Norbert Schneider: "Mein Weg war immer ein bissl anders"

Norbert Schneider
Foto: KURIER/Franz Gruber  

Norbert Schneider, 37, ist auf dem besten Weg, Österreichs Lieblingsmusiker zu werden: Er covert Georg Danzer so gut, dass das Konzerthaus ausverkauft ist.
Ende März nimmt er bei "Dancing Stars" teil. Wer steckt hinter dem Mann mit den Gegensätzen? Ein Gespräch über Prince, hautenge Overalls und
den Tod geliebter Menschen.

KURIER: Norbert, du bist in Ostösterreich ein bekanntes Gesicht, im Westen kennt man dich weniger. Wie wäre es, wenn du dich einfach mal vorstellst?

Norbert Schneider: Ich bin ein leidenschaftlicher Musiker, ein Romantiker, ein überdurchschnittlich gutaussehender Typ mit einer „Guild“. Das ist eine ganz tolle Gitarre, ein rares Stück aus den 1950er-Jahren, das man sich unbedingt einmal live anschauen muss.    

Wunderbare Beschreibung.  

Es geht ja noch weiter. Ich bin ein Musiker, der es sehr schwer gehabt hat in den Bundesländern. Ich spiel’ dort eigentlich kaum, weil es für mich kein Publikum gibt. Diesbezüglich hoffe ich, dass die Leute honorieren, wenn ich mich bald bei „Dancing Stars“ abstrample und peinlich herumhopse.

Darüber reden wir gleich. Wir müssen schon noch sagen, dass du  2010 die Casting-Aktion „Ö3 Soundcheck“ gewonnen und mittlerweile  zwei Amadeus- Awards in der Tasche hast.

Das war ein Gestammel damals bei der Verleihung ...

Deine Ansprache war vielleicht nicht so emotional, wenn man sich das Video anschaut.  

Das wirkt bei mir immer so. Aber ich habe mich wahnsinnig gefreut. Die Leute fragen mich immer: „Na, was is? Gfrei di doch jetzt!“ I gfrei mi eh, aber man muss das nicht überbewerten.

Vor dem „Ö3 Soundcheck“ kannte man dich in der Künstlerszene, nachher warst du den  Ö3-Hörern ein Begriff.  Was passiert eigentlich, wenn man plötzlich einen Namen hat?  

Da war ich selbst ein bissl überrascht. Ich dachte, dass nachher meine Konzerte ausgebucht sein werden, aber es hatte genau den gegenteiligen Effekt. Davor war ich in der Blues- und Jazz-Szene etabliert, danach sind die Leute abgesprungen, weil ich ja quasi mit dem Teufel Ö3 gepackelt habe. Leider waren die Ö3-Hörer nicht die typischen Konzertgeher und ich hatte ein, zwei Jahre ziemlich zu kämpfen, livetechnisch wieder Boden unter den Füßen zu kriegen.  

Da könnte man eine Teilnahme  bereuen.  

Bereuen nicht. Es war meine erste Erfahrung mit Medien, weil ich davor ja sozusagen zehn Jahre im Untergrund Musik gemacht habe. Plötzlich war da diese Öffentlichkeit. Ich hab’ in der Phase immer gedacht, ich muss mich verstellen, es reicht nicht, wie ich bin. Aber dann habe ich gelernt, dass es  allemal reicht.  

Und jetzt spielst du im ausverkauften Konzerthaus eine „Hommage an Georg Danzer“...

Ich hab dort schon einmal im Vorprogramm  von B. B. King gespielt. Diese Vorgruppensachen sind immer schön für die Vita, aber du bist ja nur der Dodel dort. Die Leute kommen ja nicht wegen dir. Kurz nach dem Einlass waren vielleicht zehn Leute im Saal, die miteinander gesprochen haben. Ich hab’ auch schon vor 15.000 Leuten vor „Simply Red“ gespielt. Aber das war kein besonders gutes Gefühl. Das ist eine Plastikblase, wie eine Platzierung in den Charts. Nicht greifbar.   Aber man macht auch gute Erfahrungen.   

Hattest du jemals ein so großes Konzert wie demnächst im Konzerthaus?  

Nein, das ist mein bisher größtes Einzelkonzert, da passen knapp 2.000 Leute rein. Ich hab’s nicht für möglich gehalten, dass es innerhalb von eineinhalb Monaten ausverkauft ist. Ich dachte, wir müssen im Frühjahr richtig kämpfen, damit wir die Hütte voll bekommen. Aber in Wien hat es sich die letzten Jahre schon abgezeichnet, dass es immer besser läuft.

Woran hast du’s gemerkt?  

Ich spiel ein paar Mal  im Jahr im Theater am Spittelberg. Da passen 180 Leute rein. Vor drei Jahren war es noch relativ schwierig, es zu füllen, aber die letzten Male musste ich keine Werbung mehr machen und die Konzerte waren innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Offenbar gibt es mehr Interesse. Vielleicht hab’ ich mir das die letzten Jahre erspielt.

