Groupies, Macht, Sex: Warum Backstage heute anders gesehen wird
War das einst wirklich sexuelle Befreiung – oder nur ein neues Drehbuch für alte Macht? Über den Groupie-Mythos, berühmte Männer und den Irrtum, Verfügbarkeit mit Freiheit zu verwechseln.
Es gab einmal eine Zeit, da klang der Begriff „Backstage“ nicht nach Awareness-Team und Machtgefälle, sondern nach dem großen Abenteuer. Motto: Du kommst rein, Mädel, die anderen leider nicht. Da war dieser gewisse Türsteherblick, es floss der Champagner, roch nachLederjacke, einer teuren Suite und der Begegnung mit einer Legende. Dazu dieses berauschende Gefühl, in diesem Moment nicht mehr nur Zuschauerin zu sein, sondern tatsächlich ein Teil der Geschichte. Und ja, natürlich kann man heute leicht sagen: wie naiv, blind und dumm, aber das wäre der falsche Ansatz.
Die Frage muss nämlich eher so lauten: Warum fühlten sich sehr junge Frauen über Jahrzehnte nicht automatisch benutzt, sondern erhöht, wenn ein berühmter Mann sie auswählte? Aber auch: Weshalb galt es als Auszeichnung, wenn der Sänger, Schauspieler, Dichter, Regisseur, Maler oder sonst irgendein Zampano auf sein Objekt der Begierde zeigte wie ein gelangweilter Kaiser auf den Punschkrapfen am Dessertwagen?
Ganz einfach: Weil das nun mal das kulturelle Drehbuch war. Ein berühmter Mann nahm sich die Muse als Trophäe und weitere Episode seines schillernden Lebens. Und wenn diese sehr jung war, nannte man das nicht Übergriff, sondern salopp wildes Leben oder sexuelle Befreiung.
Die 1968er und die Jahre danach haben tatsächlich einiges befreit: den Körper aus der Prüderie und die Frauen aus dem Korsett der Anständigkeit. Das war schon wichtig, nur hatte das einen Haken ungefähr in der Größe eines Tourbusses: Sie wurde von Männern definiert, die davon maximal profitierten.
Denn frei war vor allem, wer keine Verantwortung übernehmen wollte und das als State of the Art verkaufte. Der Star, der nach dem Konzert nicht allein in seine Suite wollte, der bildende Künstler, der auf diese Art und Weise sein Genie zelebrierte.
Die Frauen fühlten sich natürlich äußerst geehrt, was der wunde Punkt an der ganzen Geschichte ist: Weil Zustimmung nie im luftleeren Raum entsteht, sondern in den Bildern, die wir von uns haben. In Selbstwertlücken oder der Hoffnung, von jemandem "wichtigen" gesehen zu werden. Wer jung ist und sich plötzlich im Scheinwerferlicht eines berühmten Menschen wiederfindet, spürt weniger die Gefahr als den enormen Bedeutungszuwachs. Sowie den kurzen Triumph über alle anderen, die draußen bleiben müssen.
Die Frauen fühlten sich natürlich äußerst geehrt, was der wunde Punkt an der ganzen Geschichte ist: Weil Zustimmung nie im luftleeren Raum entsteht, sondern in den Bildern, die wir von uns haben. In Selbstwertlücken oder der Hoffnung, von jemandem "wichtigen" gesehen zu werden.
Schillernde Popbiografie
Dramatisch ist die Selbstverständlichkeit, mit der solche Geschichten jahrzehntelang als Teil einer schillernden Popbiografie durchgingen. Als „andere Zeiten“, in denen sogenannte Groupies romantisiert wurden: junge Frauen, die angeblich genauso frei sein wollten wie die Männer, mit denen sie schliefen.
Natürlich gab es viele, die Lust hatten, neugierig waren und ihre Sexualität einfach nimmer verstecken wollten, das darf man ihnen nachträglich keinesfalls wegnehmen. Nur: Zwischen weiblicher Lust und männlicher Verfügungsgewalt verläuft eine klare Linie. Der alte Mythos lautete (und tut es leider immer noch): Die wollte doch und hat gewusst, worauf sie sich einlässt. Aber kritisch betrachtet müsste man fragen: Wusste sie es wirklich? Vor allem aber: Konnte sie es überhaupt wissen? Und warum lag die Verantwortung dafür nie beim Mann, der die Backstage-Macht hatte?
Nein, es geht nicht darum, die Erotik zu entzaubern, aber sie kippt, wenn ein Machtgefälle sichtbar wird. Wenn eine junge Frau glaubt, sie sei besonders, weil da diese Legende ist, die sie für eine Nacht haben möchte. Wie gut, dass sexuelle Befreiung heute auch darin besteht, nicht mehr beeindruckt zu sein, wenn so ein Typ gerade Lust hat.
Phänomen
Eine Studie im „Journal of Personality“ zeigt: Wer stärker auf Wachstum, Chancen und Gewinn ausgerichtet ist, schätzt sich selbst positiver ein und wagt sich beim Dating eher an besonders begehrte Menschen heran. Wer vor allem Zurückweisung oder Fehler meiden will, schätzt sich selbst eher kritischer ein und steckt beim Dating die Ziele niedriger. Manchmal entscheidet nicht nur, wie attraktiv jemand ist, sondern auch, wie viel Mut man sich zuschreibt.
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