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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/07/2021

Lange vor Wings for Life: Die schnellsten Läufer in der Monarchie

Bei den Wettbewerben in der Hauptallee gingen die Boten der Adeligen an den Start. Erst viel später wurde Jogging populär.

von Uwe Mauch

Den Kilometer zwei in der Hauptallee im Wiener Prater, den kennt der Sporthistoriker Rudolf Müllner nicht zuletzt aus der Perspektive des Homo sportivus. Ebenso kennt er diese Passage als Schauplatz für die ersten Laufevents in der ehemaligen Hauptstadt der Monarchie. „Die hatten in Wien durchaus Tradition.“

Im Kaiser-Wien sprach man nicht von „Wings of Life World Run“, auch nicht vom Wien-Marathon. An den Start gingen in den Jahren von 1822 bis 1847 einzig die Boten des Monarchen und der Familien Auersperg, Liechtenstein, Windischgrätz usw.

„Das waren schon schnelle Burschen“, erzählt Rudolf Müllner. „Die neun Kilometer vom Praterstern, am Heustadlwasser vorbei, bis zum Lusthaus und retour liefen sie in kaum mehr als 30 Minuten.“

Bis zu 3.000 Wiener und Wienerinnen wollten sich den Lauf jeweils am 1. Mai nicht entgehen lassen – bis er im Vorfeld der Bürgerlichen Revolution verboten wurde. Der Sporthistoriker der Uni Wien: „Im Mai 1847 fand der letzte Lauf statt.“ Interessant ist für ihn die Begründung für das Verbot: „Der Botenlauf sei Ausdruck der Ausbeutungsverhältnisse. Laufen sei gesundheitsschädlich und Menschenhetzerei.“ Heute treten in Wien übrigens nur mehr die Radboten dann und wann gegeneinander an.

Neue Massenbewegung

In der Geschichte der Menschheit war Laufen lange bloß ein Davon- oder Hinterherhetzen. Als Freizeitvergnügen ist es eine junge Erfindung. Zum Inbegriff einer individualisierten Fitness-Gesellschaft wurde es erst in den 1960er-Jahren – in den USA. Der aus Wien stammende Orthopäde Hans Kraus hatte zuvor eruiert, dass die Kinder im Nachkriegsösterreich viel fitter waren als die US-Kids.

Die Bücher des Sportmediziners Kenneth Cooper („Aerobics“) und des Leichtathletiktrainers Bill Bowerman („Jogging“) sorgten für eine neue Massenbewegung. Professor Müllner weist bei Kilometer zwei in der Hauptallee darauf hin: „Sie haben den Nerv einer Gesellschaft getroffen, die nach Selbstoptimierung strebt. Dabei ging es ihnen übrigens zum ersten Mal nicht darum, dass einige wenige möglichst schnell laufen, sondern dass möglichst viele langsam laufen.“

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