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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/24/2020

Was Architekten für unsere Freizeit bauen: Die schönsten Parks der Welt

Inseln zum Träumen, auf andere Art: Architekten und Designer planen neue Park-Konzepte, die Platz und Privatsphäre bieten.

von Florentina Welley

Aufatmen! Stylische Parks, mit schwimmenden Modulen, die sich zusammenschließen lassen, oder Hecken-Labyrinthe locken schon jetzt zahlreiche Erholungssuchende an. Die stylischen, neuen Parkanlagen sind zwar zu Beginn sicher etwas gewöhnungsbedürftig, doch sie bieten ein völlig neues Naturerlebnis.

Stadtplaner und Architekten arbeiten an Modellen, die mit größtmöglichen Wiesen ausgestattet sind und so viele private Rückzugsorte bieten wie möglich. Kleine Hideaways also, sowie breite Wege für Besucher, damit diese sich nicht gegenseitig auf die Füße treten. Denn, seien wir ehrlich: Wer will das bei einem ausgedehnten Spaziergang schon? So sollen wir zur Ruhe kommen, genießen und entspannen.

Kopenhagen ist eine der ersten Städte, die so ein Parkprojekt mit außergewöhnlichem Design verwirklichen konnte. Die Architekten Marshall Blecher und das Designstudio Fokstrot haben mit Magnus Maarbjerg ein „Parkipelago“ geplant und in einem gentrifizierten Hafenviertel einen Park mit schwimmenden Inseln umgesetzt. Die so genannten „floating islands“ werden seit demJahr 2018 von Fischern, Schwimmern, Kajak-Fahrern und Erholungsuchenden angesteuert, sie haben sich als wahrer Hotspot bewiesen. Kein Wunder, denn das Konzept überzeugt. So besteht etwa eine Insel nur aus einem jahrzehntealten Baum und einem mit Holzplanken belegten Deck. Andere sind wiederum mit einem Baum und einer Rasenfläche ausgestattet. Die kleinen Inseln können per Boot oder schwimmend erreicht werden. Alle einzelnen Module basieren auf einer einfachen Stahlkonstruktion sowie auf recycelten PET-Flaschen, die für den Auftrieb sorgen. Auch das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Wildnis im „Parkipelago“

Allein auf der Insel: die „Floating Islands“ in Kopenhagen. Der schwimmende Park von Architekt Marshall Blecher und Magnus Maarbjerg vom Designstudio Fokstrot bietet genug Platz, https://www.copenhagenislands.com

Noch in diesem Jahr werden drei weitere Inseln fertiggestellt. In Zukunft soll es weitere Module geben, die mit Sauna, Cafés und Bühnen ausgestattetwerden.Der „Parkipelago“ kann durch seine Mobilität je nach Jahreszeit auch seine geografische Lage ändern. „Die Inseln sollen den öffentlichen Raum in Kopenhagen erweitern.

So können endlich auch bewegliche Bereiche erobert und damit etwasWildnis zurückgegeben werden“, sagt Architekt Marshall Blecher. „In Zukunft sollen bis zu neun Inseln zu einer großen zusammengeschlossenwerden können.Damit auch Tiere vermehrt hier einen Rückzugsort finden, sind manche Module bereits mit heimischen Gräsern und Sträuchern bepflanzt.“ Das Konzept ist nicht nur ökologisch interessant, weil Hafenregionen in Zeiten des Klimawandels mit höheren Wasserständen zu rechnen haben. Es sieht auch vor, dass die Nutzung der schwimmenden Inseln ganz autonom von den Besuchern selbst bestimmt werden kann.

