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freizeit Leben, Liebe & Sex
01/09/2021

Krisenführung: Warum Frauen die besseren Chefs sind

Die Pandemie verlangt nicht nur Mitarbeitern, sondern auch Leitungskräften mehr denn je ab. Was Frauen an der Spitze jetzt anders machen.

von Maria Zelenko

Es war für alle ein Sprung ins kalte Wasser. Nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte war (und ist nach wie vor) die Pandemie eine beruflich sehr herausfordernde Zeit. Ob Chefs oder Chefinnen die Extremsituation besser meistern, wurde nun vom Management-Magazin Harvard Business Review erhoben.

Zwischen März und Juni 2020 wurden 454 Männer und 366 Frauen in Leitungspositionen von ihren Mitarbeitern in puncto Effektivität ihres Führungsstils anonym beurteilt. Frauen schnitten deutlich besser ab.

Zwar kristallisierten sich Frauen bereits vor der Pandemie in Studien als die besseren Teamleader heraus, jedoch zeigt die aktuelle Untersuchung, dass die Unterschiede in Krisen offensichtlich noch größer sind. In 13 von 19 Kompetenzen, darunter Teamwork und Motivation, gingen Frauen an der Spitze als effektiver hervor. Nur in einem Punkt, der technischen Expertise, waren die Männer ihren Kolleginnen voraus.

Tradierte Rollen

„Die Krise ist eine absolute Situation der Unsicherheit“, sagt Julia Pitters, Studiengangsleiterin der Wirtschaftspsychologie an der Internationalen Hochschule IUBH, im KURIER-Gespräch. „Keine Spitzenkraft kennt derzeit den goldenen Weg.“ Frauen hätten an diesem Punkt einen entscheidenden Vorteil: „Männer haben uns als Führungskräfte Jahrtausende an Erfahrungen voraus. Jedoch fühlen sie sich deshalb oft an alte Abläufe gebunden, die sich lange bewährt haben. Aber diese gelten jetzt vielleicht nicht mehr.“

Frauen seien laut der Expertin offener und flexibler, etwas Neues auszuprobieren. Eine Fähigkeit, die im Zuge der Harvard Business Review-Befragung von Mitarbeitern als besonders wichtig erachtet wurde. Ebenso weit oben auf der Prioritätenskala: Ranghöhere, die verständnisvoll auf den derzeit oftmals empfundenen Mix aus Frust, Angst und Unsicherheit reagieren. Frauen sind auch hier deutlich häufiger positiv aufgefallen. Pitters: „Hier fließt ein wenig die tradierte Rolle mit ein: Diese Fürsorge gegenüber Mitarbeitern ist fast schon eine mütterliche Rolle, die eingenommen wird. Dieses Kümmern können natürlich auch Männer, wir Frauen sind darin nur evolutionsbiologisch besser trainiert. Der Effekt: Das Team fühlt sich sicherer.“

Die Wirtschaftspsychologin beobachtet, dass Männer sich häufig nicht trauen, mehr Empathie gegenüber ihren Mitarbeitern zu zeigen. „Die Angst zu weich zu sein und dadurch nicht mehr ernstgenommen zu werden, ist groß“, weiß Pitters. „Natürlich völlig zu Unrecht.“ Frauen denken auch hier anders: „Sie empfinden Einfühlsamkeit nicht als Widerspruch zu ihrer Führungskompetenz.“

Nicht zur Leistung

Wie wichtig eine gute Beziehung zu den Mitarbeitern ist, weiß auch Leadership Coach Eva Mitterhauser. Mit Beginn der Pandemie habe sich bei den Führungskräften die Spreu vom Weizen getrennt. „Man konnte schnell feststellen, wer zuvor schon viel Wert auf die Beziehung zu seinem Team gelegt hat“, sagt die Business-Trainerin.

„Gute Führungskräfte haben einen gleichwertigen Fokus auf Leistung und Beziehung, damit die geforderte Leistung auch erbracht werden kann. Vertrauen kann man nicht machen. Es muss aufgebaut werden.“

Was laut Mitterhauser sowohl Frauen als auch Männern in Führungspositionen jetzt empfiehlt, sind sogenannte Perspektivenmeetings, bei denen nicht nur Projekte besprochen werden, sondern jedes Teammitglied auch die Möglichkeit hat, über seine persönlichen Gedanken zur aktuellen Situation zu sprechen.

Schritt für Schritt

Ob Chef oder Chefin: Während der Krise sind auch Leader mit neuen Emotionen konfrontiert, dürfen diese jedoch nicht auf ihre Mitarbeiter projizieren. Mitterhauser: „Emotionen kann man nicht kontrollieren, jedoch den Umgang mit ihnen.“

Heißt auch: Um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, muss gar nicht mit „Das wird schon“-Versprechen vorgeprescht werden. Denn diese können teils nicht eingehalten werden. „Lieber pragmatisch agieren“, sagt Julia Pitters. „Und dem Team kommunizieren: Ich weiß noch nicht wie es weitergeht, aber keine Panik – wir machen jetzt alles Schritt für Schritt.“

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