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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/14/2020

Können Apps die Liebe retten?

Nach Tinder & Co. kommen nun die Apps für Paare. Sie sollen die Liebe auffrischen und Trennungen verhindern. Kann das funktionieren?

von Julia Pfligl

Wenn Sie heute Abend beim romantischen Valentinstagsdinner ein Pärchen beobachten, das zwischen Vor- und Hauptgang in das Smartphone vertieft ist – urteilen Sie nicht vorschnell. Was nach Desinteresse und Langeweile aussieht, könnte ein Versuch sein, die Beziehung aufzupeppen – oder gar zu retten: Das versprechen immer mehr Beziehungsapps, die derzeit, quasi als Fortsetzung sämtlicher Dating-Apps der vergangenen Jahre, die Smartphones von Liebespaaren erobern. Sie heißen PAIRfect, Happy Couple oder Weil i di mog und werben damit, die von Paartherapeuten viel beschworene Beziehungsarbeit zu erleichtern.

Wobei: Weil das Wort "Arbeit" im romantischen Kontext nicht sehr sexy klingt, sagt man dazu jetzt "Relationship Care" – Beziehungspflege. Ein weiterer Lebensbereich, der via App optimiert werden soll, schließlich belegen sämtliche Studien, dass die Verliebtheitsphase nach sechs Monaten in eine Routinespirale übergeht, ehe – ohne emotionale Pflege – der so genannte schleichende Zerfall einsetzt. Dieser gilt in der Paarforschung als häufigster Trennungsgrund.

Netflixen reicht nicht

"Relationship Care ist vielen Paaren noch kein Begriff", sagt der deutsche Psychologie-Professor Rainer Banse. Gemeinsames Netflixen oder ein gut gemeintes "Wie läuft dein Tag?" via Whatsapp seien nett, aber "in vielen Fällen nicht genug, um ein solides Fundament für eine nachhaltige Beziehung zu schaffen", weiß der Experte.

Banse war an der Entwicklung von PAIRfect beteiligt, einer App für Paare, die 2018 in der Schweiz online ging und bisher 100.000-mal heruntergeladen wurde. Die Selbstbeschreibung auf der Website klingt poetisch wie ein Liebesgedicht: "PAIRfect ist ein Kompass, der euch durch den gemeinsamen hektischen Alltag begleitet und dabei hilft, dass eure Beziehung stets auf Kurs bleibt", heißt es dort. Seufz.

Happy Couple
Die App ist ein Quiz aus 1.200 Fragen über den Partner. Achtung: Eher für glückliche Paare geeignet. Wenn es kriselt, können manche Fragen Gräben vertiefen.

Between
Ein interaktives Beziehungstagebuch, man legt einen gemeinsamen Kalender an und teilt miteinander schöne Momente.

Weil i di mog
Austausch und Wertschätzung sind die Ziele dieser Gratis-App. Jede Woche wird ein neues Liebesthema vorgeschlagen, dazu gibt es Beziehungstipps.

Der virtuelle Liebeskompass besteht aus fünf Komponenten, die wichtigste heißt "Impulse" und animiert mehrmals wöchentlich zu beziehungsfördernden Schritten à la "Erzähle deiner Partnerin von einem besonders schönen Moment aus eurer Anfangszeit". Auch eine Erinnerungsfunktion gibt es, eine Möglichkeit, Wünsche zu deponieren, sowie Fragen, um tiefgehende Gespräche anzuregen (Beispiel mit Eskalationspotenzial: "Welche Eigenschaft magst du nicht an meiner Mutter?").

Liebeskiller, Liebesretter

Immer häufiger wurde das Smartphone zuletzt als Liebestöter und Lustkiller tituliert – und nun soll just eine App Partnerschaften verbessern? "Die Frage ist berechtigt, denn eigentlich sind die Smartphones der Grund dafür, dass Paare neben einander sitzen und einander doch nicht nahe sind", sagt der erfahrene Paartherapeut und Single-Coach Eric Hegmann.

Verteufeln möchte er die neuen Stars am App-Himmel aber nicht. "Menschen sind heute 24 Stunden am Tag online. Am Ende ist es wohl nur gut, dass wir dort, wo wir uns so lange aufhalten, nicht nur Kontakte knüpfen, sondern unsere Beziehungen auch pflegen können." Heikle Fragen wie etwa das oben genannte Schwiegermutter-Beispiel würde er jedoch nur in einem sicheren Umfeld thematisieren, welches bei einem Paartherapeuten automatisch gegeben ist. Beim lockeren Geplänkel zu Hause auf der Couch könne eine solche Frage - aus dem Zusammenhang gerissen - erst recht zu Konflikten führen.

Ob kriselnde Beziehungen per Smartphone gerettet werden können, sei stark von der jeweiligen App abhängig, sagt der Liebesexperte. "Ich denke, dass eine gute App einem Paar durchaus helfen kann – etwa, wenn es um Achtsamkeit und Dankbarkeit für einander geht. In diesem Bereich haben Apps für an Depression Erkrankte gute Erfolge gezeigt, die sich bestimmt übertragen ließen."

Der vielleicht beste "Impuls" für Paare kommt direkt aus der PAIRfect-App und gilt besonders am heutigen 14. Februar: "Verbringt gemeinsam einen Tag ohne Handy."