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freizeit Reise
06/28/2020

Abtauchen ins Blaue: Spektakuläre Restaurants, Hotels & Museen am Meeresgrund

Wir kennen Küsten und Korallenriffe. Aber wer hat schon einmal am Meeresgrund diniert? Oder ist dort in ein Museum getaucht?

von Florentina Welley

Blau wie die Meeresgrotte, tiefgründig wie die raue See oder romantisch wie ein Sonnenuntergang am Meereshorizont. Wir kennen das Meer, fahren an Küsten, schwimmen in weiten Buchten und tauchen hinab zu bunten Fischen und prächtigen Korallenriffen. Aber kennen wir es wirklich? Denn all das ist nur ein kleiner Teil davon, was der riesige Ozean zu bieten hat. Oder haben Sie schon einmal tief unten am Meeresgrund köstlichen Fisch verspeist, in einem Hotelzimmer unter Wasser in der Finsternis der Tiefsee geschlafen oder sind gar in ein Museum am Meeresgrund abgetaucht? Nicht nur das Meer selbst hat unendlich viele Facetten. Neben Ozeanografen und Meeresbiologen entdecken auch immer mehr Architekten, Künstler und Visionäre die Geheimnisse der Tiefsee und entwickeln ganze Städte, in denen man in der Zukunft unter Wasser leben kann. Umso erstaunlicher, dass in dem Roman von Jules Verne, „20.000 Meilen unter dem Meer“, Kapitän Nemo schon 1869 die Weltmeere in Besitz nahm. Fast genau so, wie es jetzt ein utopisches Konzept von einer Unterwasser-Stadt des französischen Architekten Vincent Callebaut vorsieht.

Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen im wahrsten Sinne desWortes. So richtig aufregend wird das alles, wenn wir dann selbst abtauchen, um Neues zu entdecken. Das größte zusammenhängende Ökosystem der Welt bedeckt immerhin mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche, beheimatet Millionen von Tier- und Pflanzen-Arten und jetzt sogar spannende Unterwasser-Hotspots für Urlauber und Abenteurer.

Tauchen und Tiefsee

Endlich dürfen wir wieder hinunter ans Meer, der Strand der Österreicher liegt ja bekanntlich nahe. Laut Umfragen träumen etwa 19 % der Österreicher von einem Haus am Meer und rund 50 % urlauben bevorzugt am Strand. „Wir kennen vom Meer nur die Küste und sonst eigentlich nur die obersten 200 Meter. Die Tiefsee darunter ist finster und weitgehend unerforscht“, sagt Jörg Ott, Professor für Meeresbiologie an der Universität Wien. „Wir benützen das Meer als Transportmittel, zur Erholung, zum Fischfang und zur Müllentsorgung. Aber heute wird es immer wichtiger, dem Meer auch etwas zurückzugeben.Wenn wir weiter in klarem Wasser schwimmen wollen, ist ein umweltbewusster Umgang mit dem Meer, sowie eine Reduzierung des Plastikmülls unerlässlich“, sagt der Experte, der zu Mikro-Plastik im Meer forscht. Und weist darauf hin, dass auch die Tauch-Etikette befolgt werden sollte: nichts mitnehmen, nichts anfassen und nichts dort lassen.

Abenteuer in der Tiefe

Bunte Fische, Korallenriffe, versunkene Schiffe – wer dabei nur an die Karibik oder ans Rote Meer denkt, liegt falsch. Denn all das kann in Tauchabenteuern vor Kroatiens Küste erlebt werden. Taucher schätzen auch die hohen Felsklippen mit farbenprächtig bewachsenen Steilwänden und kleinen Höhlen besonders. Aber man muss schon ein Stück tiefer unter Wasser, umbunte Riffe und blau-violette Gorgonienfelder zu entdecken. Wer die artenreichen Unterwasser-Biotope, die auch in Kroatien streng geschützt werden, bequem und trocken via Submarine- Touren erforschen will, taucht in Korcula ab.

