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freizeit Mode & Beauty
07/14/2020

Regenjacke statt Abendkleid: Wie sich Givenchy & Co. verjüngen

Neue Designer wie Matthew Williams bringen frischen Wind in die französischen Modehäuser.

von Christina Michlits

Audrey Hepburn mit Diamant-Collier und im perfekt geschnittenen schwarzen Abendkleid: So hat sie in dem Kultstreifen „Frühstück bei Tiffany“ aus dem Jahr 1961 Film- aber auch Modegeschichte geschrieben.

Das berühmt gewordene Kleid wurde von Givenchy entworfen. Leinwand-Ikone Hepburn erklärte allen Filmstudios frech, dass sie ausschließlich Mode von Hubert de Givenchy tragen wolle. Neben seiner engen Freundin Hepburn kleidete der französische Designer auch Stilvorbilder wie Jackie Kennedy oder Grace Kelly ein und stand wie kein anderer für den Pariser Chic.

Und heute? Übernimmt ausgerechnet Streetstyle-Experte Matthew Williams die Kreativ-Leitung des französischen Luxushauses. Williams, der in der kalifornischen Skaterszene sozialisiert wurde, ist für seine martialische Optik bekannt. Unter seinem eigenen Label Alyx zeigte er Baggy-Hosen mit riesigen Taschen, vielen Gürtel-Schnallen und derbe Stiefel.

Neue Ära bei Givenchy

Vielleicht imponieren dem LVMH-Konzern, der Givenchy innehat, aber auch die wichtigen Kontakte des 34-Jährigen. Denn der volltätowierte Designer beschreibt keine Geringeren als Einflussgröße Kanye West oder Louis-Vuitton-Herrendesigner Virgil Abloh als „Familie“, war Kreativdirektor von Lady Gaga und zieht mit Topmodels wie Bella Hadid um die Häuser.

Für Givenchy beginnt mit dem coolen Typen aus Chicago also ein völlig neues Kapitel. Für einige Jahre hatte der Italiener Riccardo Tisci die antiquierte Marke zwar schon erfolgreich entstaubt, seit seinem Abgang im Jahr 2017 wurde jedoch bereits drei Mal der Chefdesigner gewechselt, man steckt im Selbstfindungsprozess fest.

Jetzt aber soll’s Williams richten und vor allem junge einflussreiche „Fashiongören“ anlocken – ganz nach der Erfolgsstory von Hedi Slimane für Yves Saint Laurent. Er hatte die französische Konkurrenz-Marke vor acht Jahren radikal verjüngt. Slimanes extrem sexy Ausgehkleider verdoppelten den Umsatz während seiner vierjährigen Amtszeit, dann aber verließ er die Marke und werkt nun bei Celine.

Auch Demna Gvasalia zeigt bei Balenciaga vor, wie man ein sündteures Label in der Jugendkultur mit klobigen Sneakers und Riesen-Regenjacken beliebt macht. So populär und begehrt, dass der deutsche Rapper und Instagramstar Ufo361 der Marke einen ganzen Song widmete.

Nur Dior mag es bieder

Ein weiteres Pariser Luxushaus will gerade auch wieder etwas Pepp in die Bude bringen. Dafür hat man bei Louis Vuitton dem Designer der Frauenabteilung, Nicolas Ghesquière, kürzlich Johnny Coca zur Seite gestellt. Der Ex-Chef von Mulberry soll die Handtaschen und Accessoires von Vuitton wieder trendy machen – ebenso wie die prominenten Fans Billie Eilish oder Rapperin Cardi B, die es protzig mag, um nicht zu sagen trashig.

Ganz bieder dagegen agiert Maria Grazia Chiuri für Dior. Die neue Kampagne, in der Hollywoodstar Jennifer Lawrence in hochgeschlossenen, taillierten Kleidern zu sehen ist, erinnert an den braven Hausfrauenstil der Fünfzigerjahre. Ganz falsch liegt Dior mit diesem Style aber nicht, gilt doch die Jugend von heute als so spießig wie lange nicht.

Ob Williams mit seinen Streetstyle-Outfits für Givenchy oder Chiuri mit ihren Bieder-Looks erfolgreicher ist, wird sich bald an den Umsatzzahlen der Marken bemerkbar machen, die beide aber ohnehin in dem weltweit führenden LVMH Luxuskonzern vereint sind.

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