum, sich einmal Zeit zu nehmen. Für die Motivauswahl, für die Möglichkeiten der eigenen Kamera, und natürlich auch für Experimente – Dinge, die im normalen Urlaub gerne einmal auf der Strecke bleiben. Woraufhin man doch wieder Schnappschüsse und keine Bilder mit nach Hause bringt. Deswegen ist auch Jürgen mit seiner Partnerin aus Augsburg angereist: „Man nimmt sich hier einfach die Zeit, dasselbe Motiv aus verschiedenen Positionen und mit unterschiedlichen Einstellungen zu fotografieren“, sagt er. „Im Urlaub hast du diese Zeit oft nicht.“

Ein Problem für wirklich gute Aufnahmen, denn „die besten Bilder werden erhockt“, sagt Herbert Raffalt. Er muss es wissen: Der renommierte Ennstaler Naturfotograf hat bereits 16 Bildbände veröffentlicht und leitet die kleine Gruppe gemeinsam mit Füsselberger an. „Fotografieren braucht oft Geduld – und manchmal passiert trotzdem nichts“, sagt auch der. Immerhin steigen die Chancen, wenn man zur richtigen Zeit unterwegs ist: „Es gibt keine bessere Zutat als Morgen- oder Abendlicht.“

Freilich geht es selbst auf einer Fotoreise nicht nur ums Fotografieren. Zwischendurch bleibt genügend Zeit, die herrlichen Ausblicke zu genießen oder die anderen Teilnehmer kennenzulernen. „Wie überall geht es auch hier viel um das Soziale“, sagt Füsselberger. Zwangsläufig, verbringt man doch vier Tage vom Frühstück bis zum Achterl nach dem Abendessen mit der Gruppe. Dass das Soziale meist seinen Ausgang im Fachsimpeln über Bilder oder die jeweilige Ausrüstung nimmt, ändert daran nichts.

Apropos Ausrüstung: Die kann nach Voranmeldung auch ausgeliehen werden. Doch Achtung: Folgeinvestitionen sind dann möglich bis wahrscheinlich. Dafür darf man sich in Zukunft im besten Fall über Urlaubsbilder freuen, die auch ohne Instagram-Filter keinen Vergleich scheuen müssen.

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