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freizeit
12/28/2019

Neo-Opernball-Moderatorin Vogl: "Jeder Mensch will gesehen werden“

Teresa Vogl gilt als neues Kultur-Gesicht des ORF und wird erstmals den Opernball moderieren. Wer ist die Nachfolgerin von Barbara Rett?

von Barbara Reiter

Treffpunkt Palmenhaus: Zwischen all dem Grün sticht Teresa Vogl heraus, denn ihr Haar ist rot und ihr Kleid, perfekt abgestimmt auf die Mähne, violett. Vogl trägt ein Vintage-Kleid im Stil der 1940er-Jahre, eine ihrer Leidenschaften seit sie 15 ist. Das violette Kleid und ihr Haar ergeben ein „Match“, wie Tinder meinen würde. Kultur-Aficionados kennen die 36-Jährige bereits seit Längerem. Auf Ö1 moderiert sie seit 2010 die Sendung Pasticcio, seit 2016 ist sie auch im ORF-Fernsehen präsent, wo sie die Sendereihe "Kultur aus der Voglperspektive" im Studio 2 präsentiert. Am 20. Februar 2020 wird Vogl live von einem Millionenpublikum zu sehen sein. Denn dann tritt Teresa ohne h im Vor- und e im Nachnamen, in die Fußstapfen von Kulturlady Barbara Rett. Bei Kommentaren zur Übernahme der Opoernball-Moderation von ihrer Vorgängerin, gibt sich Vogl verhalten. Man merkt: Sie möchte keine Fehler machen. Dennoch fragen wir nach.

Frau Vogl, Ihre Vorgängerin Barbara Rett hat die Latte in der Kulturberichterstattung hochgelegt. Haben Sie Respekt vor der Opernballmoderation?

Teresa Vogl: Natürlich habe ich Respekt vor so einer ehrenvollen Aufgabe, es überwiegt aber eindeutig die Freude. Frau Rett ist eine Ikone der Kulturberichterstattung. Ich schätze es ungemein, wie sehr sie die österreichische Kulturlandschaft geprägt hat, ich bin ein großer Fan.

Trotzdem wurde sie nun abgesetzt. Ist es der Lauf der Dinge, dass bestimmte Tätigkeiten ein Ablaufdatum haben?

Nach 14 erfolgreichen Jahren wird Frau Rett den Opernball 2020 mit einem Gläschen Sekt von zuhause aus genießen. Außerdem bleibt sie natürlich das Kulturgesicht von ORF III und wird auch in ORF 2 weiterhin Kulturübertragungen präsentieren.

Beim Opernball 2019 haben 1,4 Millionen Menschen zugesehen. Das heißt: 2,8 Millionen Augen richten sich 2020 auf Sie.

Ich denke nicht an die Million Zuseher, sondern versuche maximal, einzelne Personen anzusprechen. Außerdem spiele ich beim Opernball nicht die Hauptrolle. Als Moderatorin habe ich die Aufgabe, die Gäste gut zur Wirkung zu bringen. Ich bin auch keine aktuelle, kritische Berichterstatterin, die jemanden konfrontieren muss.

Kritische Fragen sind aber meistens die spannenderen.

Das stimmt natürlich, aber es ist etwas anderes, ob man einem Politiker in der ZIB 2 gegenübersitzt oder wie in meiner Beitragsserie „Kultur aus der Vogl-Perspektive“ einen Künstler zuhause besucht und mit ihm dort über seine Projekte spricht.

Sie werden den künftigen Staatsoperndirektor Bogdan Roščić also auch nicht auf Themen aus seiner Vergangenheit ansprechen – Ö3 zum Beispiel?

Ich kann mir schon vorstellen, ihn nach Parallelen zwischen Ö3 und der Staatsoper zu fragen. Grundsätzlich sollte man einen Staatsopernchef aber nicht nur auf seine Position in der Vergangenheit reduzieren. Es gibt sicher genug zu besprechen.

Ich denke nicht an die Million Zuseher, sondern versuche maximal, einzelne Personen anzusprechen. Außerdem spiele ich beim Opernball nicht die Hauptrolle.

Angeblich waren Sie schon als Kind kulturinteressiert. Das ist nicht selbstverständlich. Wer hat Sie geprägt?

Meine Oma war eine kulturell interessierte Frau und hat für mich immer ein gewisses Savoir-vivre verkörpert. Sie hatte im Staatstheater St. Pölten, wie es damals geheißen hat, ein Operetten-Abo. Für mich war es das Schönste, wenn sie mich mitgenommen hat. So habe ich die größten Kostümschinken der Operette in traditionellen Inszenierungen gesehen. Diese Eindrücke haben das Theaterfeuer in mir geweckt.