Labyrinthe und Sperrbalken

Im Parc de la Distance von Studio Precht, sollen digitale Zeichen anzeigen, ob die Wege frei oder besetzt sind. Der Entwurf wurde für ein brachliegendes Grundstück in Wien gemacht, ob es tatsächlich realisiert wird, ist noch offen, https://www.precht.at

Selbstbestimmung steht auch bei dem aktuellen Projekt des österreichischen Studios Precht auf dem Programm. Das als eines der ersten Architekturbüros auf die vorübergehende Schließung unserer Bundesgärten eine grüne Antwort hatte. Das Projekt „Parc de la Distance“ wurde bereits in den bekanntesten internationalen Architekturzeitschriften vorgestellt. Wenn Besucher im Park schon Distanz bewahren müssen, soll zumindest das Konzept an „Berührung“ erinnern, nämlich an den menschlichen Fingerabdruck, dessen Form die Architekten inspirierte. „Wir haben uns gefragt, wie ein öffentlicher Platz aussehen müsste, der immer genügend Platz für die Besucher zur Verfügung hätte, damit sich diese darin nicht drängen müssen“, erklärt Chris Precht das Projekt. „Die Form des Parks geht auch auf französische Gärten zurück, die oft in geometrischen Mustern oder Labyrinthen angeordnet waren. Deshalb auch der Titel.“ Alle parallel liegenden Wege am Ein- und Ausgang sollen mit Gates versehen werden, die anzeigen, ob sich Besucher darin befinden, oder ob die Wege frei sind. So haben alle Besucher die Möglichkeit, auch alleine auf den bis zu 600 Meter langen Wegen zu spazieren, die voneinander durch eine 90 Zentimeter breite Hecke getrennt werden. „Eine zeitliche Abgeschiedenheit vom Gedränge in der Stadt, kann sich durchaus positiv auf die eigene Gedankenwelt auswirken,“ sagt Chris Precht.

Stadthygiene und lineare Gärten

Im Furtwänglerpark wurden von den Architekten Auböck+Karascz neue Platz-Konzepte umgesetzt, https://www.auboeck-karasz.at

Damit es nicht heißt „bitte ist hier frei, nein hier ist besetzt, danke, bitte ist hier frei, nein hier ist besetzt, danke, bitte ist hier frei ...“, wie im Gedicht „im park“ von Ernst Jandl erarbeitet auch die Wiener Gartenarchitektin Maria Auböck aktuelle Konzepte zur urbanen Grünflächengestaltung. Etwa den Furtwänglergarten in Salzburg, der bereits zum beliebten Treffpunkt wurde. Die Planung des Skulpturengartens mit Heckenwänden und langen Hortensienbeeten war eine besondere Herausforderung, ausreichend Platz zu schaffen, denn dort drängten sich zu allen Jahreszeiten Studenten und Touristen zusammen. „Abstand halten und ausreichend Platz – das geht nur auf breiten Wegen und Wiesen, auf denenman sich aufhalten darf. Beides haben wir damals schon bei der Planung vorgesehen“, sagt Maria Auböck. „Gärten brauchen Zeit, sie entwickeln nur langsam ihre Schönheit. In dieser besonderen Phase hoffen wir, dass unsere Gärten auch während des Klimawandels nicht zerfallen, sondern den Menschen weiter Freude
bereiten.“ Das Bedürfnis der Menschen nach Aufenthalten in Naturräumen ist deutlich gestiegen. „Unter Stadthygiene verstehen wir Architekten, die Naturräume möglichst großflächig zu erhalten und somit die Gesundheit der Bewohner zu fördern“, sagt Stadtplanerin Auböck. „Was neue Park-Trends betrifft, müssen sich Architekten und Designer natürlich nach den Anforderungen des Klimawandels richten und beispielsweise robustere Pflanzen setzen als früher“. Auch der Zugang zu Luft, Licht, Sonne sowie zu Freiflächen, zu frischem Trinkwasser und zur Nutzung von offenen Böden in der Stadt ist besonders wichtig.

