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freizeit Mode & Beauty
02/15/2020

Meister der Mode: Von Armani zum eigenen Modelabel

Man möchte Arthur Arbesser Rosen streuen: aktuell für die "Rosenkavalier"-Kostüme und sein eigenes Modelabel.

von Brigitte R. Winkler

Zeit! Hat Arthur Arbesser überhaupt Zeit für ein Interview? Kaum angefragt, kommt die Zusage per WhatsApp prompt zurück.

Was schafft dieser Mann noch alles? Zuerst legte er ein erfolgreiches Modestudium am renommierten Saint Martins College in London hin. Dann nahm ihn gleich Giorgio Armani unter seine Fittiche. Sieben Jahre lang arbeitete Arthur für die Mode-Ikone. Wurde immer weiter nach oben befördert. Und wollte doch sein eigenes Ding machen. Arthur: „Bei Armani das war großartig. Aber ich wollte einfach zu 100 Prozent meine Vorstellungen von Mode umsetzen können.“

Kaum hatte er sein eigenes Label gegründet, wurde seine Arbeit in den höchsten Tönen gelobt. Kein Wunder, dass es immer mehr Anfragen nach Mitarbeit gab und gibt. Zuerst von Iceberg, dann von Fay, von Silhouette ... Bei der KURIER-Jubiläums-ROMY trugen drei Mädchen seine rote Roben, am 1. Jänner 2019 die Balletttänzer der Wiener Staatsoper seine Kostüme. Und im Oktober 2018 fragte André Heller bei ihm an. Ob er bereit sei, für den „Rosenkavalier“ an der Berliner Staatsoper Kostüme zu entwerfen.

Ich fühle mich extrem mit Oper und Theater verbunden. Das ist als Alternative neben der Mode ein absoluter Glückstreffer. Wenn man mit so viel Qualität umgeben ist, kann das nur bereichernd sein.
(Arthur Arbesser, Modeschöpfer)

Klar sagte Arthur zu. Gehört doch auch die Theater- und Opernwelt quasi von Geburt an zur Welt des Wieners. Arthur: „Ich habe mir schon als kleines Kind genau angeschaut, wenn wir zum Beispiel auf eine Hochzeit gegangen sind, wie die Leute angezogen sind. Dazu kam meine große Leidenschaft für Oper und Bühne. Wie dort die Kostüme wirken, wie sich die Darsteller verhalten. Wie das Licht sich mit dem Stoff verhält, wie ein Darsteller komplett durch ein Kostüm verändert werden kann. Mich begeistert die Kraft der Bekleidung.“ Und so verbrachte Arthur mit Hingabe und Begeisterung Unmengen Zeit mit dem Studium der Sängerinnen und Sänger und dem Entwerfen und Anpassen von rund 130 Kostümen in Berlin.

Ein Festkleid.Für die Oper „Der Rosenkavalier“ arbeitete Arbesser seit Jänner 2019 an rund 130 Kostümen

  Kleid für die Marschallin

Die Skizzen sind von der Wiener Künstlerin Onka Allmayer-Beck

Hugo von Hofmannsthal hat es gewusst: „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“, lässt er die Marschallin in seinem Libretto für die Oper „Der Rosenkavalier“ sinnieren. Eigentlich ist das wunderbare, von Richard Strauss nicht minder großartig vertonte Werk ja eine Komödie in drei Akten. In dem Strauss die wesentlich ältere und verheiratete Fürstin Werdenberg am Morgen fast noch in den Armen ihres wesentlich jüngeren Geliebten, Octavian, über die Zeit singen lässt.

Klimt & Wiener ModerneBeste Übereinstimmung also auch hier mit Arthur Arbesser, der momentan ebenfalls ein Lied davon singen kann: Gerade erst hatte er – am 9. Februar – die Premiere von „Der Rosenkavalier“ in der Staatsoper Berlin hinter sich gebracht. Wie für Heller als Regisseur war es auch Arbessers erste Opernproduktion. Das Bühnenbild kommt von Xenia Hausner, also auch aus Wien, das war André Heller wichtig. Die Malerin hat vor allem in den 1980er-Jahren zahlreiche Opern weltweit ausstaffiert.

Arthur: „Dem André Heller ging es um Schönheit und Ästhetik. Und um das Wien des Jahres 1917. Das haben wir drei voll durchgezogen. Es geht um wunderschöne Farben, da gibt es Gold und Gustav Klimt, die Wiener Moderne und Geometrie, das habe ich ja ein bisschen in meinem Blut und in meiner kreativen Sprache.“ Ganz musste er seine Modeschöpfer-Attitüde nicht vergessen. Im Gegenteil: Für die Szene mit der Übergabe der silbernen Rose durch Octavian an Sophie im zweiten Akt, wollte André Heller, dass ihre anwesenden Freundinnen so gekleidet sind, als wären sie beim besten Wiener Schneider gewesen ...

rbessers Rosenkavalier-Kostüme Szene für Szene auf der Bühne

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Mode in Mailand

Nach der Premiere kehrte Arbesser schleunigst wieder vollkommen in seinen angestammten Beruf und nach Mailand zurück. Blieben ihm noch genau zehn Tage für die nächste Vorführung. Am 19. Februar zeigt er bei der dortigen Modewoche seine neue Herbst-Winter-Kollektion. Und was ist die Idee dahinter? Arthur: „Es geht recht viel um Freundinnen und Freunde von mir, die in Mailand arbeiten. Es geht um Architektur und Möbeldesign. Mehr möchte ich noch nicht verraten.“ Die aktuelle Frühjahrskollektion ist von seiner Großmutter inspiriert. Sie wurde in Siebenbürgen, einer Region in Rumänien, geboren. Besonders die Handbemalungen ihrer transsilvanischen Keramiken haben es dem Enkel angetan. Obwohl Arbesser eigentlich Damenmode entwirft, können viele Garderobeteile mit dem typischen weiß-blauen Muster auch von Männern getragen werden.

FASHION-ITALY-WOMEN-ARBESSER

Inspiration für die aktuelle Frühjahrs-Damenkollektion holte Arbesser sich u.a. von historischen Keramiken:

Wie man sieht, können auch Männer die Modelle tragen.

Wer Arbessers Mode einfach nur bewundern möchte, hat dazu bis Juli im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) Gelegenheit. Einige der unverkennbaren Modelle des Mode-Meisters sind – neben Helmut Lang oder Schella Kann – Teil der Ausstellung „SHOW OFF. Austrian Fashion Design.“, die gerade eröffnet wurde.

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