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freizeit Leben, Liebe & Sex
09/10/2020

Hier laufen die Promis dem Fotografen nach

Pedro Kramreiter zeigt eine Auswahl seiner Bilder im KURIER-Studio Pods & Bowls in der Mariahilfer Straße in Wien.

von Richard Grasl

Pedro Kramreiter hat sie alle fotografiert, österreichische und internationale Stars von Audrey Hepburn, Falco, Curd Jürgens bis Mick Jagger. Eine Auswahl stellt er ab heute im KURIER-Pop-up-Studio Pods & Bowls in Wien (Mariahilfer Straße 10) aus.

KURIER: Das lustigste Foto zeigt den Wiener Bürgermeister Leopold Gratz mit Sakko, Hemd und Krawatte, aber sonst nur in Unterhose. Wie ist das entstanden?
Pedro Kramreiter: Es war unglaublich heiß. Gratz ist die Schminke heruntergeronnen, also überredete meine Frau ihn, die Hose abzulegen. Ich habe das als Schnappschuss festgehalten. Als er selbst davon erzählte, wollte profil 100.000 Schilling dafür zahlen. Als sie noch mehr boten, habe ich ihnen gesagt, dass ich das nie verkaufen würde. Vertrauen und Ehrlichkeit waren mir immer wichtig, sonst bekommst du keine Aufträge mehr.

Paparazzi verdienen heutzutage das Vielfache davon.
Aber wer ist es in Österreich wert, dass man sich als Fotograf tagelang in einen Mistkübel vor das Haus setzt und wartet. Bei uns laufen ja die Prominenten den Fotografen nach, weil sie abgebildet werden wollen, und nicht umgekehrt. Damit ist kein großes Geld zu verdienen.

Heute wollen Politiker ihre Fotos  kontrollieren. War das damals auch so?
Aufgeregt waren sie alle. Aber welches Foto ausgewählt wurde, habe immer ich entschieden. Klar war natürlich, dass ich nie unter die Gürtellinie gehe.

Ist die Fotografie von damals mit der von heute noch vergleichbar? Stichwort Digitalkameras, Photoshop?
Nein, mit dem Digitalen ist die Fotografie gestorben. Jeder kann alles, die Geräte machen das von selbst, man kann mit Handys ganze Filme in sensationeller Qualität drehen. Aber dadurch hat die Fotografie ihre Seele verloren.

Sie haben auch Falco in sehr privaten Situationen  fotografiert. Das Foto in der Ausstellung im Pods & Bowls zeigt ihn beim Friseur ...
Ja, in Ibiza. Er wollte gerade wieder einmal sein Leben verändern, nach Amerika gehen. Da wollte er eben eine neue Frisur, so wie das auch Frauen machen, wenn sie eine Beziehung beenden.

Wie oft wollte Falco sein Leben ändern, Sie waren ihm persönlich ja sehr nahe?
Nicht jeden Tag, aber ungefähr einmal pro Woche. Er war ein mühsames Kerlchen.

Wer war für Sie die eindrucksvollste Persönlichkeit, die Sie fotografiert haben?
Jeder. Immer wenn ich jemanden fotografiert habe, war der und die der Mittelpunkt des Lebens für mich. Niemand war mir lieber als der andere, nur manche waren schwieriger, dann habe ich mehr Material verbraucht. Sonst waren sie für mich alle gleich.

Sie haben viele weibliche Top-Models vor der Kamera gehabt, auch nackt. Macht das für einen Fotografen einen Unterschied im Vergleich zu einem Shooting mit einem Politiker?
Nein, das ist ganz egal. Auch wenn ich eine Semmel fotografiere, möchte ich sie schön im Licht haben. Ich will immer das Beste daraus.

 

Heute gibt es die MeToo-Bewegung. War das in Ihrer Zeit denkbar?
Das gab es nicht, aber wir haben auch nichts getan. Damals kam auf, dass man sich bei der Begrüßung küsst. Das hat zum Beispiel Helmut Newton sehr gestört. Er hat zu einem Model gesagt: Küssen Sie mich nicht, ich kenne Sie ja nicht.

Eines Ihrer Models, Elisabeth Fallenberg, ist später Ihre Frau geworden.
Sie war eine Institution. Das Zelluloid hat sie geliebt. Man konnte von ihr Fotos aus der Hüfte schießen, und sie war auf jedem gut drauf.  Meine besten Fotos waren die von ihr. Und das ging sogar so weit, dass ich sie geheiratet habe.

Glauben Fotografen auch, dass sie selbst der Star sind?
Das kommt vor, aber dann werden sie unglücklich, weil sie gehören nicht dazu. Ich respektiere das, und ich will nur, dass die Menschen schön sind. Auch wenn sie es sonst nicht sind. Bei mir sind sie schön.

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