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freizeit
09/16/2013

Multimedia: Star der Woche

von Andreas Bovelino

Gregory Porter sitzt mir in der Bar des Hotels „Triest“ gegenüber. Ein Mann wie ein Kleiderschrank. Mit der Seele eines Dichters. Den Manieren eines Gentleman. Und einer Samtstimme, die mir beinahe die Tränen in die Augen treibt, als er gegen Ende unserer Unterhaltung a cappella einige Zeilen seiner Songs vorsingt. „Brown Grass“, „No Love Dying“, den Ohrwurm „Hey Laura“ und „When Love Was King“, das er für seinen neugeborenen Sohn geschrieben hat, für dessen Zukunft er sich eine bessere, gerechtere Welt wünscht. Porter selbst ist im kalifornischen Bakersfield der 1980er-Jahre aufgewachsen und kennt die Abgründe menschlicher Intoleranz. Seine Familie war die einzige schwarze in einer weißen Nachbarschaft. Immer wieder wurden Wassermelonen, manchmal auch mit Urin gefüllte Bierflaschen durch die Fenster geworfen, einmal sogar ein brennendes Kreuz im Garten aufgestellt. Die Eltern seiner weißen Freundin ließen sie nicht mit ihm auf den Schulball gehen. „Trotzdem hatte ich eine schöne Kindheit“, sagt Porter und lächelt. Wofür er vor allem seiner Mutter, einer Priesterin, dankbar ist. „Sie war eine starke Frau. Von ihr hab ich gelernt, dass ein Mensch überall zu Hause sein kann, niemand kann ihm das verbieten. Und, dass keiner über oder unter einem anderen steht.“ Und singen, das hat er auch von seiner Mutter gelernt. Trotzdem sah vorerst alles nach einer Sportkarriere aus. Porter bekam ein Football-Stipendium der Uni in San Diego und zählte zu den vielversprechenden Linebackern seines Jahrgangs. Bis eine schwere Verletzung ihn stoppte. Während seiner fast einjährigen, schwierigen Genesung starb Porters Mutter an Krebs. „Zu der Zeit war Musik mein einziges Heilmittel.“ Seine grammynominierte Debüt-CD veröffentlichte er allerdings erst mit 39. Warum? Porter spielte zwar viel in Jazz-Clubs, brillierte aber auch jahrelang im Musical „Nat King Cole and me“, lernte Kathleen Battle kennen, interessierte sich mehr und mehr für Oper und Theater, schrieb Drehbücher, könnte sich durchaus vorstellen, mal einen Film zu drehen und ein Duett mit den von ihm hoch verehrten jungen Songwriterinnen Lianne Le Havas und Laura Mvula zu singen. „Jazz, Soul, Gospel – es geht ums Songwriting. Ich mag den Spirit“, sagt Porter, der selbst oft mit dem großen Soulsongwriter Bill Withers verglichen wird. Jetzt hat er aber erst einmal seine fantastische dritte CD Liquid Spirit herausgebracht. Mehr dazu nächste Woche.

Das Spiel

MADDEN NFL 25

Down, set – hut! Es geht endlich wieder los, in den USA kämpfen 32 Teams um jeden Yard und die Herren Reiterer und Eschlböck begleiten uns mit einem Live-Spiel pro Woche auf Puls4 durch die Saison. Sehr schön. Aber noch lange nicht genug! Zum Glück gibt’s grad rechtzeitig die Jubiläums-Ausgabe des besten Football-Spiels für meine Xbox. Packende Atmo, unglaublich lässige neue Moves der Runningbacks, coole Grafik. Ich geh mit den Saint Louis Rams ins Rennen. Weil’s keinen klasseren Defense Liner gibt als Chris Long. Hin und wieder daddel ich aber auch mit den Raiders, Falcons (Flacco ruuules!) und den Packers. Gregory Porters Lieblingsteam sind übrigens die New York Giants. Na gut, gar keinen Fehler soll der Mann haben? (EA)

Bovelinos Playlist

THE JULIE RUIN: Oh Come OnKathleen Hanna und ihre Mädels geben ordentlich Gas. Girls-Punk aus Brooklyn. Heiß.

ANNA CALVI: Eliza – Endlich ein neuer Song der großartigen Drama Queen aus Twickenham, UK. Großes Kino.

PRINCE: Dreamer – Feinster Funkrock vom Meister aller Klassen. Zwei Jahre alt – noch immer rattenscharf.

CURVE: Missing Link – Zu Unrecht völlig vergessene Elektrorocker aus London. Werdet ihr hier noch öfter hören.

CHVRCHES: Lies – Superklasser 80ies-Stampfer der Pop-Durchstarter aus Glasgow. Kann ich gar nicht genug von kriegen.

SOLANGE: Losing You – Beyoncé Knowles’ kleine Schwester ist die wahre R’n’B-Prinzessin. Unwiderstehlich.

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