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freizeit
03/16/2021

Macht der Manta-E Opel cool? Pro und Contra zum Kult-Coupé

Zurück in die Zukunft: Gelingt der Schritt ins Morgen mit dem Design von gestern?

von Bernhard Praschl, Florentina Welley

345er-Schlappen an den Felgen, ein Fuchsschwanz an der Antenne und eine blondierte Friseuse am Beifahrersitz. Ja, die starke Ansage für die Halbstarken der 1970er-Jahre konnte einem schon leid tun. Der Opel Manta, der "Sportwagen für die Arbeiterklasse", verkam mit dem Til-Schweiger-Film "Manta, Manta" (1991) endgültig zum Gespött der Gaspedal-Gemeinde. 

Hunderte Manta-Witze später aber soll alles anders, alles besser werden. Auch umweltfreundlicher. Mit dem Opel Manta GSe ElektroMOD versuchen die Rüsselsheimer einen Spagat: neue Technologie mit klassischer Linienführung zu kombinieren. Das Projekt Elektro-Manta ist abgesegnet.

Bis zum Einsteigen wird es noch dauern, aber schon der Ausblick darauf ließ in der Freizeit-Redaktion die Emotionen hochgehen.

E-Radfahrer Bernhard Praschl (Führerscheinprüfung auf Opel Kadett - bestanden im zweiten Anlauf) und Mercedes (alt)-Fahrerin (gut) Florentina Welley treten zum Duell an.

Aber zuvor ein Manta-Witz (einer der guten).

Ein Mantafahrer kommt in Ägypten kurz vor einer Brücke ins Schleudern. Fahrer und Auto landen im Nil. Als ein Krokodil auf ihn zukommt, meint der Mantafahrer: "Bo, geil, ey, Rettungsboote von Lacoste." 

Contra: Der Manta kommt wieder, Hilfe! 

Eine Ablehnung von Florentina Welley

Nicht alles was retro ist auch gut. Wenn auch in Form eines E-Autos nimmt ihm nichts von seinem schlechten Charisma. Zumindest für mich. Selbst wenn ich auch Fan der 1970er-Jahre bin und das Design in Mode und Möbel liebe, aber bitte nicht von Opel.

Was ist das überhaupt für eine Marke? Ich kenne sie nur im Zusammenhang mit Geschmacklosigkeit. Eben vom Manta, diesem Möchtegern-Coupé mit geringer Leistung. 

Warum dann nicht gleich größer, schicker und eindeutiger, wie die Chevrolet-Corvette von 1962. Sie hatte den Namen und das Emblem eines Stingray, eines Stachelrochens, bekommen. Im Vergleich dazu ist der Manta, dessen kleiner Bruder, nur lächerlich. Als  „long nose coupé“-Designer wollte George Gallion damals die von Jacques Cousteau im Roten Meer gemachten Fotos eines Manta-Rochen bei der Karosserie umsetzen. Peinlich misslungen.

Nichts für Frauen

Damals stand im Presstext von Opel Manta: „Schließlich tauchte sein Name auf: Manta – der Flügelrochen. In den Eigenschaften dieses Meerestieres sah man eine Verdeutlichung der Aufgabe dieses Opel-Modells im Automobilmarkt. Man erwartet viel vom Manta, dem Automobil, wie immer, wenn Deutschlands zweitgrößter Automobilproduzent einen neuen Wagen vorstellt!“

Der Manta sollte damit das sportliche Männerauto schlechthin präsentieren. Eben. Frauen fanden ihn wahrscheinlich immer schon hässlich. Selbst wenn es Kultfilme mit diesem Opel Manta gab, spaltet die Diskussion darüber, wer so ein Auto überhaupt fährt, Welten. Dieses kleine geduckte Design, die schmalen Fenster, das Fuchsschwänzchen an der Antenne, die Ellenbogen-Ablage, um bei offenem Fenster die richtige Pose einzunehmen. Peinlich, kleinlich.