Sind Sie später auch selbst auf der Bühne gestanden?

In meiner Schulzeit habe ich am Konservatorium für Kirchenmusik gesungen und wurde in der 6. oder 7. Klasse für eine Saison ans Theater in St. Pölten engagiert, wo ich den 2. Knaben in der „Zauberflöte“ gespielt habe. Ich habe acht Jahre Klavier gelernt und vier Jahre Gesang studiert.

Dann wären Sie ja prädestiniert für weitere Rollen gewesen.

Ich hatte tatsächlich mehrere tragende Rollen an der Wiener Staatsoper, wo ich als Kammerstatistin Gegenstände von A nach B getragen habe. Das hat sich ergeben, weil in einer meiner ersten Univorlesungen, Ioan Holender (Anm.: ehem. Staatsoperndirektor) eine Einführung in die Staatsoper gegeben hat. Da dachte ich mir, dass dort sicher Sänger in Ausbildung benötigt werden. Daraus wurden neben meinem Studium der Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften acht Jahre Komparserie.

Was haben Sie dabei gelernt?

Es war interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich die Regisseure arbeiten und wie sich die Stars auf ihre Auftritte vorbereiten. Einige brauchen Beistand, andere nur ein Glas Wasser. Besonders beeindruckt hat mich, wie Elĩna Garanča einmal kurz vor ihrem Auftritt mit ihren Kindern gespielt hat und wenig später im Scheinwerferlicht als „Carmen“ auf der Bühne gestanden ist.

Ist der Kulturbetrieb teils wirklich so abgehoben wie es manchmal heißt?

Das mag das Image der Kultur, sein, mein Zugang ist aber, dass man Kultur von der Emotion und vom Herzen angehen muss. Ich mache vor den öffentlichen Proben der Wiener Philharmoniker Einführungsvorträge mit sehr gemischtem Publikum – vom 14-jährigen Schüler bis zum Philharmoniker-Aficionado, der keine Probe versäumt. Dabei habe ich gelernt, wie wichtig es ist, guten Kontakt zum Publikum aufzubauen und während des Sprechens dessen Reaktionen wahrzunehmen. Mittlerweile weiß ich, dass ein prüfender Blick nichts Negatives bedeuten muss, sondern die Zuhörer nur konzentriert sind.

Man darf sich also trauen, sich der manchmal abgehoben wirkenden Kultur auch als Laie nähern?

Ich glaube, dass Kunst zur Rezeption keine Vorerfahrung braucht. Das Einzige, was man braucht, ist der Mut, sich Kunst auszusetzen. Es kann Menschen immer wieder Überwindung kosten, in die Staatsoper oder in ein Museum zu gehen, aber es zahlt sich aus. Kunst kann berühren, egal ob man etwas darüber weiß oder nicht, und wenn es einen nicht berührt, dann ist es auch in Ordnung.

Bei der „Air“ von Bach fließen bei mir immer die Tränen.

Dann berührt Sie das.

Ich war schon 14 Mal am Opernball. Deshalb hat er für mich auch nicht diesen großen Nimbus.

Wie gelingt es Ihnen eigentlich, sich die teils komplizierten Namen von Klassikwerken zu merken?

Natürlich bin ich kein wandelndes Lexikon, aber ich bereite mich auf Moderationen immer sehr gut vor. Ich lese mich ein und versuche, neue Aspekte zu einem Thema zu finden. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass auch mein persönlicher Horizont erweitert wird.

Modisch haben Sie das bereits geschafft. Sie tragen Vintage. Welches Jahrzehnt liegt Ihnen am meisten?

Die 20er-Jahre finde ich spannend, vor allem den freigeistigen Esprit, der damals in Städten wie Wien und Paris geherrscht hat. Wenn ich mich modisch für ein Jahrzehnt entscheiden müsste, wären es aber die 40er-Jahre, auch, wenn das Leben der Menschen in Europa zu der Zeit alles andere als angenehm war.

Was ist mit zeitgenössischer Mode?

Vivienne Westwood ist für mich eine Pionierin und modegeschichtlich eine relevante Person. Sie hat es geschafft, sich immer wieder zu erneuern, ohne ihren Stil zu verleugnen – und war eine absolute Vorreiterin in der Nachhaltigkeitsbewegung, die schon früh dazu aufgefordert hat, weniger zu konsumieren und zu kaufen, obwohl sie selbst Teil der Industrie ist.

Westwood zu tragen, ist etwas für eher mutige Menschen.