In größeren Tiefen lassen sich Stachelrochen, Riesen-Drachenköpfe oder gar das berühmte Schiffswrack von Baron Gautsch entdecken. Der 1913 vor Rovinj gesunkene Luxusdampfer Baron Gautsch zählt zu den 50 schönsten Unterwasserzielen der Welt. Wer das Meer aber doch betrachtet, kann bei romantischen nächtlichen Stand-up-Paddling-Touren vor der Küste Istriens, in Pula oder Medulin, durch glitzerndes bunt beleuchtetes Wasser gleiten. (Foto ganz oben: „Metta Float Stand Up Paddle und Yoga“, https://www.mettafloat.com , https://www.istra.com)

Aug in Aug mit Hummer & Co

Haben Sie Sehnsucht nach Meer und keine Zeit für Urlaub? Zumindest für die Pariser ist das kein Problem. Sie vergnügen sich gerne am Wochenende unter Wasser und bleiben
dabei sogar trocken.

Entspannt dinieren sie auf Augenhöhe mit Hummer und Haien, trinken dazu Champagner und feiern danach beim tropischen Unterwasser-Clubbing ab. Wo das alles stattfindet? Nach der Sperrstunde für öffentliche Besucher im Pariser Aquarium.

Und Europas erstes echtes Unterwasser-Restaurant öffnete letztes Jahr in Norwegen seine Schleusen. Die Architekten Snøhetta haben mit dem fünf Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Under einen Gourmettempel in Båly errichtet. Mit 495 m² das größte Restaurant der Welt. Aber nur bis zu 40 Personen können hier mit Panoramablick auf die artenreiche Unterwasserwelt in Gesellschaft von Seehunden und Dornhaien speisen oder sich an der Champagner-Bar erfrischen. Da regionale Gerichte auf den Teller kommen, schwimmt draußen quasi die Speisekarte vorbei: Lippfische, Hummer und Dorsche. Ein Teil dieser Unterwasser-Welt wird als Marine-Research-Zentrum genützt. Auch jene, die sich nach dem Essen gleich hinlegen möchten, können das bereits in Jules-Verne-Manier tun. Der Tauchpionier und Forscher Michael Lombardi hat gemeinsam mit dem Direktor des NYU-Meyers College of Nursing, ein Unterwasserzelt entwickelt, in dem man bequem übernachten kann. Das Zelt hat sogar ein Fenster und selbstverständlich Sauerstoffzufuhr.

Etwas mehr Luxus und Wellness-Erleben im tiefen Meer bietet aber ein echtes Unterwasser-Hotel. Etwa das Huvafen Fushi, ein Luxus-Resort auf den Malediven.

Hier wellnesst man Aug in Aug mit bunten Fischen unter dem Meeresspiegel oder diniert lässig oberhalb, mit den Füßen im Meereswasser-Pool.

Leben auf dem Meeresgrund

„Wir sollten alle etwas dazu beitragen, um das Meer sauber zu erhalten. Um ein Gefühl für diesen wichtigen Lebensraum zu bekommen, legt man am besten selbst Flossen und Schnorchel an und taucht ab“, sagt Meeresbiologe Jörg Ott. Etwa zu einem Glashaus für Korallen.

Der Künstler Jason de Cairo will mit seiner Unterwasserinstallation auf die Bedrohung des Great Barrier Reefs hinweisen So versenkte er ein riesiges Gewächshaus für Korallen in Form eines Eisenkäfigs auf den Meeresboden vor Townsville, Australien. Die Installation ist Teil des Museums of Underwater Art. Auch der belgische Architekt Vincent Callebaut will tief hinunter zum Meeresgrund und wandelt mit seinem Projekt der Unterwasser-Stadt „Aequorea“ auf den Spuren Jule Vernes. Seine spektakulären Entwürfe für die weltweit ersten Unterwasser-Skyscraper sollen Platz für etwa 20.000 Menschen bieten. Wer also demnächst in die Fluten abtaucht, entdeckt vielleicht schon bald versunkene neue Welten.