Warum Serien-Hit "Off Campus" für Frauen so sexy ist
Es tut sich was in der romantischen Serienwelt. Nicht mehr typische Alphamännchen sind es, die Millionen Frauenherzen höherschlagen lassen, sondern Männer, vor denen sie keinen Schutz brauchen.
36 Millionen Zuschauer sahen in den ersten zwölf Tagen die Romantik-Drama-Serie „Off Campus“ (Amazon Prime). Bei Frauen zwischen 18 und 24 ist es die beliebteste Serie des Streamingdienstes.
Die Geschichte dreht sich um Einser-Studentin Hannah (Ella Bright) und Hockey-Kapitän Garrett (Belmont Cameli, am Foto oben der Zweite von links). Sie ist zu schüchtern, ihren coolen Mitstudenten anzusprechen, er wegen schlechter Noten dabei, sein Stipendium zu verlieren. Der Hockey-Kapitän bittet sie um Nachhilfe, im Gegenzug macht er sie mittels vorgespielter Beziehung am Campus zur Berühmtheit, damit sie ihren Schwarm für sich gewinnen kann. Wenig überraschend funkt es zwischen den beiden. Bis es so weit ist, wird viel geknutscht und viel miteinander geschlafen.
Romanze trifft Trauma
So weit, so vorhersehbar. Eingebettet in die Romanze, geht es jedoch um viel mehr. Sportstar Garrett fürchtet, wie sein prügelnder Vater zu werden, Hannah kämpft mit dem Trauma einer Vergewaltigung.
Das Männerbild in Serien und romantischen Büchern ändert sich, sagt Fee Louise Schwarz, Theaterwissenschafterin und angehende Psychotherapeutin. „Frühere ’dunkle‘ Protagonisten, wie etwa Heathcliff in ‚Wuthering Heights‘, waren in ihrer Anziehung immer auch gefährlich für die Heldin – erotische Spannung kam aus dem Risiko.“
Neue Helden wie Garrett oder der Duke of Hastings aus dem Serien-Bestseller „Bridgerton“ hingegen werden zwar als physisch gefährliche Männer erzählt, haben aber selbst Gewalt erlebt und wählen aktiv, das Gegenteil zu tun.
„Es wird ein anderer Umgang mit toxischer Männlichkeit gewählt. Garrett stellt sich etwa die Frage, ob er wie sein Vater wird, durchbricht ein transgenerationales Trauma und beantwortet die Frage, wie man mit Gewaltspiralen umgeht.“
Fee Louise Schwarz ist Theaterwissenschaftlerin und Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision.
©Leo NiederhagenDas wirkt sich auch auf die Darstellung von Erotik aus. Als Garrett etwa den größten Casanova der Serie fragt, wie man Frauen am besten zum Orgasmus bringt, rät ihm der, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Das funktioniere immer.
Darin verortet Schwarz auch das Erfolgsgeheimnis solcher Serien. „Man muss nur in die Zeitung schauen, wie viele Femizide es dieses Jahr schon gab.“ Die Täter seien meist Partner oder Familienmitglieder. „Es geht für Frauen oft sehr stark darum, ein Gefühl von Sicherheit zu verhandeln oder sich damit auseinanderzusetzen, dass es nicht da ist.“
Erfolg bringt Diskurs
Die Rolle des neuen, verletzlichen Helden, der selbst durch Männer traumatisiert wurde, sei wichtig. Denn erst, wenn der Protagonist selbst damit umzugehen lernt, wird er zum sicheren Partner. Für Zuschauerinnen wird es möglich, darüber zu sprechen. „Man kann über die Serie reden statt über eigene, vielleicht unaussprechliche Erfahrungen.“
Frauen bitten ihre Partner sogar, ihre Lieblingsromanzen zu lesen oder zu schauen, wie unzählige Social-Media-Videos zeigen. „Das sind jetzt keine literarischen Wunderwerke, aber sie verhandeln weibliche Lust auf eine bestimmte Art und Weise. Und die Leserinnen sagen: Bitte, wenn du mich verstehen möchtest, lies das.“ Das hätte es früher so nicht gegeben. Weibliche Lust werde so in einem sicheren Rahmen popkulturell verarbeitet, und Frauen können das in ihrer Beziehung verwenden. „Das ist unglaublich wichtig.“
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