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01/28/2017

Oh, it's a Tee!

Bei Minusgraden gibt es nichts Schöneres als eine heiße Tasse Tee. Seit einigen Jahren sind Teehäuser in Österreich en vogue, auch die Tea Time in Luxus-Hotels ist in Mode gekommen. Ein Besuch.

von Barbara Reiter

Seit Wochen hat die Kälte Österreich fest im Griff. Dick eingemummelt, aber alles andere als unsichtbar, bewegen sich die Menschen durch die Straßen, denn jeder ihrer Atemzüge wird von einem Hauch begleitet. Als wären unzählige Dampfloks unterwegs. Da hilft nur, die kalte Luft nicht zu tief zu inhalieren und zügig weiterzugehen, bis das Ziel erreicht ist: Hotel Bristol, 15 Uhr am Nachmittag! It’s tea time und Dietmar Zöscher, F-&-B-Direktor des Hauses, hat viel zu erzählen. Vor einigen Jahren hat die Tradition aus Großbritannien, die in „good old England“ mit feinstem Porzellan und reichlich belegten Étagères zelebriert wird, Österreich erreicht. Zuerst in Form von Teehäusern, nun ist der Trend auch in Luxushotels abgestiegen. Das Bristol scheint, alleine wegen seines Namens, dafür prädestiniert zu sein, auch, wenn es mittlerweile amerikanische Eigentümer hat. Doch das Wappen der südwestenglischen Hafenstadt, das eindrucksvoll über dem Kamin des wunderbar plüschigen Hotel-Restaurants prangt, hält dagegen. Zöscher bittet zu Tisch und erläutert das Prozedere. Alles beginnt mit einem alkoholfreien Cocktail, um den Gästen die Wartezeit zu verkürzen. In der Teekarte, durch die man sich, dank ausführlicher Beschreibung, schmökern kann – wenn man will, stehen schließlich 16 Sorten zur Auswahl. Auch die Zubereitung der drei Gänge, wahlweise klassisch oder vegan, braucht Zeit. „Wir beginnen mit pikant, servieren dann Scones als Reminiszenz an unseren britischen Namen und bieten zum Schluss kleine Nachspeisen an.“ Denn das Zentrum des Ganzen, der Tee, wird in einen entspannten Event verpackt. „Wien ist zweifelsohne die Hauptstadt des Kaffees“, erklärt Zöscher. „Gemma auf an schnellen Kaffee“ hat sich in den Sprachgebrauch eingebürgert. Das würde man über Tee nie sagen. Er steht für Entschleunigung. Man lässt sich Zeit.“

Etwas, das im Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe seit jeher als Urlaubsmotto gilt. Langsam, ganz laaangsaaam. Als Vorreiter in Sachen Trends, pflegt man die Teetradition auf der Turrach schon seit 2004. Damals wurde von den Hoteliers Karin Leeb und Martin Klein der einst umstrittene, weil landschaftlich gewöhnungsbedürftige Chinaturm eröffnet – nach den Vorstellungen von Leebs Vater, der in den 1990er-Jahren mehrere Chinareisen unternommen hatte. Wer jemals von ganz oben im Turm den Blick auf den See genossen hat – natürlich mit einer Tasse feinstem Tee auf dem Schoß – weiß, was Entspannung heißt. „Tee ist mittlerweile ein Lifestyleprodukt geworden“, erzählt Martin Klein. „Früher hat man Tee getrunken, wenn man Husten hatte. Heute verbinden wir Wohlbefinden damit.“ Immer wieder runden Gäste ihre Wellnessbehandlungen mit einem Aufenthalt im Chinaturm ab. Und wer möchte, kann auch an einer original chinesischen Teezeremonie teilnehmen, „die unsere Mitarbeiter bei einer echten Teemeisterin gelernt haben“.

Seine Kräutertees bezieht Martin Klein (o. mit seiner Frau Karin Leeb) ebenfalls aus China, besser gesagt von einer chinesischen Teefachfrau, die ihre Zelte in einem Geschäft auf der Wiener Mariahilfer Straße aufgeschlagen hat. Keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt, im Hotel Bristol, werden unterdessen nach Couscoustalern mit Humus und frischen Erdbeeren (vegan) und Hummersandwiches mit Cocktailsauce (klassisch), gerade Scones gereicht. Das Gebäck wird wie eine Semmel in der Mitte aufgeschnitten und mit Marmelade oder Cream Cheese bestrichen, begleitet von herrlichem Jasmintee – der aus einer Kombination von grünem Tee und Blüten des Jasmin-Strauchs besteht. Grüntee ist stets auch Zöschers erste Empfehlung: Im Gegensatz zu Schwarztee ist Grüntee nur halbfermentiert (der Fermentierungsprozess wird nach kurzer Zeit unterbrochen) und ist deshalb die gesündere Variante, weil er weniger Koffein enthält. „Man kann ihn eigentlich von morgens bis abends trinken. Was man wissen muss: Je kürzer grüner Tee zieht, desto anregender wirkt er.“ Doch über Ziehzeiten gibt es wohl ebenso viele Meinungen wie Experten.

Zwei Stunden, zwei Teekannen und drei Étagères später, (der Cheesecake mit Himbeersauce und die Brownies mit Karamell waren großartig) tritt man den Minusgraden vor der Tür jedenfalls wieder angeregt gegenüber. Und wer bald wieder friert, weiß, was zu tun ist: Alles, nur nicht abwarten – und Tee trinken!

HOTEL BRISTOL
Der „Afternoon Tea“ wird in der Bristol Lounge, täglich von 15 bis 17 Uhr serviert. Preis: 30 € pro Person. Zur Auswahl stehen eine vegane und eine klassische Variante, serviert in jeweils drei Gängen von pikant bis süß. Für Kinder gibt es eine eigene Variante.

Kärntner Ring 1, 1010 Wien, 01/51516-0
http://www.bristol-lounge.at

RITZ CARLTON
In der Melounge Lobby Lounge wird täglich von 14 bis 18 Uhr der „Tea & The City Afternoon Tea“ serviert. Preis: 40 € pro Person oder 48 € inklusive ein Glas Champagner.

Schubertring 5, 1010 Wien, 01/43131188
http://www.ritzcarlton.com

HOTEL HOCHSCHOBER
Der vierstöckige Chinaturm mit Teehaus wurde 2004 eröffnet und hat sich als beliebter Rückzugsort für Gäste etabliert. Mitarbeiter gestalten die Teezeremonie „Gong Fu Cha“.

Turracher Höhe, Kärnten, nahe der steirischen Grenze. 04275/8213
www.hochschober.com

WO MAN NOCH STILVOLL TEE TRINKEN KANN:

www.haas-haas.at (Wien, 1)
www.artee.at (Wien, 7)
www.tee.at (Demmers Teehaus, Wien 1)
www.jaegertee.at (Wien 1)
www.schlossthalheim.at (Kapelln, Niederösterreich)

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