Jetzt könnten die West-Österreicher, die dich noch nicht so kennen, wieder sagen: „Wieso spielt er Georg Danzer?“  

Weil das  Danzer-Management mich gefragt hat. Ich hab mir dann Bedenkzeit erbeten, weil von Anfang an klar war, dass ich das nur mache, wenn ich etwas dazu zu sagen habe. Ich bin selbst Liedermacher und muss keine Songs covern. Es ging mir um die künstlerische Relevanz. Aber dann hab’ ich rumprobiert und festgestellt, es funktioniert. Ich dachte mir, wenn ich drauf stehe, gefällt es den Leuten vielleicht auch.

Ob es den Leuten auch gefällt, wenn du dich ab 31. März in den engen Overall bei „Dancing Stars“ schmeißt?  

Ich hab’ einen bei der  Kostümprobe angehabt und mich sehr  wohlgefühlt. So ein Männerbody kann durchaus entzücken. Aber das Teil ist wahnsinnig eng, vor allem untenrum.    

Jetzt, wo du im ehrwürdigen Konzerthaus spielst, fragt man sich schon: Ist eine Teilnahme denn noch notwendig?  

Ich glaub’, es ist auf jeden Fall eine super Erfahrung. Ich kann nicht tanzen und hatte auch noch nie das Bedürfnis danach. Ich bin jetzt 37 Jahre alt und irgendwann wird’s halt Zeit. Wenn ich schon einen Tanzkurs mache, dann den besten, den es gibt.

Norbert Schneider Foto: KURIER/Franz Gruber

Beim Eintanzen im "Salettl Pavillon" im 19. Bezirk

Marika Lichter, die Urmutter der „Dancing Stars“, hat im Interview gesagt, dass man eine Botschaft braucht, um so eine Sendung für sich nutzen  zu können. Was ist deine?  

Meine Botschaft ist, dass ich eine Konzerttour im Sommer hab’ und dass ich will, dass viele Leute hinkommen.

Sehr ehrlich. Die Seitenblicke-Gesellschaft, der du als „Dancing Star“  angehörst, passt gar nicht zu dir, schon rein optisch.   

Ich hab’ nicht vor, ein Teil davon zu sein, sondern bin dann halt auch dort. Ich möcht’ Spaß haben, das ist mein Motto für das Jahr 2017. Mich dort nicht fertig machen lassen und schauen, was passiert.  

Warum pflegst du einen exzentrischeren Kleidungsstil als andere? 40er-Jahre-Anzüge auf der Bühne und eine Vintage-Jacke wie diese?

Eigentlich durch die Musik. Die  musikalischen Vorbilder, an denen ich mich orientiere, hatten in den 1940ern ihre Hochblüte. Man will ein  bissl wie sein Idol daherkommen. Aber ich kombiniere das, weil ich es nicht als Verkleidung sehe. Ich renn’ immer so herum. Es ist bequem und schaut gut aus – in meiner Welt zumindest.

Norbert Schneider Foto: KURIER/Franz Gruber

Norbert Schneider bei Studium der Speiskarte. Er bestellte Käsebrot...

Norbert Schneider Foto: KURIER/Franz Gruber

...und Kaffee

Bist du gerne anders als die anderen?  

Mein Weg war immer ein bissl anders, sag ich mal. Ich hab’ die Schule abgebrochen und meine Eltern wussten nicht genau, wie das weitergehen wird mit mir  und ob ich meinen Weg finde. Aber für mich war schon mit 16  klar, dass ich Musiker sein will und das durchziehe. Eine Zeit lang hab’ ich noch ein paar Jobs nebenbei gemacht, aber seit meinem 18. Lebensjahr bin ich hauptberuflich Musiker und hab’ mich immer irgendwie durchgekämpft.

Das Durchhalten hat sich ausgezahlt. Was sagen deine Geschwister und deine Eltern zu deinem Erfolg?  

Meine Geschwister nehmen es mit Humor und meine Eltern leben nicht mehr. Meine Mutter ist 2015 gestorben und letztes Jahr dann mein Vater.

Das tut mir sehr leid.

Das war heftig. Meine Mutter hätte eine große Freude mit mir als „Dancing Star“ gehabt. Sie war ein Riesenfan der Sendung. Das war auch ein Grund, mitzumachen.

Hat dich der Tod deiner Eltern innerhalb so kurzer Zeit geprägt?

Ich bin in der Phase noch drinnen und kann’s nicht so genau sagen. Aber ich glaub’ schon, dass es was mit einem macht. Ich geh’ auf jeden Fall bewusster meinen Weg, vielleicht ein bissl zielstrebiger. Das letzte Auffangnetz ist weg, weil, so, wie dich die Eltern lieben, wird dich keiner mehr lieben. Natürlich hab’ ich meine Geschwister, aber es ist doch was anderes.

Wie löst du solche Lebenskrisen?  

