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Männer-Trendfrisuren: Der Vokuhila ist zurück und zwar als Mullet

Vokuhila-Comeback: Schreckensnachricht oder Jubelmeldung? Pia Bundy analysiert die Trends des Jahres für Herren.

Vorne kurz, hinten lang: Ganz, ganz lange galt das als die haarige Uniform für Fußballprofis und Kuschelrocker. Bälle und Beats, das gehörte zusammen wie Rudi Völler und Dieter Bohlen, und auch in hiesigen Beisln machte sich die Kultfrisur in ihrer Blütezeit in den Achtzigerjahren gerne breit: vorne in die Stirn frisiert, hinten die Haarmatte auf den Schultern, dazu Dauerwelle – schrecklich schön, schön schrecklich. 

Seit geraumer Zeit feiert der Vokuhila nun ein Comeback, was manchen als wiederkehrende Geschmacksverirrung traumatisiert die Haare zu Berge stehen lässt. Die Gen Z hingegen möchte ungerührt aussehen wie Toni Polster aus einem Panini-Album anno 1989. Oder zumindest fast. 

Sie stylt die Frisur zeitgemäß und hat sie gleich einmal umbenannt: Der Vokuhila heißt jetzt Mullet und ist als Trend selbst in Hollywood angekommen. Auch in den heimischen Salons ist er beliebt und löst gerade den Fade Cut ab (auch bekannt unter: „Seiten auf null“), den junge Männer und jeder Kicker, der etwas auf sich hält, bislang bevorzugt getragen haben.

Mullet ist der neue Vokuhila

Pia Bundy, Geschäftsführerin des Traditionsunternehmens Bundy in Wien, freut das: „Wir Friseure sind happy, dass die Fade- und Undercuts überholt werden von Scherenschnitten, weil da echte Handwerkskunst gefragt ist.“ Der Vokuhila feiere ein großes Comeback, so Bundy, aber nicht wie anno dazumal, als Volumen im Vordergrund stand. 

Heute gelte das Motto „weniger ist mehr“, heißt: Auftoupierte Haarpracht und Ponytails im Nacken sind out, dafür spielt man mit den reduktionistischen Möglichkeiten. Filmstar Drew Starkey etwa kombiniert seinen Micro Mullet mit einem stark texturierten Micro Fringe (siehe Drew Starkey als Artikelaufmacher, oben). Matte Stylingpasten verstärken den leicht zerzausten Undone-Look – den Performative Males in Wiener Bobo-Bezirken gern mit Rotzbremse im Gesicht und Matcha Latte in der Hand kombinieren.

Gentleman oder Rebell, was darf es sein?

Ebenfalls voll im Trend: der Aristo Lid (1), von Vorteil für Männer mit Naturwellen, was weniger Stylingzeit erfordert. „Andere können sich mit einer Perm behelfen, also einer chemischen Behandlung, die dauerhaft Bewegung ins Haar formt – das wird gerade sehr oft in Anspruch genommen“, so Bundy. Haarschaum und Föhnen mit einem Diffuser machen den Look perfekt, Volume-Puder oder Trockenshampoo helfen beim Styling für mehr Textur und Griffigkeit. „Ein toller Gentleman-Look“, weiß Pia Bundy.

Der sehr kurze Buzz Cut (der Name kommt vom Surren des Rasierers) kommt dagegen rauer daher (3). „Der steht seit jeher für Selbstbewusstsein, außerdem ist er perfekt für den Sommer, um einen kühlen Kopf zu bewahren.“ Vom Styling her unaufwändig, alle zwei Wochen wird nachrasiert; wichtig ist eine gesunde Kopfhaut. Bundy empfiehlt Shampoos, die eine starke Talgproduktion unterbinden oder Haut-Tonic mit Anti-Schuppen-Wirkung. Eignet sich besonders für Männer mit markanten Gesichtszügen und hohen Wangenknochen. 

Der Mod Shaggy Style (4) macht da einen viel verspielteren Eindruck. Er empfiehlt sich bei Herren mit dichtem Haar. „Ein Schnitt mit vielen Stufen, den Mick Jagger erfunden hat und der kontinuierlich weiterentwickelt wurde – Bessy, rebellisch, modern.“ Bewegung im Haar – also Natur- oder Dauerwelle – ist auch hier von Vorteil. Lockencremes, Diffuser und Spray Wax helfen. Ein Schnitt, der bei zu feinem Haar nicht funktioniert; dafür Männern zugute kommt, die Geheimratsecken kaschieren möchten und über ausreichend Deckhaar verfügen. 

Er ist ähnlich lässig wie der Wavy 50s Cut (6), „ein Klassiker, inspiriert von Elvis, nur ohne Tolle“, so Bundy. Volumen, Textur, weiche Konturen und Übergänge sind hier gefragt, während der French Crop (5) mit seiner stirnseitig markanten Pony-Partie eher hart auftritt, geeignet für Herren mit ovalen Gesichtern. Und wem das alles zu kompliziert ist, wählt gerne den Crew Cut (7) – oben etwas länger, auf den Seiten kurz und abgestuft. Ein funktionaler Schnitt, praktisch etwa für Fitnessfreunde. Bei der Frisur des Mannes ist wieder vieles möglich – Hauptsache, Mann ist mit Haut und Haar dabei.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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