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freizeit Mode & Beauty
01/27/2021

Secret Watch: Wer heute noch Uhren mit verstecktem Ziffernblatt kauft

Einst trugen Frauen Uhren mit kaum sichtbarem Ziffernblatt. Warum sich heute auch Männer dafür begeistern.

von Maria Zelenko

Satte 800 Arbeitsstunden benötigte eine der aktuell exklusivsten Anfertigungen aus dem Hause Piaget: ein Armreif mit 491 farblosen Diamanten in 69 Größen und zwei äußerst seltenen fünfkarätigen gelben Diamanten versehen. Nur bei genauem Hinsehen zeigt sich die eigentliche Funktion des Schmuckstücks namens „Exquisite Moments“. Im Inneren verbirgt sich ein Uhrwerk, außen befindet sich ein kaum wahrnehmbares Ziffernblatt – eine sogenannte Secret Watch.

Es handelt sich hierbei nicht um eine modische Spielerei, sondern ein Stück Geschichte. Das Konzept der Secret Watch stammt aus einer Zeit, in der es für Frauen als unangemessen galt, in der Öffentlichkeit auf die Uhr zu blicken. Dabei waren sie diejenigen, die laut Überlieferungen als Erste die Zeit am Handgelenk trugen – und nicht, wie so oft behauptet, Männer.

Männersache

„Es heißt, dass das weltweit erste Schmuckstück, das ein Uhrwerk enthielt und für das Armgelenk vorgesehen war, ungefähr im Jahr 1575 als Geschenk für Queen Elizabeth I. angefertigt wurde“, sagt Petros Protopapas, Head of Brand Heritage bei Omega, im KURIER-Gespräch. „Erst während des Zweiten Burenkriegs und des Ersten Weltkriegs erkannten auch Männer, in diesem Fall Soldaten, den Wert einer Armbanduhr.“

Statt Zeit mit dem Griff nach der Taschenuhr zu vergeuden, genügte nun ein schneller Blick auf das Handgelenk. Heimkehrer machten die Armbanduhr zum Trend, was Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich dazu führte, dass sie plötzlich zur Männersache wurde. Protopapas: „Es stimmt, dass es in gewissen Teilen der High Society als unhöflich galt, wenn eine Frau mit gewissem Status während eines Empfangs, eines Dinners oder einer Party auf ihre Uhr sah.“

Die Secret Watch war somit eine Möglichkeit, dennoch im Bilde zu sein, was die Uhrzeit anbelangte. Im Zuge des Art déco flaute der Trend zur versteckten Uhr immer weiter ab – ganz von der Bildfläche verschwand sie jedoch nie. In den vergangenen Jahren zeigten sich Promis manchmal mit einer alten Secret Watch auf dem roten Teppich – beispielsweise Nicole Kidman im Jahr 2014 während der Filmfestspiele in Cannes. Modelle wie jenes produziert Omega nicht mehr, bei Piaget jedoch pflegt man bis heute diese Kunst der Uhrmacherei.

Sammlerstück

Warum? „Natürlich nicht, um darauf die Uhrzeit abzulesen“, sagt Christophe Bourrié, Piagets High Jewelry Global Direktor für außergewöhnliche Kreationen. „Sondern, weil es ein sogenanntes High-Jewellery-Piece ist, hinter dem sehr viel Kreativität steckt.“ Secret Watches seien die perfekte Symbiose von Haute Joaillerie und Uhrmacherkunst. Deshalb will die Schweizer Luxusmarke auch künftig nicht auf ein bis zwei solcher Spezialanfertigungen pro Kollektion verzichten.

Wer solch hochpreisige Einzelstücke kauft, bleibt in den meisten Fällen lieber anonym. Diese werden nicht an die Filialen geliefert, sondern zuerst der besten Kundschaft des Hauses angeboten. Noch ist die neueste Kreation „Exquisite Moments“ nicht verkauft, lange dürfte es jedoch nicht mehr dauern.

Christophe Bourrié: „Wir kennen einige Personen, die interessiert sein könnten.“ Frauen machen 99 Prozent der Kundschaft aus, in diesem Fall könnte jedoch ein Mann zuschlagen. „Das ist sehr selten. Er hat bereits viele Secret Watches gekauft, sammelt sie mit Leidenschaft.“ Sollte er in diese Uhr investieren, bedeutet das aber: Sie wird auch künftig nicht getragen werden.

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