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freizeit
08/01/2020

Vorsicht, Elektro-Fahrrad: Tipps zur Unfallvermeidung

Im Vorjahr verletzten sich 1.477 E-Biker, teilweise schwer.

von Uwe Mauch

Der erfahrene Radhändler in einem Wiener Außenbezirk weiß nicht so recht, ob er sich freuen oder sorgen soll. Auch er kennt diese Meldung „Bereits mehr als 750.000 Elektro-Fahrräder in Österreich“ vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Hat ja selbst etliche verkauft. An Menschen, die damit am Wochenende die Donauinsel erkunden, zur Arbeit fahren oder im Urlaub e-biken.

Schon seit Längerem verfolgt er neben den Verkaufszahlen (170.000 Stück 2019) auch die Unfallzahlen der Statistik Austria. Die sind weit weniger erfreulich: Im Vorjahr wurden auf Österreichs Straßen 1.477 E-Biker bei Unfällen verletzt, elf verloren ihr Leben. 2018 starben 17 E-Biker. Sebastian Obrecht vom ARBÖ geht davon aus, dass „aufgrund der vermehrten Nutzung die Unfallzahlen heuer noch steigen werden“.

Was zu bedauern ist

„Wer auf ein E-Bike steigt, nimmt ein höheres Risiko in Kauf als bei einem herkömmlichen Fahrrad, kann dieses aber durch ein Mindestmaß an Vorbereitung kompensieren“, betont Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Messungen haben gezeigt, dass E-Biker im Schnitt um 3,4 km/h schneller fahren als herkömmliche Radler. Damit erhöht sich ihr Unfallrisiko deutlich, vor allem auch deshalb, weil viele ungeübt, oft nur gelegentlich in die Pedale treten und daher mit dem Tempo und mit dem Handling der schwereren E-Bikes schnell überfordert sind. Ältere Semester brechen sich zudem bei einem Sturz leichter ihre Knochen.

Dazu kommt, dass die meisten Radfahranlagen für E-Biker nicht dimensioniert wurden. So fehlen ihnen im Kreuzungsbereich größere Sichtweiten. Auch sind die meisten Radwege zu eng und zu übersichtlich für gefahrloses Überholen.

Was zu beachten ist

Der KURIER hat sich bei Experten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, bei VCÖ, ÖAMTC und ARBÖ umgehört und folgende Checkliste für E-Radfahrer erstellt:

Kauf

Sich von einem Fachhändler beraten lassen, dazu wird dringend geraten. „Es gibt heute eine breite Palette von Modellen mit mehr oder weniger Motor-Unterstützung“, begründet Christian Gratzer vom VCÖ.

Check

Vor der ersten Ausfahrt soll laut Gratzer die Betriebsanleitung gelesen werden, um sich mit allen Funktionen des E-Bikes vertraut zu machen. Reifen, Schaltung, Bremsen und Licht prüfen sei auch beim E-Bike ein Muss vor jeder Ausfahrt.

Helm

Er kann schwere Kopfverletzungen verhindern, so die Experten. Es werden heute auch stabile Helme speziell für E-Biker angeboten.

Fahrschule

Ellen Dehnert, E-Bike-Spezialistin beim ÖAMTC, rät dazu, sich vor der ersten Ausfahrt in Ruhe oder in einem Kurs mit den Eigenheiten des E-Bikes vertraut zu machen. Solche Kurse bietet nicht zuletzt auch der Touringclub an.

Erfahrungswerte

Das Anfahren mit E-Motor ist gewöhnungsbedürftig, die Schubkraft kann die Novizen überraschen. Daher sollte man zunächst mit niedrigster Stufe und niedrigem Gang losfahren. Ebenso trainiert werden sollte das Bremsen. Zu beachten ist dabei der längere Bremsweg, so ARBÖ-Mann Obrecht. „Wer mit Tempo 25 unterwegs ist, hat einen etwa doppelt so langen Bremsweg als bei 15 km/h.“ Auf dem E-Bike kann zudem die Kurvenfahrt das Gleichgewicht stören.

Elektronik

Vor jeder Fahrt ist es ratsam, die Akkuladung zu kontrollieren. „Ab und zu sollte man außerdem die elektrischen Kontakte reinigen und mit Kontaktspray pflegen“, so Ellen Dehnert vom ÖAMTC.

Tuning verboten

„Tunen ist riskant und illegal“, warnt KFV-Experte Kaltenegger. So wie bei Moped oder Auto sind die Komponenten der Räder nicht für höheres Tempo gebaut.

Öko-Fitness

Wer nur mit der geringsten Unterstützungsstufe radelt, trainiert seine Muskulatur und schont gleichzeitig unser Klima.

Gilt auch für E-Biker

Rücksichtsvoll und aufmerksam fahren. Das Tempo immer den Fahrbahnverhältnissen anpassen. Das E-Bike regelmäßig zum Service bringen. Für die Sichtbarkeit und Sicherheit helle Kleidung tragen, auch gutes Schuhwerk.

Bei einem VKI-Test räumt in allen drei Kategorien ein Hersteller ab.

Teure Fahrräder, und dazu zählen auch E-Bikes, ziehen Diebe magnetisch an. Selbst die Testsieger beim Fahrradschloss-Test des Vereins für Konsumenteninformation bieten keinen 100-prozentigen Schutz, sie reduzieren jedoch das Risiko um ein Vielfaches. Der VKI hat drei Arten von Schlössern getestet:

Bügelschlösser

Das Granit XPlus vom deutschen Schlösserspezialisten ABUS zeigt der Mehrheit der Diebe an: „Bei mir wirst du auf Granit beißen, lass’ also die Finger von mir.“ Der Preis für den Testsieger, der am Rahmen befestigt werden kann, ist mit 120 Euro ebenso hart. Gute Noten erhielt auch das B’Twin 940 von Decathlon, es ist mit 36 Euro deutlich billiger.

Faltschlösser

Für das Bordo Granit XPlus von ABUS muss man sogar 150 Euro berappen. Es hat den zusätzlichen Vorteil, dass es sich eleganter am Rahmen befestigen lässt und beim Versperren eine deutlich höhere Reichweite bietet.

Kettenschlösser

Selten sieht man bei Benützern von Kettenschlössern alltagstaugliche Lösungen für deren Transport. Was oft zu ihren eigenen Lasten geht, denn auch diese Schlösser haben viel Gewicht. Das CityChain 1010 von ABUS (110 Euro) und dann das Kryptolok 990 Combo  von Kryptonite (70 Euro) werden von den Konsumentenschützern am besten bewertet. Mehr zum Test: https://www.konsument.at/test-fahrradschloesser072019