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Scheidungen im Trend? Was hinter „Divorce Core“ steckt

Partys, Ringe, Trennungskleidung: Das Ende einer Ehe wird immer häufiger zum Lifestyle-Inhalt stilisiert. Dahinter steckt mehr als ein Social-Media-Hype.

„Dump him“ – „Schieß ihn in den Wind“ – steht in großen Lettern auf einem grauen Pullover. Das Kleidungsstück ist Teil der limitierten „Divorce Collection“ (Scheidungskollektion), die seit Anfang des Jahres beim nachhaltigen US-Modelabel Reformation erhältlich ist. Entworfen wurde sie von keiner Geringeren als Laura Wasser, Hollywoods berühmtester – und wohl auch gefürchtetster – Scheidungsanwältin. „Eine Kollektion für Frauen, die sich weder vor Gericht noch bei ihrer Kleidung mit weniger zufriedengeben“, heißt es dazu im Onlineshop.

Ring am Mittelfinger

Trennung als Modeslogan? Die Kollektion passt zu einem Lifestyletrend, der „Divorce Core“ genannt wird. Anstatt sich für eine Scheidung zu schämen, wird der neue Abschnitt selbstbewusst zelebriert – und nicht selten auf Social Media inszeniert. Der Guardian vermeldete sogar einen „Hot Divorcee Summer“, also einen Sommer der „heißen Geschiedenen“.

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Verlass' ihn: Laura Wassers Trennungspulli, erhältlich bei Reformation.

©www.thereformation.com

„So wie man Fotos von der Bachelorette-Party oder der Hochzeit postet, wird heute eben auch die Trennung nach außen getragen“, erklärt Carmen Thornton, Familienrechtsanwältin und KURIER-Kolumnistin, den Trend. Ob Kleidung, Scheidungspartys – die Anfang der 2000er-Jahre populär wurden – oder Schmuckstücke: Die Trennung wird zunehmend mit eigenen Ritualen begleitet.

So porträtierte die BBC kürzlich Frauen, die sich nach der Scheidung einen „Divorce Ring“ anstecken – nicht am Ring-, sondern demonstrativ am Mittelfinger. Bekannt gemacht hat den Begriff US-Model Emily Ratajkowski. Sie erzählte der Vogue, wie sie ihren Verlobungsring nach der Trennung zu zwei neuen Ringen umarbeiten ließ – als Symbol eines selbstbestimmten Neuanfangs. „Ich finde nicht, dass eine Frau ihre Diamanten verlieren sollte, nur weil sie einen Mann verliert“, sagte sie.

Emanzipation

Wie sieht die Anwältin diese Entwicklung? „Grundsätzlich ist es schön, wenn Menschen einen Lebensabschnitt gut abschließen und sich auf den nächsten freuen – und das auch entsprechend feiern wollen“, sagt Thornton.

Sie appelliert allerdings, private Details der Trennung nicht in sozialen Medien auszubreiten und mit Postings zumindest bis nach Abschluss des Scheidungsverfahrens zu warten. „Es ist jedenfalls ein Fortschritt, wenn eine Scheidung gesellschaftlich nicht (mehr) als Makel oder nur als Scheitern gesehen wird, sondern auch als bewusste Entscheidung, sein Leben künftig anders führen zu wollen.“ Schließlich sei es noch gar nicht so lange her, dass Frauen die Erlaubnis ihres Mannes brauchten, um arbeiten zu gehen, unverheiratete Mütter nicht die Obsorge über ihre eigenen Kinder hatten oder Frauen weder ihren Geburtsnamen behalten noch ohne Weiteres ein eigenes Bankkonto eröffnen konnten. „Da war eine Scheidung für viele Frauen schlicht keine Option – und sie blieben in unglücklichen Ehen gefangen.“

Fakten

Österreich
Die Gesamtscheidungsrate  lag 2023 mit 36,1 % etwas über dem Wert von 2022. Die mittlere Ehedauer (Median) der geschiedenen Ehen lag bei 10,4 Jahren.   Männer waren bei der Scheidung durchschnittlich  45,6 und Frauen 42,3 Jahre alt.

14 Jahre lang 
untersuchten US-Soziologen der University of Washington sämtliche Scheidungsanträge im Bundesstaat Washington. Dabei zeigte sich ein konstantes saisonales Muster: Die Anträge gipfelten im März und im August, also direkt nach den Sommerferien.

Die Sorge, Trends wie „Divorce Core“ könnten Trennungen verharmlosen oder Nachahmungseffekte auslösen, teilt Thornton deswegen aber nicht. „Niemand entscheidet sich leichtfertig für eine Scheidung. Schließlich wünscht man sich, dass Beziehungen halten.“

Die Statistik aber zeigt: Bei etwas mehr als jeder dritten Ehe in Österreich (siehe oben) ist das nicht der Fall. Oft sei die Scheidung nach mehreren belastenden Jahren ein Befreiungsschlag, sagt Thornton: „Sich aus einer unglücklichen Beziehung zu lösen, ist kurz- oder mittelfristig zwar schwer – langfristig aber oft die beste Entscheidung.“

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