Frau und Mann beim Geschlechtsverkehr.

Spitzensport: Was ein Penis-Wirbel über Männlichkeit verrät

Penis-Gate im Skisport, Forschung zur genitalen Größe: Warum ein Körperteil ständig vermessen wird – und was das über unsere Gesellschaft aussagt.

Ich weiß nicht, wie oft ich in 23 Jahren Sexkolumne das Wort „Penis“ geschrieben habe. Über Größe habe ich nachgedacht, ebenso über deren Überschätzung. Über Funktion, Versagen, Kränkung. Über Evolution, Erektion, Vergleichsdruck. 

Aber auch über Männer, die an Zentimetern verzweifeln, und Frauen, die sich wundern, warum dieses Körperteil so viel Raum einnimmt – physisch wie symbolisch. Man könnte also meinen: Es reicht. Der Penis ist auserzählt und liegt literarisch irgendwo zwischen Freuds Zigarren und vergilbten Aufklärungsbroschüren. Aber wie zum Trotz taucht das gute Stück zuverlässig wieder auf, sobald es um Macht, Leistung oder Männlichkeit geht.

Also stolpere ich vor Kurzem über Schlagzeilen wie „Penis-Gate“ oder „Penis-Wirbel, ausgelöst – man glaubt es kaum – durch Skispringer. Was war passiert? Vor Saisonbeginn werden Athleten per 3-D-Scanner vermessen. Der entscheidende Messpunkt für den Sprunganzug liegt im Schritt, genauer gesagt dort, wo die Weichteile beginnen. Je weiter dieser Punkt nach unten reicht, desto mehr Stoff, desto mehr Auftrieb, desto besser die Flugleistung. 

Der Verdacht: Manche Springer könnten versucht haben, diesen Punkt künstlich zu „verlängern“. Mit Schaumstoff, Einlagen oder sogar Hyaluronsäure ins beste Stück. Die Welt-Antidopingagentur schaltete sich ein, Boulevard-Medien freuten sich, medizinisches Personal überwacht nun die Vermessung. Der Penis: wieder einmal im Zentrum eines Skandals, zwischen Technik, Regelwerk und öffentlichem Ha! Ha! Ha!

Conclusio: Der menschliche Penis ist im Lauf der Evolution nicht nur durch weibliche Partnerwahl gewachsen, sondern auch durch männlichen Wettbewerb

Statussymbol & Einschüchterungsinstrument

Fast zeitgleich sorgte eine neue evolutionsbiologische Studie für Gesprächsstoff. Forschende zeigten Männern und Frauen computergenerierte nackte Männerkörper mit variierender Penisgröße. Die Herren bewerteten große Penisse bei Rivalen als bedrohlicher, offenbar lösen sie Eifersucht und Konkurrenzgefühle aus. Frauen stuften größere Penisse bis zu einer bestimmten Grenze als attraktiver ein. Conclusio: Der menschliche Penis ist im Lauf der Evolution nicht nur durch weibliche Partnerwahl gewachsen, sondern auch durch männlichen Wettbewerb. Statussymbol und Einschüchterungsinstrument zugleich, biologisch erklärbar, kulturell bis heute wirksam. Kurz gesagt: Der Penis kommt nicht aus der Mode und darf auch im 21. Jahrhundert nicht einfach nur sein. 

Stattdessen wird er vermessen, skandalisiert, idealisiert. Mal Buhmann, mal Berühmtheit, mal Objekt wissenschaftlicher Begierde. Ein Körperteil, der sich ständig beweisen soll, aber nur selten sein darf, was er ist. Die Debatte folgt dabei oft simplen Reflexen: größer gleich besser, auffälliger gleich bedeutender. Was dabei wenig bedacht wird: An jedem Penis hängt ein Mensch. Einer mit Biografie, Bindungswünschen, Verletzbarkeiten und Sehnsüchten. Einer, der liebt, scheitert, begehrt, zweifelt und schon früh lernt, dass Männlichkeit messbar ist. Vielleicht würde das männliche Genital, könnte es sprechen, irgendwann aufstehen und sagen: Ich bin kein Star. Also holt mich hier raus. Nein, kein Aufruf zum Exhibitionismus, sondern zu etwas, das im Diskurs über Sexualität erstaunlich selten geworden ist: das gewisse Augenmaß.

Liebe & Essen

Für manche Veganer ist ihr Ernährungsstil Teil der sexuellen Anziehung, so eine  Umfrage von vegan.eu/Gleichklang.de. Je nach Auslegung zeigt sich bei 14 bis 27 Prozent eine klare Präferenz für ausschließlich vegane Sexual- und Beziehungspartner. Diese Vorliebe beeinflusst Fantasien, Partnerwahl und Beziehungsalltag. In vegan-veganen Beziehungen berichten Betroffene über deutlich mehr Beziehungs- und Sexzufriedenheit.   

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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