Regisseur Peter Keglevic

© Katharina Behling

freizeit
09/10/2019

Regisseur Peter Keglevic: Warum er nicht mehr mit Christoph Waltz dreht

Neun Mal hat der Salzburger mit dem Hollywoodstar gedreht. Im Gespräch über sein neues Buch, erzählt er, warum es bis dato keien Fortsetzung gab.

von Barbara Reiter

Er hat vom Goldenen Löwen in Cannes bis zum Deutschen Fernseh- und Adolf-Grimme-Preis alles abgesahnt. Und doch kennen viele seinen Name nicht. Peter Keglevic (69) ist der Mann, der Filme wie „Du bist nicht allein – Die Roy Black Story“ oder „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ als Regisseur verantwortet (und damit oben genannte Auszeichnungen eingeheimst) hat. Weiteres Erkennungsmerkmal: Beide Male (und in sieben weiteren Keglevic-Filmen) hat Doppel-Oscar-Preisträger Christoph Waltz (62) mitgespielt. Mit ihm ist der Regisseur bis heute befreundet.
 

Trotzdem: Einen weiteren gemeinsamen Film gab es seit Waltz' weltweitem Durchbruch nicht. "Ich denke, er würde es machen, wenn das Projekt uns beiden gefällt. Dazu muss man sagen, dass Christoph jetzt ein internationaler Star ist. Da gilt es, finanzielle Vorausetzungen zu erfüllen. Das mit dem Freundschaftsdienst kann man nicht einfordern." Derzeit hat Keglevic aber ohnehin anderweitig zu tun und hat sein zweites Buch herausgebracht. „Es ist gut für Körper und Kopf in vollkommener Stille dazusitzen. DAs Eine wie das Andere fällt mir ohne Monopolisierung auch leichter.“ Die Idee für sein zweites Buch „Wolfsegg“ kam Keglevic, where else, am Set. „Ich habe in der Steiermark hinterm Gesäuse gedreht. Das sind so einsame Landstriche, dass ich dachte, ich möchte eine Wilderer-Geschichte schreiben.“ Der Clou: Die Protagonistin ist eine 16-Jährige, die früh Verantwortung übernehmen muss, dunkle Geheimnisse inklusive.

Wenn das nicht nach Filmstoff klingt? Keglevics hätte auch seinen Erstling „Ich war Hitlers Trauzeuge“ im Talon. „Das bräuchte viel Geld und Sendezeit und könnte das nur mit Netflix oder Amazon machen. Die müssten sich dafür aber mehr interessieren als sie es derzeit tun. „Wolfsegg“ hat bessere Voraussetzungen.“  
 

Seit 30 Jahren lebt der gebürtige Salzburger übrigens in Deutschland. "Es war eine Entscheidung des Augenblicks. Ich habe nach einem Dreh dem damaligen Fernsehspiel-Chef des ORF die Frage gestellt, wann ich wieder mit einem Auftrag rechnen darf. Der meinte hochmütig: "In fünf bis zehn Jahren." Das hatte viel damit zu tun, dass man Provinzler nicht wie heutzutage, automatisch nach Wien hineingelassen hat. Zeitgleich hatte ich zwei Film-Angebote aus Berlin. Das war's!"

Dort lernte Keglevic schließlich auch Waltz kennen, dem ein ähnliches Schicksal widerfahren war: Das in Österreich nicht geschätzte oder gewollte Genie. "Christoph ist ein gebildeter, intelligenter, kluger und weitreichend informierter Mensch. Es nervt ihn, wenn Leute einfach so daherplappern. Da hat er möglicherweise dem ein oder anderen das Gegenteil des Gesagten bewiesen. Es wird einem im Business nachgetragen, wenn man klug ist und es läuft unter der Kategorie: 'Der Waltz ist so zynisch.' In Wahrheit ist er ironisch und witzig. Viele andere sind das nicht."

Derzeit verhandelt Keglevic, der mit dem ORF längst wieder gut ist und zuletzt für ORF/ZDF einen Dreiteiler, Marke Heimatfilm gedreht hat, mit einem  privaten Anbieter über eine Mini-Serie. „Langsam kehren alle aus dem Sommerurlaub zurück. Dann wird es Entscheidungen geben.“ Vielleicht ist ja auch Christoph Waltz dabei.
 

Info: Präsentation „Wolfsegg“ mit Peter Keglevic: 19 Uhr, Thalia im W3, Landstraßer Hauptstraße 2A, 1030 Wien