Viele ihrer Stücke sind im Alltag nicht tragbar, aber einzelne Teile sind spannend und ‚edgy‘. Westwood ist halt ein Statement. Ich habe auch ein Kleid von ihr, das ich getragen habe, als sie bei der Europäischen Kulturpreisgala in der Staatsoper im Oktober ausgezeichnet wurde.

Wie trägt man Vintage, ohne verstaubt zu wirken?

Nur Vintage zu tragen wäre auch wieder langweilig. Die Kombination mit modernen Elementen macht es aus. Ich habe als 15-Jährige begonnen, auf Vintage-Märkten Kleider zu sammeln, weil mir Individualität immer wichtig war. Kleidung ist Ausdruck der Persönlichkeit und eine wichtige Form der Kommunikation. Es ist schön, sich an einem Tag normal anzuziehen und am nächsten ein bisschen extravaganter.

Haben Sie sich als Kind gerne verkleidet?

Meine Mutter erzählt mir öfter, dass ich schon im Kindergarten jeden Tag eine andere Person verkörpert habe und auch den ganzen Tag als diese Person angesprochen werden wollte. Das Eintauchen in verschiedene Welten lag mir schon damals.

Jetzt steht Ihnen die Opernballwelt bevor. Werden Sie den Rummel genießen, der sich bis dahin um Ihre Person aufbauen wird?

Ein bisschen Medienrummel um den Opernball gehört dazu. Ich sage jetzt auch nicht zu allem Nein, wie zum Beispiel zum Interview mit Ihnen. Die Aufmerksamkeit wird aber spätestens im März oder April auf natürliche Art abebben.

Wie oft haben Sie den Opernball eigentlich schon besucht?

14 Mal! Ich war schon oft Teil des Geschehens und habe deshalb auch keine Berührungsängste mit dem Ball.

Sie sind also ein echter Opernball-Fan?

Das ist einfach ein Traum für alle Damen, die gerne auf Bälle gehen. Man macht sich hübsch, überlegt, welches Kleid man anziehen soll. Es ist auch ein exzeptioneller Moment, weil man Sachen tragen kann, die man im Alltag nicht anhat. Dass jetzt noch eine Fernsehmoderation dazukommt, ist ein schöner Anlass.

Wen hätten Sie am liebsten vor dem Mikro?

Designerin Vivienne Westwood oder Performance-Künstlerin Marina Abramovic.

Abramovic saß einmal mehrere Monate im New Yorker MoMa auf einem Sessel Menschen wie Du und Ich gegenüber und hat sie einfach nur angeschaut. Wie haben Sie das empfunden?

Ich fand es spannend, wie jemand mit einer so archaisch einfachen Idee, eine extrem große Wirkung in der Öffentlichkeit erzielen kann. Sie hat die Leute wahrgenommen und ihnen in die Augen geschaut. Für mich war das ein Reduzieren auf den maximalen Moment, auf das Ursprünglichste – den Blick in die Augen des Gegenübers. Ich glaube, dass jeder Mensch gesehen werden will. Es ist ein Grundbedürfnis. Es war eine medienwirksame, aber auch berührende Performance – so etwas wie die Essenz der Begegnung.

Frau Vogl, was wünschen Sie sich für die nächste Zeit?

Ich hoffe natürlich, dass der Opernball glatt über die Bühne geht. Und ich hoffe auch auf persönliche Weiterentwicklung. Es soll den Menschen, die ich liebe, gut gehen und jeder soll sein persönliches Glück finden. Und es muss immer etwas passieren und etwas vorwärts gehen, im Beruflichen wie im Privaten.

Teresa Vogl, 36, wurde 1983 in St. Pölten geboren und  ist dort aufgewachsen. Teresa begleitete   ihre Oma, Besitzerin eines Operetten-Abos, schon als Mädchen gerne ins Theater, um   jede Operette zu sehen. So wurde die Leidenschaft zum Theater in ihr  geweckt. Vogl lernte acht Jahre Klavier,  absolvierte eine klassische Gesangsausbildung und wurde  in   der St. Pöltner Dommusik musikalisch sozialisiert. Sie sang in Ensembles und Chören und war auch  als Kantorin tätig.  Später studierte sie  Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaft in Wien und Paris. 2010 begann die begeisterte Radfahrerin bei Ö1  und ist regelmäßig in der Sendung „Pasticcio“ zu hören. Seit 2016 arbeitet sie auch für die TV-Kultur, macht Operneinführungen und moderiert Live-Übertragungen. Vogl ist Mutter einer Tochter (6) und mit einem Musiker verheiratet. Er spielt bei ihr zwar die erste Geige, „ist aber kein Geiger“. Mehr will  sie nicht verraten. Am 20. Februar 2020 wird sie als Kulturlady am Opernball zu sehen sein.

www.teresa.vogl.at

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