Der China Botanical Garden in Taiyuan der Wiener Architekten DMAA soll die Natur näher bringen und das Erleben eines funktionierenden Ökosystems vermitteln. In den Glashäusern sind auch Forschungseinrichtungen untergebracht, https://www.dmaa.at

Grün gibt es heute aber nicht nur in Parks, es klettert die Fassaden hoch, wächst auf Balkonen und Dachgärten, wo es zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas beiträgt. Mit dem sich ändernden Mobilitätsverhalten wird der nächste Schritt die Verwandlung der Straßenräume zu linearen Parks sein, die ein Netzwerk bilden und sich durch ganze Städte ziehen. „Der Park der Zukunft führt damit unmittelbar vor unsere Haustüre“, sagt Roman Delugan, vom Wiener Architekturbüro DMAA, das zur Zeit einen Botanischen Garten in China errichtet. „Der Erlebniswert eines Parks soll in China durch die Entstehung von Botanischen Gärten und Glashäusern gesteigert werden und die Idee eines funktionierenden Ökosystems vermitteln. Denn der Zugang zur Natur ist in Asien anders als in Europa.“

“Bei den Park-Trends gibt es natürlich geografische Unterschiede. Was wir aber generell feststellen ist eine gesteigerte Wertschätzung für die Profession der Landschaftsplanung, eine Hinwendung zu heimischen Pflanzen und „naturnaher“ Gestaltung und die Erkenntnis, dass ein Park mehr sein kann als die klassische Naherholungszone. Wir meinen dabei etwa die Aufnahme von Themen wie Biodiversität, Klimaanpassung oder Fragen der landwirtschaftlichen Nutzung", sagt Roman Delugan. Bei dem Konzept des China Botanical Gardens spielte auch die Geschichte Chinas eine Rolle: denn die rasante wirtschaftliche Entwicklung Chinas war mit einem Raubbau an der Natur verbunden,  der jetzt durch die neuen Park-Projekte wieder gut gemacht werden soll. Grünräume gelten in China jetzt sogar als feste Bestandteile städtischer Infrastruktur, was sich auch an der Größe derartiger Anlagen widerspiegelt. Und die Funktion des Parks als Begegnungs- und Kommunikationsraum steht in China im Vordergrund, ein Aspekt, der in Europa an Bedeutung verloren hat.

Labyrinthe, Wellen, High-Trails

Im „Labirinto della Masone“ bei Parma ist das Kunstmuseum des Gründers Franco Maria Ricci untergebracht. Weiters gibt es eine Bücherei, ein Restaurant, einen Shop mit lokalen Köstlichkeiten sowie die weitläufigen Irrgänge, https://www.labirintodifrancomariaricci.it

Ein Park der dem „Parc de la Distance“ von Studio Precht ähnlich ist, wurde bereits im Jahr 2015 in Parma eröffnet. Das größte Labyrinth der Welt, das „Labirinto della Masone“, in Fontanellato, wurde nach einer Idee des Designers und Autors Franco Maria Ricci von den Architekten Pier Carlo Bontempi und Davide Dutto verwirklicht. Auf der sieben Hektar großen Fläche dürfen Besucher in Bambus-Gängen umherirren und ein bisschen Wildnis spüren. Im Park-Zentrum gibt es ein Kunstmuseum, eine Bibliothek und eine Cafeteria.

Der Parkorman soll Istanbuls Bewohnern den Wald auf High-Trails hautnah erleben lassen. Ein Projekt des New Yorker Studios Dror Design, https://www.studiodror.com

In Istanbul soll der Stadtpark „Parkorman“ Besuchern ein Stück Freiheit wiedergeben. In dem Projekt des New Yorker Design-Studios Dror sollen Besucher auf High-Trails, die sich serpentinenartig durch den Wald schlängeln, keine Platzprobleme mehr haben und den Wald spüren. „Wir wollen eine Liebesgeschichte zwischen Natur und Menschen schaffen“, so die Architekten, „in einer Stadt, die keinen Central Park hat.“

In Koper, Slowenien, erfreut die weitläufige Parklandschaft am Meer des Architekturbüros Enota zahlreiche Besucher, https://www.enota.si

Auf weit auslaufende Wiesenwellen setzte hingegen das Architekturbüro Enota, beim Central Park in Koper, der 2018 fertiggestellt wurde. Die Meereswellen spiegeln sich hierbei in der Landschaftsarchitektur wider. Auch bei diesem Projekt, auf dem weitläufigen Areal am Meer, können Besucher selbst die Nutzung bestimmen – und sich bei Bedarf in versenkte private Hideaways, die von Hecken umgeben sind, zurückziehen.

