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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/29/2020

Ohrgasmus: Die Erotik des Hörsinns

Was macht's, wenn wir anderen Menschen beim Stöhnen zuhören? Und welche Rolle spielt die Akustik im Bett?

von Gabriele Kuhn

Er stöhnt, sie kommt (oder  umgekehrt): Das sollte eigentlich das Kolumnenthema des vergangenen Samstags gewesen sein, als Fortsetzung des „Hörspiels in vier Akten“ davor. Darin beschrieb ich, wie ein Paar schlaflos im Wellness-Hotel herumkugelte, weil es das Nachbar-Paar lautstark und lustvoll krachen ließ. Daraufhin führte das eine zum anderen,  irgendwie nett. Im Anschluss daran sollte schließlich das Prinzip „Erotik des Hörsinns“ näher beleuchtet werden. Tut  leid, mir kam etwas dazwischen. Offenbar hat mich die Berichterstattung zum „digitalen Peniskäfig“ so gefesselt, dass ich alles andere vergessen habe. Aber jetzt!

Dass Zuschauen geil machen kann, kennen wir aus Pornos. Optische Reize wirken zwar nicht auf jeden gleich, aber die Macht des Blicks ist schon enorm. Die Stimulation des Hörsinns kann  allerdings nicht minder erotisieren – im Jahr 2009 erschien eine Studie, in der es  hieß, dass laute Musik das Lustzentrum im Hirn stimuliert. Dazu kommt, dass das reine Hören mentale Freiräume schenkt, weil es sich nicht auf vorgefertigte Bilder festlegt, sondern freies Assoziieren ermöglicht. Wir können uns das Tun zu den Geräuschen denken, malen uns aus, was da gerade abgeht, wie die Protagonisten aussehen  und mischen mental mit.

Eine schmutzige Fantasie ist ein ewiges Fest, sagte schon William Shakespeare. Solche Hörspiele können animierend sein, aber nicht zwingend in jeder Lebenslage. Eine Frage des richtigen Zeitpunkts: Wer gerade daheim an seiner Steuererklärung brütet und mit der Excel-Tabelle kämpft, wird des Nachbars Ja! Ja! Ja! Och, ach. So geil, Baby, ich komme, ich komme, ich komme, huhhhh! eher als unpassende Begleiterscheinung empfinden. Manche Brunft-Arien möchte man einfach nicht  hören.

 

„So ein  Stöhnen klingt authentischer als ein pornoesk inszeniertes Herumschreien und Ächzen. Außerdem kommt es auf die Tonlage an – das Timbre der Stimme, die stöhnt.“

Übrigens existiert auch ein Fake-Stöhnen – das bewusst inszenierte Ah & Oh, um das Auf und Ab ein wenig zu beschleunigen. Wie an dieser Stelle bereits erwähnt: Eine Studie, die in den „Archives of Sexual Behaviour“ im Jahre 2011 veröffentlicht wurde, zeigte, dass das vor allem Frauen tun, damit ihr Partner zügiger kommt. Andere wiederum stöhnen aus rein altruistischen Gründen, nämlich um dem Bettgefährten das Gefühl zu geben, er sei so super. Interessant ist  ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Teilnehmerinnen erzählten nämlich, dass sie im Fall sehr starker Erregung immer leiser würden.

Wie klingt "gutes" Stöhnen?

Aber gibt’s ein gutes, animierendes Stöhnen überhaupt? Offenbar. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass es an „Mousse au Chocolat“ erinnere. Ein Vergleich, den ich spannend finde.  Man assoziiert damit Fluffig-Zartes, Dahinschmelzendes, etwas, das nicht so derb-plump daherkommt wie eine Topfengolatsche (wobei: Ich liebe Topfengolatschen!). So ein Chocolat-Stöhnen klingt authentischer als ein pornoesk inszeniertes Ächzen. Außerdem kommt es auf die Tonlage an – das Timbre der Stimme, die stöhnt. Auf diesem Prinzip und dem des Hör-Sinns beruhen viele erfolgreiche Sex-Podcasts. Frauen- und Männerstimmen erzählen, stöhnen, lachen, seufzen – Hören und Spüren vermischen sich zu einer erregenden Gesamtkomposition. Wie etwa bei „Femtasy“, einer Website für „sinnliche Hörgeschichten für Frauen“, wo es einen eigenen „Stöhn-Bereich“ gibt. Am beliebtesten ist „Keno lässt sich fallen“ (ein Stück, das  als „Mousse au Chocolat von heißem Männerstöhnen“ beschrieben wird), „Samuels Lust“ („mit einer kraftvollen Stimme, die zugleich dominant und weich klingt“) sowie „Theo stöhnt“, der die Damen angeblich „geradewegs in Richtung Orgasmus stöhnt, ohne Umwege …“ Na dann: lauschen

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