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Kinderbücher
05/15/2021

Wie Stars den Kindern mit ihrer Geschichte Mut machen

Prominente Autoren wie Herzogin Meghan, Samuel Koch und Kamala Harris wollen Eltern und Kinder inspirieren, sich nicht bremsen zu lassen.

von Daniela Davidovits

Die Lebensgeschichte von Meghan Markle klingt wie ein Märchen: Ein Mädchen verliebt sich in einen Prinzen, sie müssen die Gunst der Königin gewinnen, bekommen ein Baby und leben glücklich bis an ihr Lebensende. Doch in ihrem geplanten Kinderbuch erzählt die 39-jährige Herzogin und Mutter von Archie (2) nicht über sich selbst, sondern von einem Sohn und seinem Papa (siehe ganz unten). Ein Thema, das ihr nahe geht, hat sie doch zu ihrem eigenen Vater keine gute Beziehung.

„Wenn Promis ein Buch schreiben, hat das meist mehr mit ihrem Anliegen zu tun als mit Literatur. Es geht ihnen oft um Wohltätigkeit und auch Eigen-PR“, stellt Karin Wolf vom Institut für Kulturkonzepte fest. Doch mit professioneller Unterstützung könnten es sehr gute Bücher werden. Der Kulturbetrieb profitiert vom Trend zu prominenten Namen: „So ein Buch hat eine viel höhere Wahrnehmung und Reichweite als ein normales Kinderbuch. Es wertet die Branche auf, wenn sich Promis mit einem Kinder- oder Jugendbuch profilieren wollen. Meist wird dieser Bereich ja eher unterbewertet.“

Autoren als Vorbild

Promis erreichen andere Zielgruppen als Verlage sonst, weiß Wolf: „Wenn ein Fußballer wie Bastian Schweinsteiger oder Lady Gaga ein Buch herausbringt, erreichen sie auch Fans mit ihrem Thema, die sonst kaum Bücher kaufen würden.“

Der amerikanischen Ex-First-Lady Michelle Obama war es daher ein großes Anliegen, dass ihre schillernde Autobiografie „Becoming“ auch für junge Leser ab zehn Jahren einfacher erzählt wurde. „Es kann sogar sein, dass auch Erwachsene so eine Version gerne lesen“, so Wolf.

Promi-Autoren werden anders wahrgenommen als Schriftsteller, sagt Wolf: „Sie sind gewohnt, ihre persönliche Geschichte zu erzählen und einen Einblick in ihr Privatleben zu geben. Das interessiert ihre Fans. So können sich die Leser besser in sie hineinversetzen.“ Probleme, die viele Menschen betreffen, werden offen angesprochen und Tabus gebrochen.

Schauspieler Channing Tatum machte seine Geschichte als geschiedener Vater zum Thema seines neuen Buches, erzählte er jetzt dem Magazin Parents. „Nach der Trennung von meiner Frau hatte ich Angst, dass ich mit meiner sechsjährigen Tochter Everly nicht so eine Verbindung aufbauen könnte, wie sie es sich wünschte. Weil ich keine Haare flechten und Nägel lackieren konnte.“

Er schrieb daher über Ella, die wegen ihrer Liebe zu Glitzersachen gehänselt wird, und ihren Vater, der ihr zur Seite steht. Auch im wahren Leben scheut sich Tatum nicht mehr, rosa Glitzerflügel anzulegen und sich so auf Instagram zu zeigen. Hauptsache, seine Tochter ist zufrieden. Ein Held, wie er im Buche steht.

Lady Gaga will mehr Rücksicht

Mit dem Buch „Channel Kindness: Stories of Kindness and Community“ – (Geschichten von Güte und Gemeinschaft) – setzte Lady Gaga  ihre Kampagne für mentale Gesundheit fort. In der Pandemie wollte sie gemeinsam mit ihrer Mutter Cynthia Germanotta die Leser überzeugen, dass kleine Freundlichkeiten eine große Wirkung haben können und griff  dafür tief in ihre Erinnerungskiste: „Ich möchte Kindern, die andere verletzen oder verletzt wurden, helfen, durch diesen Teil ihres Lebens zu kommen. Als ich ein Kind war, war ich zu schüchtern, um für mich selbst einzustehen.“
Mit ihrer Stiftung Born This Way setzt sie seit  2012 Projekte um, die andere inspirieren sollen. In dem  Buch   „Channel Kindness“ erzählen ausgewählte junge Autoren und sie selbst ihre persönlichen Geschichten.
Die Sängerin sieht das Jahr 2020  als eine Krise der mentalen Gesundheit und setzt sich sehr für einen offenen Umgang mit Problemen ein.

