Im August 2018 war Manuel Feller noch Single, jetzt wird er Papa

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freizeit
06/27/2019

Manuel Fellers größter Sieg: Wie schnell sich das Leben ändern kann

Im August 2018 war Manuel Feller noch Single, jetzt wird er Papa. Was er in der freizeit über Kinder zu sagen hatte.

Herr Feller, sind Sie vergeben?

Derzeit nicht. Das ist nicht so einfach in unserem Job.

Marcel Hirscher zeigt  vor, wie’s geht. Hochzeit, Nachwuchs im Anmarsch ...

Er hat es sich so gerichtet, dass es zu handlen ist. Bei mir ist das momentan schwer unterzukriegen. Aber das soll nix heißen. Ich bin zwar nicht auf der Suche, aber für alles offen.

Was macht ein Skifahrer eigentlich im Sommer? Sagen Sie jetzt bitte nicht trainieren.

Es ist aber so. Ich trainiere fünf Tage die Woche je zwei Mal und mache Therapie. Am Wochenende habe ich Termine und manchmal auch frei.

Sie haben aber noch eine zweite große Passion im Leben: die Musik.

So kann man das sagen. Ich bin in meinem Heimatort Fieberbrunn mit Reggae und Dancehall aufgewachsen (Musikrichtung aus dem Reggae), weil es eine Szene bei uns gegeben hat. Am Anfang habe ich natürlich nicht verstanden, was gesungen wird, aber mit der Zeit festgestellt, dass 99 Prozent der Musik lyrisch sind.

Dancehall gilt teilweise als gewaltverherrlichend. Warum hören Sie es?

Man muss die jamaikanische Kultur kennen, um die Hintergründe der Musik zu verstehen. Ich war vor vier Jahren zum ersten Mal dort. Bei Reggae geht es meistens um Friede, Freude, Eierkuchen. Dancehall reflektiert, was ein normaler Tourist auf Jamaika nicht mitkriegt.

Sie meinen Gewalt?

Genau. 90 Prozent der Touristen bleiben in ihren Hotelkomplexen am Strand mit dem blauen Meer und machen die Bus-Tour ins Bob-Marley-Museum. Aber dass jeden Tag dort Menschen verhungern und sterben, will niemand sehen. Das sind die Themen in der Musik. Man kann sich im Leben nicht alles schönreden.

Das heißt, Sie wohnen nicht im Hotelkomplex, wenn Sie auf Jamaika sind?

Ich mache immer eine Woche Urlaub und eine Woche Nightlife. In Montego Bay wohne ich bei einem Zillertaler, der seit 40 Jahren auf Jamaika lebt und in Kingston bei Freunden.

 

Stimmt es, dass Sie barfuß zur Grabstätte von Bob Marley gerutscht sind?

Es gibt an seinem Grab halt ein paar Auflagen. Schuhe ausziehen, Handy draußen lassen und  mit einer Kerze  um sein Grab gehen. Die Kerze  steht heute noch bei mir zuhause. Bob Marley war für mich der Künstler des Jahrtausends. Er hat weltweit so viele Menschen erreicht wie kein anderer – aus allen Schichten.

Was ist mit  dem Sänger Vybz Kartel, den Sie auch verehren? Er sitzt seit 2014 wegen Mordes im Gefängnis ...

Die Geschichte ist so: Auf Jamaika sind 50 Prozent aller, die einsitzen, unschuldig. Wo Vybz aufgewachsen ist, herrscht  teilweise Krieg und ein Überlebenskampf, bei dem es darum geht, ob man heute oder morgen etwas zu essen kriegt. Kartel ist brutal intelligent und hat mit einem Autor ein  Buch über die Missstände auf Jamaika geschrieben. Er sagt, was er denkt und hat massiv gegen die Politik gekämpft, auch mit seinen Texten. Weil er so lyrisch war und durch seine variierenden Styles hat er auch so viele Leute erreicht.

Um so weniger darf man töten.

Das stimmt, aber warte, jetzt kommen wir auf den Murder-Trail zurück: Als Bob Marley sich damals politisch geäußert hat, ist er am nächsten Tag in seinem Haus angeschossen worden – zehn Mal. Vybz kann man nicht so leicht wegräumen, weil er  Mitglied einer der größten Gangs drüben ist. Aber man kann ihn einsperren. Meiner Meinung nach ist er unschuldig. Er ist sicher kein Guter, aber das kann man dort drüben nicht wirklich sein, weil es ein Überlebenskampf ist.

Wie emotional Sie da plötzlich werden.

Ich verstehe ja, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man das so fanatisch hört, wie ich.  Nehmen wir einmal „187 Strassenbande“  – das ist das Maß aller Dinge in Sachen Deutschrap derzeit. Das ist nicht mein Ding. Kennst du die Band?

123 Straßenbahn? Nein.

187 Strassenbande. Das ist eigentlich der Polizeicode für Mord in Amerika. Damit fängt es an. Die Band hat seit drei Jahren Erfolg und kommt aus Hamburg. Die sehen jetzt, dass sie mit solchen Sachen Geld verdienen können. Wenn die jetzt singen würden „Alles ist so schön“, kriegen sie nur 20.000 Likes und haben nix davon.

Na ja, aber die Kinder, die das hören ...

Das ist Aufgabe der Eltern. Kinder müssen von Anfang an wissen, was soziale Werte sind: Dass ich eine Frau mit Respekt behandle, mir nicht jedes Wochenende was einwerfe oder mich wegsaufe. Ich verurteile solche Lieder, aber man muss sie sehen wie einen Film. Als ich 13 Jahre alt war, hatte ich Zugang zu Horrorfilmen – wie viele Kinder. Damals ist „Saw“ rausgekommen, wo der Reihe nach Leute umgebracht werden. So muss man das einordnen, wie einen Film, auch wenn ich gewisse Songs massiv kritisiere.  

Vor einem Rennen hören Sie nicht „187 Strassenbande“, sondern – Reggae?

Ja, weil ich mich mit der Musik gut steuern kann. Wenn ich zu müde fürs Trainieren bin, brauche ich zwei Lieder und bin wieder da. Das Gleiche gilt fürs Runterkommen. Dann höre ich einen Roots (Anm.: von den spirituellen Ideen der Rastafari-Bewegung geprägter Reggae) und bin entspannt. Das ist für mich wie Meditation.

Noch zweieinhalb Monate bis zum Weltcup-Auftakt in Sölden. Vorfreude?

Momentan bin ich froh, dass ich nur selten Schnee sehen muss.  Vor kurzem haben wir aber in der Skihalle in Hamburg  trainiert. Das Schlimmste sind immer die Skischuhe. Demnächst geht es auch zum Training nach Neuseeland. Mein erster Gedanke ist jedes Jahr: Mah, jetzt geht’s wieder los!  Aber ab dem zweiten Tag ist das Winter-Feeling wieder zurück.  

Was möchten Sie, dass die Menschen aus diesem Gespräch mitnehmen?

Ich möchte das Gespräch mit einer Textzeile aus dem Reggae abschließen: „What do you know if you learn everyday. So be careful a things weh you say“. (Anm.: „Who knows“ von  Protoje) Das passt ganz gut, zum Thema,  über das wir vorher gesprochen haben. Dass man Dinge nicht auf den ersten Blick verurteilen, sondern sich Gedanken darüber machen sollte.