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freizeit Mode & Beauty
10/01/2020

Peace Silk: Diese neue Seide müssen Modefans jetzt kennen

Konventionelle Seidenproduktion ist ein schmutziges Geschäft – doch es geht auch anders.

von Maria Zelenko

Der Blick auf die Materialzusammensetzung zeugt zunächst von höchster Qualität: 100 Prozent Seide gilt für Modefans nach wie vor als purer Luxus. Wie diese entsteht, ist jedoch wenig glamourös.

Schon das alte China kannte Seide, dort ist bis heute der Großteil der Produktion angesiedelt. Unzählige Seidenspinner werden in riesigen Farmen gehalten, um die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser zu gewinnen. Die Raupe des Seidenspinners spinnt einen schützenden Kokon, aus dem später das luxuriöse Material hergestellt wird. Normalerweise würde die Raupe eine Transformation zum Falter durchlaufen. Doch dazu kommt es nicht. Um zu verhindern, dass das Tier beim Schlüpfen den langen Seidenfaden durchbeißt, werden die verpuppten Raupen in kochend heißes Wasser geworfen.

Respekt vor dem Tier

„Es handelt sich weder um einen respektvollen Umgang mit dem Tier noch der Umwelt“, sagt Designerin Laura Sänger, die sich mit ihrem Label La Katz auf luxuriöse Seidenmode spezialisiert hat, im KURIER-Gespräch. „Denn die Farmen verwenden zusätzlich unzählige Pestizide, um bessere Erträge zu erzielen.“

Bei der konventionellen Produktion kommen später zusätzlich giftige Metalle zum Einsatz, um das Material schwerer und griffiger zu machen. Für die Wiener Modemacherin keine Option. Sänger gehört zu jenen Designern, die ausschließlich auf sogenannte Peace Silk, also gewaltfreie Seide, aus Indien setzen. Für die Gewinnung dieser dürfen die Raupen den kompletten Lebensprozess durchlaufen. „Es werden keine Pestizide eingesetzt und sie können sich zu Faltern entwickeln“, erklärt die 30-Jährige. Ein deutlich aufwendigerer Prozess: Da der Faden dadurch zu Bruch geht, muss er anschließend zeitintensiv geflickt werden.

Auch das deutsche Label Moonchild, welches Kissenbezüge aus Seide anbietet, und die dänische Modemarke Blanche haben sich für die nachhaltige Variante des edlen Stoffs entschieden.

Und wie sieht es mit der Beautybranche aus? Schließlich ist Seide nicht nur für ihre temperaturausgleichende Wirkung und hypoallergenen Eigenschaften in der Mode bekannt. Auch die Kosmetikbranche weiß um ihr Potenzial. Die japanische Luxus-Beautymarke Sensai setzt auf die Seidenmoleküle der Koishimaru-Raupe. Sie gelten als wahrer Anti-Aging-Booster, da sie wie kleine Schwämmchen wirken – und dadurch das Vielfache ihres Gewichts an Feuchtigkeit speichern können.

Da für Sensais Seidengewinnung keine ganzen Fäden oder intakte Kokons benötigt werden, dürfen auch hier die Raupen schlüpfen.

Neues Bewusstsein

Für die Modewelt wünscht sich Laura Sänger künftig ein neues Bewusstsein für hochwertige Materialien. „Da Seide nach wie vor ein sehr teurer Rohstoff ist, verbinden ihn die meisten Menschen mit einem ebenso anspruchsvollen Herstellungsprozess“, sagt die Wiener Designerin.

„Kaum jemand fragt nach der Entstehungsgeschichte eines Kleidungsstücks. Weil die Mode heutzutage mit so vielen Bildern aufgeladen wird, die rein gar nichts mit ihrer Produktionsweise zu tun haben, wird das eine vom anderen komplett entkoppelt. Meist wird nur die Schönheit der fertiggestellten Kreation gesehen. Und das ist sehr schade.“

„Man muss Seide wie Kaschmir behandeln“, sagt Designerin Laura Sänger. Heißt: Sie soll nicht nach jedem  Tragen gewaschen werden,  wenn  das Kleid oder die Bluse nur für ein Abendessen angezogen wurden und man kaum geschwitzt hat.  „Lieber kurz zum Lüften ins Freie hängen“, empfiehlt die Expertin.

Nach mehrmaligem Tragen gilt sowohl für Handwäsche als auch Waschmaschine im Schongang (bei 30 Grad im Wäschesack): Spezielles Seidenwaschmittel ist Pflicht, um die Fasern nicht zu beschädigen. Handgewaschene Stücke kurz in ein Handtuch rollen und dann im Liegen trocknen lassen.  

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