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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/05/2021

Warum Modeblogger jetzt plötzlich ihre Wohnungen präsentieren

Mode-Influencer zeigen stolz ihr neuestes Interieur, TV-Shows über Hausrenovierungen boomen: Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern erklärt die neue Leidenschaft fürs Einrichten

von Christina Michlits

Das Wohnzimmer mit Samtcouch im Sechzigerjahre-Stil, ein maßgeschneidertes Bücherregal und Fotos von Traumhäusern: Statt sich in neuen Kleidern zu zeigen, präsentiert die Berliner Modebloggerin und Medienexpertin Cloudy Zarocki lieber Interieur-Bilder auf ihrem Instagram-Account. Sie (hat übrigens gerade ein Teppichlabel geründet und) ist nicht die Einzige, die sich nun mehr aus Möbeln als aus Mode zu machen scheint.

Unzählige Fashionblogger wie Jessie Weiß oder Vicky Heiler posten seit einiger Zeit jede Ecke ihrer Wohnung, träumen von Häusern am Land, die sie renovieren können, und teilen ihre neuesten Interieur-Errungenschaften (die nicht selten bezahlte Kooperationen sind) voller Stolz mit ihrer Fangemeinde.

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Das Zuhause als Anker

Nicht erst seit wir durch Lockdowns mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, ist der Stellenwert von Inneneinrichtung in die Höhe geschnellt, sagt dazu Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern, die jährlich einen Trendreport zum Thema Wohnen und Architektur herausgibt. „Abgesehen von den Folgen der Pandemie, werden wir immer mobiler. Diese Zerrissenheit im Alltag erfordert einen Anker – und das ist das Zuhause.“

Unnütze Prestige-Objekte werden weniger

Schauküchen und protzige, aber unnütze Elemente werden weniger, ist sich die Zukunftsforscherin sicher. Küchen sollen vor allem funktionell sein, denn „Kochen ist das neue Pendeln. Die Fahrzeit, die wir im Homeoffice sparen, wird jetzt oft in der Küche genutzt.“ Und das Arbeiten von daheim werde auch Einfluss auf zukünftige Architektur-Grundrisse haben.

„Flexibilität wird wichtiger. Wo jetzt noch ein offener Wohnraum dominiert, wird es mehr Ecken, Büro-Winkel oder Schiebetüren geben, um sich beim Arbeiten abgrenzen zu können.“

Vegane Möbel und Frischluft

Was Möbel angeht, werden vegane Varianten gefragter, erklärt Horx, ebenso wie der Balkon oder der Garten – vorausgesetzt man kann sich den Frischluftluxus auch leisten.

Design Demokratie

Schon seit Jahren widmet man sich demnach verstärkt der Gestaltung des Eigenheims. Corona hat diesen Trend aber stark intensiviert, betont Horx-Strathern. Denn, wenn man das Leben draußen schon nicht kontrollieren kann, dann wenigstens daheim: „Je mehr Zeit man auf dem Sofa oder am Küchentisch verbringt, desto eher fragt man nach der Qualität und ob die Möbel für einen persönlich auch funktionieren.“

Noch nie wurde in der westlichen Welt mehr Geld, Emotion und Aufmerksamkeit in die Thematik Wohnen gesteckt, erklärt die Expertin.

Anders als früher habe man nun viel mehr Auswahl und Zugang, Einrichtung sei viel leistbarer geworden. Und noch etwas ist anders im Gegensatz zur vorigen Generation, die oft noch Prestige und Repräsentation beim Einrichten mitgedacht hat.

Die gute Stube hat ausgedient

„Die gute Stube“ – ein schön ausstaffierter Raum, der aber nur einmal im Jahr zu Weihnachten mit Gästen benutzt wurde – ist zwar schon lange passé, erst jetzt fängt man aber an, ganz bewusst auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, wie man persönlich wohnen will.

Wohnporn

Wie traumhaft Immobilien aussehen können, zeigen derzeit TV-Shows, in denen Häuser umgestaltet werden. Inneneinrichter aus Serien wie „Fixer Upper“, „Stay Here“ und „Dream Home Makeover“ sind längst zu Promis mit Millionen von Fans auf Instagram avanciert.

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Die Zuseher können sich in den Shows für ihr Eigenheim inspirieren lassen, auch wenn Horx-Strathern kritisch anmerkt: „Ich nenne das gerne Wohnporn (Anm.: Wortmix aus Wohnen und Porno). Hier werden Ziele aufgezeigt, die beim Nachmachen schnell enttäuschen können, weil man selten ein Team von zehn Mitarbeitern hat.“

Agentur-Chef Franz Riebenbauer hat sich auf ganzheitliche Ästhetik-Konzepte spezialisiert und sieht den Interieur-Trend kritisch.

„Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass jetzt alle auf Jahre gerne daheim bleiben“, erklärt Franz Riebenbauer seine Meinung zum vermeintlichen Trend, sein Zuhause mehr zu schätzen und dementsprechend zu verschönern. „Wenn die Pandemie vorbei ist, wird man umso lieber Reisen, bewirtet werden und außerhalb der vier Wände Gesellschaft genießen.“

Reisen als Inspiration

Der Chef einer Design Agentur mit Sitzen in Wien, Los Angeles und Berlin hat hierzulande zuletzt mit dem Interieur der puristisch-edlen „Öfferl“ Backfilialen von sich reden gemacht.

Er und Kreativdirektorin Almut Becvar holen sich vor allem auf Reisen Inspiration für ihre Arbeit – was derzeit tatsächlich ein Problem sei. „Sich Dinge anzuschauen und sie dadurch wirklich zu erleben, das geht eben nur in der realen, wirklichen Welt. Virtuell funktioniert das nicht“, erklärt Becvar.

Die beiden schaffen Räume  für Marken (Branded Spaces), in denen ein  bestimmtes Image transportiert wird. Wer sich von der immer stärkeren Online-Konkurrenz absetzen will, der müsse in seinen Shops Erlebnisse schaffen. Riebenbauer: „Es gibt heute so viele gleichwertige Produkte am Markt. Daher müssen in Filialen Werte geteilt und alle Sinne angesprochen werden – sonst kann ich das Produkt auch online kaufen.“ Kein Wunder also, dass Unternehmen immer mehr Geld in die sogenannte „Brand Experience“ (Anm.: Markenerlebnis) investieren.

Über die Ästhetik seiner Arbeit sagt der 44-jährige Steirer: „Es gibt eine starke Sehnsucht nach dem Archaischen und der Natur. Wir arbeiten viel mit Stein, setzen Pflanzen und Holz ein. Im Kontrast zu Industrie-Materialien wie Stahl oder Beton erzeugt das gute Spannung.“

Einrichtungstipps

Von nutzloser Home-Dekoration, die derzeit von Influencern gerne präsentiert wird, hält er herzlich wenig. „Wenn ich diesen Deko-Müll auf Instagram sehe, kann ich mich nur aufregen.“ Auch hochwertige Produkte, die dann alle paar Monate einer anderen nachhaltig produzierten  Vase oder Lampe Platz machen, verfehlen die Intention, kritisiert der Grafikdesigner.

Was er einem Freund raten würde, der sein neues Eigenheim einrichtet: „Eine 200 Jahre alte Bauernstube anschauen, die zeigt, was man wirklich braucht. Einen stabilen Tisch und gute, langlebige Materialien. Wer Holz will, sollte auch Holz kaufen und keinen Laminatboden oder eine Tapete, die aussieht wie eine Betonwand.“  

 

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