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Modetrend Lingerie: Sichtbare Unterwäsche als Stilmittel

Dessous werden sichtbar und zeigen sich so selbstverständlich und stilvoll wie nie zuvor.

Von Barbara Zach

Am Valentinstag, einem Datum, das für Intimität, Begehren und Nähe steht, rückt ein Thema besonders in den Fokus: Lingerie. Kaum ein anderer Modebereich spiegelt gesellschaftliche Veränderungen so präzise wider. Was einst verborgen oder normierend war, steht 2026 selbstbewusst im Zentrum des modischen Diskurses. Dessous verlassen den privaten Raum und werden zu sichtbaren Stilmitteln.

Historisch war Unterwäsche jedoch nie neutral: Korsetts und Mieder formten den Körper nach Idealbildern und dienten der Disziplinierung. Zwar wurde Lingerie im frühen 20. Jahrhundert leichter und funktionaler, doch der entscheidende Bruch folgte in den 1980er- und 1990er-Jahren, als Designer wie Jean Paul Gaultier Dessous aus der Intimsphäre lösten und offen als Mode inszenierten. Seither ist Lingerie nicht mehr nur funktional, sondern kulturell aufgeladen.

Starke Dessous

Warum erlebt der Trend gerade jetzt ein neues Hoch? In Zeiten multipler Krisen, digitaler Überforderung und perfektionierter Körperbilder wird der reale, ungefilterte Körper zum Gegennarrativ. Transparenz, Spitze und Satin stehen für Nähe, Verletzlichkeit und Sinnlichkeit – Eigenschaften, die heute als Stärke gelesen werden.

Sichtbare Dessous bedeuten Kontrolle über den eigenen Ausdruck, nicht Anpassung an einen fremden Blick. Diese Haltung prägt auch die Kollektionen 2026. Lingerie wird subtil integriert: Bralettes unter Blazern, Korsetts über Hemden, Bodies zu Tailoring-Hosen. Technische Materialien sorgen dabei für Komfort und Bewegungsfreiheit. 

Life Hack

Wie fühle ich mich sofort begehrenswerter? 

Bewusst gewählte Unterwäsche wirkt Wunder. Denn als erste Schicht auf der Haut setzt sie ein stilles Signal an Körper und Geist. Selbst unter einem Hoodie oder einer Jogginghose wirkt sie wie ein innerer Anker: Die Haltung richtet sich auf und Bewegungen werden ruhiger. Es ist kein sichtbarer Styling-Trick, sondern ein psychologischer Shortcut. Wer sich darunter begehrenswert fühlt, verändert seine Ausstrahlung augenblicklich.

Stilspiel

Wie trägt man den Dessous-Look im Alltag? Diese drei Vorschläge dienen als Inspiration.

Layering

Feine Dessous werden bewusst in das Outfit integriert und als zusätzliche Schicht getragen. Transparente Stoffe, Spitze oder Mesh liegen über oder unter Kleidung und schaffen Tiefe im Look. Entscheidend ist der Kontrast: Zarte Materialien treffen auf klare Schnitte und machen Lingerie zu einem gleichwertigen Bestandteil des Stylings.

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So funktioniert layering. Look von N°21

©Hersteller

Akzent

Hier bleibt Unterwäsche subtil und kontrolliert sichtbar. Ein BH, Panty oder Body zeigt sich nur in Ausschnitten, blitzt an der Schulter hervor oder erscheint dezent am Hosenbund. Der Effekt ist leise, aber wirkungsvoll: Lingerie dient als modischer Akzent, der dem Outfit Spannung verleiht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

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Bei The Attico dient der sichtbare BH als modischer Akzent

©Hersteller

Statement

Dessous werden wie reguläre Tops getragen und klar ins Outfit eingebunden. Hochwertige Materialien und reduzierte Formen sind dabei essenziell. In Kombination mit Tailoring oder minimalistischen Basics entsteht ein selbstbewusster Look, der Lingerie nicht ins Private verbannt, sondern als zeitgemäßes Modeelement etabliert

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In der MICHAEL KORS COLLECTION werden mit Dessous statt regulären Tops Statements gesetzt

©Hersteller

Guter Stoff

Style Bar

Einkleiden wie die ukrainische Profitänzerin Nadiya Bychkova: Wir haben ihren Look bei verschiedenen Marken nachgeshoppt.

“Shelter" UK Premiere at Cineworld Leicester Square

Nadiya Bychkova bei der Londoner Filmpremiere von "Shelter"

©IMAGO/Capital Pictures/IMAGO/Martin Harris/Capital Pictures

Nadiya Bychkova präsentierte sich bei der Londoner Filmpremiere von "Shelter" in diesem Outfit und vermittelte damit kontrollierte Sinnlichkeit und moderne Selbstsicherheit. Der Look kombiniert klares Tailoring mit sichtbar eingesetzter Lingerie und wirkt bewusst reduziert sowie zeitgemäß.

So Geht’s

Ein präzise geschnittener Hosenanzug bildet die strukturierte Basis, während reduzierte Lingerie gezielt sichtbar bleibt. Das Zusammenspiel aus maskuliner Klarheit und femininer Leichtigkeit schafft Balance, und wenige Accessoires halten den Fokus auf der Silhouette.

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