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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/23/2020

"SATC"-Autorin Candace Bushnell: "Wir haben Sex, aber weniger"

„Sex and the City“-Autorin Candace Bushnell über Dates in Zeiten der Online-Single-Börsen.

von Bernhard Praschl

Vor fast 25 Jahren gelang mit „Sex and the City“ eine präzise Beschreibung der modernen Großstadtfrau. Die TV-Serie war das Sprachrohr der alleinstehenden Uptown Girls Mitte dreißig: laut, quirlig und schonungslos im Umgang mit High Heels und niederen Instinkten. Die New Yorkerin Candace Bushnell ist jene Autorin, die hinter diesem beispiellosen Erfolg steht. Ein Zoom-Interview.

FREIZEIT: Guten Morgen, Miss Bushnell,  endlich klappt es. Vielen Dank, dass Sie Zeit für ein Interview gefunden haben. Ich nehme an, die Nachfrage ist im Moment  sehr groß.

Candace Bushnell: Ich kann nicht klagen. Aber, Sie müssen wissen, ich wurde nach jedem meiner Bücher zu vielen Interviews gebeten.

Das Interesse für Ihre Bücher ist also nach wie vor da. Aber gibt es nach wie vor ein ausgeprägtes Interesse an Sex?

Ja, das gibt es. Aber es gibt weniger Sex, zumindest bei den Jüngeren. Bei den Pensionisten tut sich da mehr. Menschen über 50 verzeichnen jedenfalls einen Anstieg an Geschlechtskrankheiten. Leute in diesem Alter wollen nicht kürzertreten und haben wieder Dates und Sex.  

Wo aber lernen sich diese Paare kennen, bei einem Cocktail wohl nicht.  In Ihrem neuen Buch „Is There Still Sex in the City?“ behaupten Sie, dass in den Bars alle damit beschäftigt sind, auf ihre Smartphones zu starren und sich keiner mehr traut, anderen in die Augen zu schauen.

Vor dem Ausbruch von Corona hörte ich, dass man sich neuerdings bevorzugt bei Begräbnissen kennenlernt.

Man sollte also Pfarrer werden?

Nein, muss man nicht (lacht). Nein, im Ernst,  viele, die einen Partner suchen, gehen online, zu Partnerbörsen wie Tinder. Ich habe Freundinnen mit großer Dating-Erfahrung, die mir berichteten, sie hätten auf diese Weise  durchaus auch interessante Menschen kennengelernt. Die Realität jedenfalls ist, dass viele der Frauen, mit denen ich sprach, das Gefühl haben, sie kämen so in eine Situation, die jener gleicht, in der sie jünger waren. Nämlich so, dass sie das Gefühl haben, von einer Beziehung enttäuscht zu werden.   

Das heißt, in Beziehungen zwischen Männern und Frauen läuft alles wie gehabt?

Ich glaube, dass man einerseits viele neue Leute trifft, andererseits aber viele zu dem Entschluss gelangen: Okay, wenn ich jemanden kennenlerne, ist es „great“, wenn nicht, ist es aber auch okay. Ich muss nicht  mit jemandem zusammensein, um mich   glücklich zu fühlen.

In Ihrem Buch erwähnen Sie an einer Stelle, dass gerade Männer die falsche Entscheidung treffen, um Sex  zu haben.

Durch  Männer wie Harvey Weinstein und Jeffrey Epstein wird das nur bestätigt. Aber die Liste ist viel, viel länger. Mich verblüfft es immer wieder,  welche desaströsen Folgen schlechte sexuelle Entscheidungen haben können. Viele aber stört das nicht, sie bleiben dabei, besonders Männer.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das so ist?

Vermutlich ist es eine soziokulturelle Angelegenheit. Das Ego und Selbstbewusstsein von Männern ist davon abhängig, ob sie Sex haben.

Ist es also auch okay, keinen Sex zu haben?

Ich glaube, es ist absolut okay, keinen Sex zu haben. Auf uns lastet ein unfassbarer Druck, Sex zu haben.  Eigentlich lächerlich, auch Frauen wenden viel Energie dafür auf, um einen Sexualpartner zu finden. Und meistens ist dieser die Anstrengung gar nicht wert. Verschwendet Energie, die man anders nützen könnte.

Als Sie mit 19 nach New York zogen, inskribierten Sie an der NYU, der New York University. Haben Sie Psychologie studiert?

Nein, ich belegte einen Schreibkurs. An Psychologie war ich immer interessiert, aber um Geld zu verdienen, erschien mir das Ausdenken von Geschichten der bessere Weg.


Ihren Durchbruch erlebten Sie, als ihre unter dem Titel „Sex and the City“ gesammelten Kolumnen für das Fernsehen verfilmt wurden. Gibt es schon Pläne, auch Ihr neues Buch zu verfilmen?

Ja, wir arbeiten im Moment an einer TV-Serie dazu. Wir müssen uns aber auf zwei tragende Rollen beschränken.

Ein Mann und eine Frau?

Nein, zwei Frauen.

Gimme the money!

Auch jetzt, mehr als 20 Jahre danach, im „Irrsinn der Lebensmitte“, wie Sie die weibliche Midlife Crises  nennen, gilt: Die Suche nach Mr. Big  hat Priorität?

Für die meisten Frauen ist das tatsächlich d a s Thema. Die Menschen interessieren sich eben dafür, einen Partner zu finden. Für mich persönlich gilt das nicht. Mein Favorit ist: Gimme the money.

Sie meinen, Sie interessieren sich mehr für Moneten als für Männer?

Ja, das kann man so sagen.

Aber auch Geld kann man leicht wieder verlieren.

Man muss sich eben  klug anstellen.

Sie scheinen sehr klug zu sein. Sie haben als Journalistin begonnen und  leben seit zwanzig Jahren von ihren Büchern.

Im Moment schreibe ich an meinem nächsten. Es handelt von einer 72-Jährigen, eine Satire über die New Yorker Society. 

Haben Sie in all dieser Zeit das Gefühl, dass die Männer sich verändert haben?

Ich glaube tatsächlich, sie wurden etwas besser. Aber ein großer Unterschied zwischen uns bleibt bestehen, das Testosteron. Vor Kurzem las ich die Geschichte einer Frau, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Sie nahm Hormone, Testosteron, und beschrieb, dass sie sich nicht mehr um die Meinungen anderer kümmerte und auch voller Energie war. Ich dachte mir: Bitte, gib mir Testosteron!

Testosteron als  Viagra für die Frauen?

Ich habe keine definitive Antwort darauf, aber ich glaube, wir werden künftig mit mehr  Veränderungen konfrontiert werden.

Welcher Art?

Jetzt denken Männer noch, dass sie die Nummer eins auf der Welt sind und sich Frauen mit der Nummer zwei begnügen sollen.  In Wahrheit haben wir Menschen mittlerweile mehr Möglichkeiten, das, was wir empfinden, auch auszudrücken. Eine Beziehung muss nicht mehr aus einem  Mann und einer Frau bestehen. Außerdem können Menschen, wenn sie wollen, ihren Single-Lifestyle voll ausleben. Ich meine, die Idee, dass jeder sein eigenes Badezimmer hat, ist nicht einmal 50 Jahre alt. Und wie lange gibt es uns Menschen schon? Millionen Jahre?

Sie meinen also, alles wird gut?

Sicher bin ich mir nicht, wenn ich an die Folgen der Klimaerwärmung denke. Aber wenn wir uns an notwendige Veränderungen gewöhnen, könnte es klappen.

Miss Bushnell, vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute!      

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