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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/05/2021

Affären und Schuldgefühle

Fremdgehen passiert – und das häufig. Oft sind es dann die Betrogenen, die die Verantwortung dafür bei sich selbst suchen.

von Gabriele Kuhn

Auch nicht ohne seien die Theorien der „anderen“ gewesen, schreibt Leserin M, die vor Kurzem das Langzeit-Pantscherl ihres Angetrauten erst entdeckt und dann mit Freundinnen und Bekannten besprochen hat. Das Gros dieser Damen starrte sie mit Bambi-Blick an, um sich danach mit dramatischen Neiiiiin, echt jetzt? Du Arme, wie hältst du das nur aus?!-Äußerungen empathisch zu geben. Ein paar Umarmungen und Betulichkeiten später, das erste Ja, aber …: „Ja, aber hast du dich gefragt, was ihn in die Arme der anderen getrieben haben könnte? Zu wenig Sex? Zu wenig Aufmerksamkeit?“

Mehr muss man gar nicht wissen. Denn nach wie vor kursiert die hartnäckige Idee, die betrogene Ehefrau selbst wäre schuld daran, wenn sich der Gatte bedürftig in den fremden Schoß schmiegt, um endlich wieder Bewunderung, Begehren und das ganze Sorglos-Paket erleben zu können. Das wird dann gerne – hinter dem Rücken der krisengebeutelten Ehefrau – besprochen: Vielleicht hat sie sich gehen lassen? Vielleicht hat sie ihm nicht mehr gegeben, was er braucht? Vielleicht will er was Jüngeres, Knackigeres, Willigeres, Anspruchsloseres? Möglicherweise war die Blowjob-Rate zu gering? Klischeehafte Abwertungen – der Ehefrau gegenüber, genauso wie der Geliebten, die in diesem Licht so wirkt wie ein Tuning-Accessoire zum Pimpen einer alten Karre. Oder wie Miss Lückenfüller.

In vielen Fällen ist es viel einfacher: Die Gelegenheit war da, man hat zugegriffen. Erster Kuss, erste Herzattacke, das Gefühl des Neubeginns, der Blick in die Augen eines spannenden Menschen. Großes, geheimnisvolles Prickeln – und hui, beginnt der Tanz auf dem Vulkan im Abseits. Zwei Menschen, die – aus irgendwelchen schicksalhaften Gründen auch immer – zueinander finden, wider das Monogamie-Monument. Manchmal wird mehr daraus: eine Art Parallelliebe. Interessant ist, dass die Betrogenen nun zuverlässig in die Es liegt an mir-Falle tappen. Und so lautet eine der dringlichsten Fragen nach dem Auffliegen einer Affäre so: Was hat die andere, was ich nicht habe? Simpel beantwortet: Die andere ist „neu“, du bist es nicht. Die „andere“ muss weder exzessiv schöner, intelligenter, geschmeidiger, kurviger, knackiger sein, sondern einfach nur in einem schicksalhaften Moment „da“. Dennoch gibt’s die These, dass in der Ehe was „gefehlt“ haben muss, damit eine dritte Person darin Platz finden kann. Stimmt, aber nur bedingt. Forscher der Uni Maryland haben in einer Onlineumfrage ermittelt, warum Menschen untreu werden – diese acht Beweggründe sind es hauptsächlich:

1. Wut, Rache – um es dem Partner „zu zeigen“.2. Um den eigenen Selbstwert zu steigern. 3. Zweifel daran, ob der aktuelle Partner tatsächlich der Richtige ist. 4. Mangelnde Loyalität. 5. Lust auf allgemeine Abwechslung. 6. Das Gefühl, sich nicht mehr so begehrt zu fühlen wie früher. 7. Lust auf sexuelle Abwechslung. 8. Die Gelegenheit. Daran sieht man: Es gibt viele Wege, die in eine Affäre führen, die meisten haben mit der Person, die betrügt, zu tun.

Und nun? Sollte das Doppelleben nicht zur akuten Trennung führen (was bedauerlicherweise oft, weil unreflektiert, passiert), lohnt es sich, einen Blick auf die Geschehnisse zu werfen, um herauszufinden, ob das, was ist, noch richtig ist. Manchmal braucht es ein paar Wendungen auf beiden Seiten, damit sich das Alte wieder frischer und lebendiger anfühlen und ein Langzeitpaar die nächste Entwicklungsstufe seiner Beziehung ansteuern kann. Ja, dazu gehört die Fähigkeit, zu verzeihen und wieder zu vertrauen, sowie Dinge kritisch zu hinterfragen. Aber eben das Ganze, nicht nur sich selbst.

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