Volkssportler für Vokuhila-Männer

Auch die Frisur musste da natürlich stimmen. Vokuhila-Männer am Steuer sind immer peinlich. Man denke daran, dass auch unzählige Manta-Fahrer ihr Heiligtum gerne auftunten. Um dann damit zum Manta-Treffen zu rauschen, Biertrinker unter sich.

In tiefergelegten Mantas mit glanzpoliertem Spoiler konnte man höchstens auf den Parkplätzen der 1970er-Jahre-Discos Eindruck schinden. Warum dann nicht gleich den schnittigen Ford Capri? Der war schicker und der Name passte auch.  Bella Italia bitte!

Nur kein E-Auto vom Rochen! Man stelle sich nur vor, wie dieses Auto der Geschmacklosigkeit tagelang an den Elektro-Zapfstellen geparkt ist. Tiefgelegt mit Spoiler, und statt des Fuchsschwänzchen  ein geiles persönliches Kennzeichen. Oder ein Aufkleber. Oder gar frisch gesprayt mit einem Graffiti eines Volks-Rock`n Rollers oder so ... Ich bleibe lieber bei meinem alten Mercer. Elegant, großräumig und mit Schiebedach, durch das man in den Himmel blicken kann. Mit einem Sitz weit oberhalb der tiefergelegten Geschmacksverirrung.

Pro: Jeder Mann ein Manta-Mann

Eine Ode an Opel, von Bernhard Praschl

Die Erwartungen waren hoch, als Opel 1970, eineinhalb Jahre nach dem Ford Capri, mit einem Sportwagen für alle auf den Markt kam. "Jeder Mann sollte ein Manta-Mann sein", war damals ein Slogan der Rüsselsheimer PR-Abteilung. Und warum auch nicht? Der Golf sollte erst 1974 auf den Straßen fahren. Und der Käfer war einfach eine Schnecke (nur 120 am Tacho!).

Bis 1975 liefen vom Manta A (Bild oben) etwa 500.000 Stück vom Band. Ein Erfolgsrenner. Besonders begehrt waren die Modelle mit schwarzem Vinyldach. Ein erster Hinweis darauf, dass der Manta B, weil vergleichsweise billig, zum Liebling der Tuning-Szene werden würde.

Auch nichts gegen den Autorenfilm. Aber wer rettete das Neue Deutsche Kino Anfang der 1990er-Jahre vor dem Bankrott? Ja, richtig, "Manta, Manta", die "Herbie dreht durch"-Komödie für Gerhard-Berger-Fans.

Der Millionenseller

Eine Million Menschen strömte 1991 in die Kinos, um zu sehen, ob da Bertie (Til Schweiger) im Manta B tatsächlich einen Ferrari verputzt. Das Film-Fahrzeug von damals - breit aufgemotzt bis zum Rande der Peinlichkeit - steht heute in Bonn im Haus der Geschichte. Das macht ihm kein anderer Wagen so schnell nach.

Okay, das Modell B war vielleicht um eine Spur nüchterner als der sportlich-elegante Manta A, aber immerhin ein historisches "Wahrzeichen".

Der Frauenversteher

Und sage keiner, dass der Manta kein Herz für Frauen hatte. Mit Marie Christine "Putzi" von Opel hatte die Unternehmer-Familie sogar eine schillernde Dame vorzuweisen. Als Urenkelin von Adam Opel und Cousine von Gunter Sachs bescherte sie der Automobilmarke auch einen Hauch von Glamour und Jet-Set.  

Aber stimmt schon, der Manta war etwas für Männer, richtige Männer. Selbst, wenn es beim One-Day-Race blieb, wie bei Rallyelegende Walter Röhrl. Der ging 1982 die Westfalen-Lippe-Fahrt in einem Manta 400 mit 280 PS an. Offenbar war die Teilnahme nicht von Erfolg gekrönt, denn ein Jahr danach startete Röhrl für Lancia, bevor er ab 1984 seine größten Erfolge bei Audi feierte.

Für den Manta kam das Aus 1988. Leider. Denn, boah, echt jetzt, wenn schon der Mini, der Beetle und der Fiat 500 gut genug für ein Comeback waren, warum nicht auch der Manta. Das wäre voll Fuchsschwanz, äh, cool! 

 

 

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