UNSERE GRÜNE LUNGE

Warum Natur Gesundheit bedeutet und wir manchmal auch einen Baum pflanzen sollten.

Wir brauchen sie. Die Luft zum Atmen. Und schätzen sie vor allem, wenn wir tief einatmen – in der Natur. Allein eine 100-jährige Buche reinigt die Luft, speichert etwa 3,5 Tonnen schädliches CO2 in ihren Blättern und sorgt damit für eine sauberere Umwelt. Das zeigt, wie wichtig Grünflächen auch in der Stadt sind. Der Erhalt einer natürlichen Landschaft ist für unsere Gesundheit wichtig und gibt uns den Freiraum, den wir für eine unbeschwerte Freizeit mit Familie und Freunden brauchen. Alleine wenn wir uns in der Natur nur bewegen oder Sport machen, führt das zu einem gesünderen Herz-Kreislaufsystem. Naturerleben ist für unsere schnelllebige Gesellschaft sogar lebensnotwendig. So dienen die Erkenntnisse des heute wieder oft zitierten Philosophen und Autors Henry David Thoreau, Urvater der modernen Naturschutzbewegung, als Basis für aktuelle wissenschaftliche Studien. Denn Thoreau lebte im Jahr 1854 selbst freiwillig zwei Jahre im Wald, um die positive Auswirkung derNatur auf die Gesundheit zu testen. Wie auch die Studien der österreichischen Bundesforste zum Thema „Wald und Gesundheit“ zeigen, dass Naturerleben das menschliche Wohlbefinden auf drei Ebenen fördert, nämlich Körper, Psyche und Gesellschaft.

Kampf den Kopfschmerzen

Neuen amerikanischen Studien zufolge reicht schon der Anblick von Natur oder ein Spaziergang im Wald aus, um Cortisol-Werte und Pulsschlag zu senken. Und alleine die Aussicht auf eine Grünfläche führt etwa beiMenschen, die viel im Büro sitzen, zur Linderung von Kopfschmerzen. Wer gerne geht, mit dem Rad fährt, schwimmt, reitet, gärtnert oder gar selbst Bäume pflanzt, hat ein um bis zu 30 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko als körperlich inaktive Menschen. Die gesundheitsfördernde Wirkung von Natur zeigt sich laut den amerikanischen Psychologen Kaplan und Kaplan auch bei der Erholung von intellektueller Anstrengung. „Direkte“ Aufmerksamkeit, zum Beispiel beim Arbeiten am Computer oder beim Autofahren, erfordert anstrengende Fokussierung. Aufmerksamkeit ohne Anstrengung wird etwa erzielt, wenn man etwa Wasser beim Fließen zusieht oder ein Tier beobachtet oder eine Landschaft betrachtet – ein rascher Erholungsprozess setzt ein.

Allein in Österreich fühlt sich bereits jeder Vierte von Burn-out bedroht. Da kann schon der Aufenthalt in der Natur von zwei Stunden pro Woche deutlich das Wohlbefinden steigern. Interessant ist auch, dass Kinder, die einen Wald-Kindergarten besuchen oder in einer natürlichen Umgebung aufwachsen, ein höheres intellektuelles Niveau und eine höhere Aufmerksamkeitsschwelle zeigen als Kinder, die in einen Kindergarten in einer verbauten Umgebung gehen. Außerdemhaben sie ein um 55 Prozent geringeres Risiko, im Erwachsenenalter psychisch zu erkranken. Denn das Leben in einer Umwelt ohne Naturkontakt fördert das Entstehen psychischer Erkrankungen.

Auch für ältere und kranke Menschen können Grünflächen wie Medizin wirken, sie fühlen sich nach einem Naturerlebnis fitter und weniger einsam. Das wissen wir schon vom „Waldbaden“, das auch unser Wohlbefinden steigert und sogar Schlafstörungen lindert. Also raus in die Natur, tief Luft holen und einatmen!