Bei meiner Mutter hab’ ich mir überlegt, ob ich wegfahre, um mich dem Problem eine Zeit lang zu stellen.    Aber dafür bin ich nicht der Typ, bei mir kommt  das in Phasen.  Es gibt halt Momente, wo Dinge hochkommen. Das können Gerüche sein oder Flashs. Aber ich sprech’ nicht viel drüber. Einmal mit Freunden und meinen Geschwistern, sonst mach’ ich das mit mir alleine aus.

Viele Menschen finden Trost in Büchern. Gibt es ein Buch, das dir da geholfen hat?  

Nein. Ich versuch immer wieder in Bücher reinzukippen, aber das fällt mir schwer.

Wahrscheinlich schöpft ein Musiker Kraft vor allem in der Musik.

Absolut. Wenn ich selber Musik  mach’, ist es das  schönste Gefühl, das ich kenn’. Wenn ich an einem  guten Tag  mit der Band zusammen spiele, sprühen die Funken. Das ist magisch, man erreicht regelrecht ein High. Mir rennt  die Ganslhaut, wenn ich das erzähl. Musik  hat ja  schon in der Kindheit einen so großen Stellenwert in meinem Leben gehabt. Man kann sich damit  ausdrücken oder von anderen Interpreten etwas herausnehmen. Das schafft kein Film und kein Buch für mich.  

Warum hast du als Bub Violine gelernt und nicht Schlagzeug oder Gitarre?  

Meine Eltern wollten beide ein Musikinstrument lernen, was beiden aus finanziellen Gründen leider nicht möglich war. Deshalb wollten sie ihren fünf Kindern die Möglichkeit geben. Damals gab es die TV-Serie „Oliver Maass“, in der ein kleiner Bub eine Geige findet. Das hat mich so angeturnt, dass ich auch Geige lernen wollte. Gitarre hat mir dann später meine Schwester beigebracht.

Es gibt also doch einen Film, der dein Leben verändert hat.  

Stimmt eigentlich. Das war richtig entscheidend. So hab’ ich das noch gar nie gesehen.

Ich habe übrigens einen alten Fragebogen  gefunden, den du vor einigen Jahren für die  ausgefüllt hast. Dort hast du gesagt, dass du gerne einmal mit dem Musiker Prince tauschen würdest, um in seine Arbeitswelt einzutauchen ... 

Prince ist nach wie vor ein Riesenidol für mich, auch nach seinem Tod. Ich bin ein totaler Freak, was ihn betrifft und könnt jetzt stundenlang über ihn reden.

Naja, ein paar Minuten vielleicht?  

Er war ein ganz toller Musiker. Sein Arbeitsdrang, ständig etwas Neues zu erschaffen, alles hinten anzustellen. Egozentrik pur, aber es ist bewundernswert, wie ein Mensch so viele Jahre getrieben sein kann. Er hat einfach bis zum Umfallen weitergemacht. Selbst sein Tod hat ihm nix anhaben können.

Waren da nicht Drogen im Spiel?

Das war so eine Schmerzmittelsache. Gegen andere Drogen hat er sich ein Leben lang ausgesprochen. Er war bei den Zeugen Jehovas und durfte sich aus religiösen Gründen nicht an der Hüfte operieren lassen. Deshalb die vielen Schmerzmittel.

Vielleicht müssen große Künstler tragisch abtreten.  

Da sind wir wieder bei der Vita. Der Vita ist es zuträglich in einer Künstlerlaufbahn, so abzutreten.

Willst du noch was sagen, Norbert?  Zwei Zeilen haben wir noch.

Da bring ich meine Botschaft an den Mann. Kommt’s zu meinen Konzerten!

DER VOLLBLUTMUSIKER

Norbert Schneider
Foto: KURIER/Franz Gruber

Norbert Schneider, 37,  wuchs als  mittleres von fünf Geschwistern  in Prottes im Weinviertel  auf. Als Kind spielte er auf eigenen Wunsch sieben Jahre Violine, später stieg er autodidaktisch auf  Gitarre um und brach für seinen Traum, Musiker zu werden, die Schule ab.  Nach zehn Jahren im musikalischen Untergrund machte sich sein Mut bezahlt.  Schneider gewann 2010 den „Ö3 Soundcheck“ und landete mit der Single „Take It Easy“ in den Charts.  In der Kategorie Jazz/World/Blues gewann er  zwei Amadeus Awards. Lob  erhielt  Schneider auch für sein aktuelles Album „Neuaufnahme“, eine Hommage an Georg Danzer. Ab März nimmt Schneider, der seit einigen Jahren liiert ist,  an „Dancing Stars“ teil.

Tourdaten im Juni:

6.6.: Velden, Casineum. 7.6.: Rum, FoRum. 8. 6.: Linz, Rosengarten,

9.6.:  St. Pölten, VAZ. 15.6.: Graz,  Orpheum. 16.6.: Eisenstadt, Kulturzentrum. 

www.norbertschneider-music.com

(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?