Samuel Koch nimmt Hürden

Seit seinem Unfall vor laufenden „Wetten, dass ...?“-Kameras ist Samuel Koch gelähmt. Doch er lässt sich nicht kleinkriegen und hat trainiert, zwei Bücher herausgebracht und geheiratet. Jetzt hat er gemeinsam mit seiner Frau Sarah ein Bilderbuch geschrieben: „Das Kuscheltier-Kommando: Eine Geschichte über wahre Stärke“.
Es erzählt von einem Teddybären, der beim Herumtollen  einen Arm verliert und am Boden zerstört ist. Doch da kommen die anderen Kuscheltiere und bauen ihn wieder auf. Bis er merkt, dass er auch so zurechtkommt. Der Zeitschrift Gala erzählte das Paar von der Ideenfindung: „Wir wollen ein Kinderbuch schreiben, das cool und witzig ist – und unsere Neffen und Nichten unterhält. Dann kommt der Anspruch dazu, dass es etwas Sinnhaftes vermitteln soll.“ Was lag da näher, als von einem Körper mit Beeinträchtigung zu erzählen und dem Willen, sich davon nicht aufhalten zu lassen? Denn damit kennt Samuel Koch sich aus.

Kamala Harris stärkt Kinder

Das Kinderbuch von US-Vizepräsidentin Kamala Harris trägt den passenden Titel „Superheroes are everywhere“ (Superhelden sind überall). Darin geht es um ihre Kindheit und ihre Begeisterung für die Comic-Kämpfer – bis sich zeigt, dass der Superheld in jedem Menschen steckt.
Genau so prägend ist die Powerfrau für das Buch ihrer Nichte Meena, „Kamala and Maya’s Big Idea“.  Sie erzählt eine wahre Geschichte aus den Jugendjahren ihrer Tante und ihrer Mutter, in der die beiden Mädchen ein leeres Grundstück in einen Spielplatz umwandeln wollen. Harris will ein Vorbild sein. Bei ihrem Amtsantritt sagte sie: „Ich mag die erste Frau in diesem Amt sein, aber ich bin nicht die letzte – denn jedes kleine Mädchen sieht jetzt, dass das ein Land der Möglichkeiten ist.“

Paul McCartney lobt die Omas

Der legendäre Beatles-Sänger Paul McCartney bringt im Herbst sein zweites Kinderbuch heraus. Er setzt  die Geschichte von Opa „Grandude“ mit seinen Enkelkindern fort und betont, wie wichtig die Beziehung zwischen den Generationen ist.
McCartney beschreibt die Abenteuer, die Großvater Grandude auf der Suche nach Oma Nandude erlebt. Fans wissen, dass darin auch Wehmut mitschwingt: Seine Frau Linda starb an Krebs, von Heather Mills wurde er im Streit geschieden. Heute ist er selbst achtfacher Großvater.
Sein erstes Kinderbuch „Hey Grandude“ hieß auf Deutsch „Opapi-Opapa“ – man hört in Gedanken die passende Beatles-Melodie   – und wurde von Sängerin Judith Holofernes künstlerisch  übersetzt.

Meghan  freut sich, wenn Papa da ist

Ihr Gedicht für Harry am ersten Vatertag soll die Inspiration für Meghan Markles Buch „The Bench“ gewesen sein, das im Juni erscheint. Sie beschreibt darin eine innige Vater-Sohn-Beziehung aus der Sicht einer Mutter. Sie wolle zeigen, „wie Liebe Gestalt annehmen und sich in einer modernen Familie ausdrücken kann“.
Zu ihrem eigenen Vater hat Meghan ein zerrüttetes Verhältnis. Umso mehr ein Grund, die Bedeutung einer guten Beziehung  zu betonen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Markle mit einem persönlichen Thema eine allgemeine Diskussion anstößt: Als sie im Vorjahr über ihre Fehlgeburt schrieb, teilten auch viele andere Frauen ihre Geschichte.

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